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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 15 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
15 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolkSblatt. Zur ■Meletjrunn und Unteröaftung auf jüdischem Gebiete. Herausgegeben von '— [5Wo. 15. 1865J Rabbiner Dr. Ludwig Philip-son in Bonn. Von bidct 3rit|4nft er1<t<üit wötenrUch rin» Nummer. Preis de» Iadr» gangl Ifcir. VtettefiabTifl 7 % Sgt. »lle Pnchbandlnngen. Ioftänuer und Zeimng-erveditionen nehmen Vestellunnen an. [12, IaKrg. 1. (Quartal.] Noch ein Kapitel aus meiner Jugend. Bon Alexander Weil!. (Fortsetzung.) Mittag kam ich nach Haus« an. Mein Vater erwar» rere mich.; Nachdem er die Kuh besichtigt harre, sagte er zu mir: Ruhe dich eia paar Stunden aus. Ich will auf bas Thier aufpassen. Heute Abend um eilf Uhr gehen wir nach Lesenheim. Da« ist da-Dorf, wo Goethe seine Friderike gkliedt har, die Tochter des protestantischen Pa. stors, ein Dorf, welches im Elsaß durch di« Schönheit seiner jung n Mädchen bekannt ist. — Un> warum um eilf Uhr d«S Nachts, mein Daker? — Ist werde dir dieheut« Abend sagen. Einige Schritte vom Dorfe, beim AuSgang de- Gehölzes, sagte ich zu meinem Vater: — Wirst du nur envltch fugen, warum du *im schworz» Kuh habe« mußtest, und warm, wir diese Reise um Mitternacht machen? ES war ganz dunkel, und kein Licht schimmerte in der Ferne. | — Du kennst di« niedliche, kleine Anne — Marie am Ende deS Dorfes? Nun. sie ist behext. Keine ihrer Kühe giebl einen Tropfen Milch. — Du glaubst also an Hexen? — Ob ich daran glaube! Es giebt deren mehr alS fünfzig in Sesenheim. Bor einigen Jahren begegnete ich selbst welchen, zwischen zwei und drei Uhr am Morgen in diesem Gehölz, durch dawir eben gegangen sind. Sie harren vergessen ihren Sabdarh zu verlassen vor Tages, andcuch. Sie waren fast nackt. Ich habe ihnen meinen Mantel geliehen, damit sie nach Haus konnten. — Und was machen sie in dem Walde.? — Sie halten dort ihre Versammlungen. Man sagt, baß sie aus dem Schornstein kommen, auf Besenstielen reitend. Gewiß ist, daß ich oft welchen begegnet bin. Ich habe darüber meine Gedanken, und ich mache nie mit einer Hexe ein Geschäft. — Du kennst sie also? — Die alten sind bekannt, und man vermeidet sie. Du weißt, daß Mose-1 gesagt hat: „Du sollst keine Hexe Heben lassen." I — Ich wäre so neugierig, eine, zu sehen! — Dag Torr dich davor bewahre! Uedrigens wirst du sogleich Ürollige Sachen zu sehen bekommen. Aber vergiß nicht, daß du sehen und hören mußt ohne zu mucksen. Du mußt stumm wie ein Fisch sein, sonst wird dir ein Unglück begegnen. — Und was werbe ich sehen? j — Anne »Marie, hah« ich dir gesagt, ist^ durch , ihre Nachbarin, welche eine wirkliche Hexe ist, behext. Sie hat ihr alle threThiere behext-, noch mehr, diese junge Frau, welche seit fünf Jahren verheirarhtt ist, har keine Kinder. Sie hat daher einen Zauderer kommen lassen,,l welcher stärker ist als di« Hexe, um sie zu entzaubern. Er hat einen Bart wie ein Sapeur. Dieser Mann jhar mir befohlen — denn Anne»Marie, die ich schon al-Kind kannte, setzt ihr Vertrauen nur in mich — eine ganz schwarze Kuh zu kaufen, sie um Mitternacht am Mittwoch ' zu dringen. Das Uedrige geht mich nichtan. Nur werde ich -0 Francbei der Kuh verdienen ^nd werde eine < Commission für die andern Thiere haben, welche auf den Markt verkauft werden sollen. < | ES schlug zwölf Uhr auf dem Kicchthurme, als wir D ln d«a Hof traten. Anne.Marie erwart»» uns auf ihrer Thürschwelle. Der Zauderer, welchen ich nicht sah, baue j: ihr befohlen, sich gänzlich zu entkleiden, um ihren Rock l und ihr Kreuz auf die Srallschwelle zu legen. Die schwarze Kuh mußte über diese Sachen hinweg springen. Man barte die beiden rothen Kühe audem Stalle entfernt, und kaum war bi« schwarze Kud in dem sSralle, als der Mann alle Eingänge zu demselben schloßt Mein Barer war mir den beiden rorhen Kühen fortgegangen^ch sollte; ihm folgen, als ich plötzlich einen höllischen Lärm von wiederholten Schlägen von Stöcken unfr Hämmern hörte und eine Stimme, welche auf hebräisch rief: „Mi jidma loch, wi Jischwa loch, umi Jaaroch loch.. .r Daist eia Auszug aueinem hebräischen Gebete uns heißt: „Wer kann dir gleichen, wer kann dir verglichen werben, wer ist deinesgleichen: Du, der Mächtige, der Grüße, der Starke, der Ehrfurchtbare (*)!" Durch meine natürliche Heiterkeit j getrieben, kehrte rch wieder nach dem Hofe zurück, indem ich da» soeben gehörte Hebräische wiederholte und die Fortsetzung mit ^meiner schönsten Sopranstimmel fang! Ich sah weder den Zauberer noch Anne-Marie, alS ich eine Ohrfeige erhielt, welche mich zwanzig Schritte auf den Dünger schleuderte. Obgleich eg tzastz dunkel war, ' sah.ich sechsunddreißig Lichter. Ich degtnn zu rufen: Diebe! aber ein« kräftige Hand ergriff mich am Hals, und ich hörte eine Stimme,-welche mir znrief: „Verfluchter Schurke, wenn du dich rührst, wen» du ein Wort sagst, erwürge ich dich! Ich verhielt mich wiemir beföhlest. (*■) Mau bar mir seitdem versichert, daß diele Wone wirklich eine Enrzauberutzgsformel find, deren sich die Zauberer bedienen.

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