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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 13 (1865) · p. Seite 52

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
13 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Ich nac also gezwungen eine^Blouse aozuzieben, ge» schmücke mir einer Peitsche mit einem Stiele von Rufst- > schem Leder über die Schulter geschlungen und einen^ Paar > Stiefeln mir langen und weichen Schäften, die fast di- ' an da- Kniee reichten. Ich war Viehhändler. Die Arbeiten, die Anstrengungen, das Elend, die Strapatzen diese-' Standezu beschreiben, dazu gebrauchte man «inen ganzen Band. Eist wie eine Galere. Eist genügen) wenn, ich sage, daß ich bei zwanzig Grad Kälte um drei Uhr Morgenaufstehen mußte. Oft hatte der Schnee, der durch die Dachschindeln hereingedrungen nnd dann gefroren war. meine Haare an mein Kopfkissen angekledt. 1 Ich schlief auf dem Boden unter dem Dache. Ich mußte da- Hm vom Heuboden hecunrerholen, die Pferde warten, die Kühe melken, den Mist aus dem Stall schaffen, warme Flüssigkeiten zum Orlkucheo zudereiten, Rüben schneiden, Kartoffel» zerstampfen, bann, rvHdem ich einen Teller Suppe verzehrt und ein dicke- ^tuck Schwarzbrod in die Tasche gesteckt hatte, gingen mir gegen fünf ober sechs Uhr de-Morgens fort, mein Vater zu Pferde, ich fast immer zu Fuß und eine oder zwei Kühe führ.nd, manchmal ein übermüthiges Kalb, welchem ich durch Felder und Graden folgen mußte, da diedas einzige Mittel war e« zu zähmen. Ich schrack nicht einmal vor jungen Stieren zurück. Waren keine Kühe zu führen, so war ich von meinem Vater daran gewohnt, dem Pferde im Trab zu -folgen, em Baumblatt 'oder das Taschentuch im Munde. Wir durcheilten so zwei, drei, oft sieben bis acht Dörfer, ohne jemals eine andere Nahrung zu uns zu nehmen als das Bros, wozu man uns einen Schoppen Bier bracht«. Wie oft mußte ich eine Stunde lang auf den Knieen rutschen durch Felder und Wiesen, die mit Schnee und. Eis überzogen waren. Nach einem reichlichen Mahle—Hülsenfrüchke ' mir Flnsch gekocht, Brod und Wasser nach Belieben — mußten j wir uns von Neuem mit den Thieren befassen. Ich hätte mich gegen, neun Uhr hinlegcn können, aber meine Mutter : aus Angst, baß ich die Bibel und den Talmud vergäße,! zwang mich, eine ober zwei Stunden bei dem Rabbiner ’ zuzudringen. O! der brave Mann. Wenn ich, abgelau- I fen, müde, erschäft meinen Kopf auf seine großen Foliobänd, fallen ließ, weckte er mich immer nur um mich zum;u Bett gehen zu bewegen. (Fortsetzung folgt.) Bilder aus dem Orient. Bon I. I. Roscnmever, Oberlehrer in S. a- Ujbelv IX. Jericho und Umgebung. (Schluß.) Drei Viertelstunden südwestlich von Bethel tbaleinwärts treffen wir al—Biroh, drei Stunden von Jerusalem^ der Weg dahin ist steinig und die Gegend wenig fruchtbar. Bethel ist ein Dorf, auf dem von Westkn nach Osten laufenden Bergrücken, der die nördliche Ai s- Verantwortlicher R: Berkavox Baumgärtnrr« BxchtaxNua \ sicht, Welche ntcjit von Jerusalem und seiner Umgebung aus hat, begrenzt.!ES hat etwa 700 muhammedanische Bewohner, die Häuser sind niedrig und manche unter ihnen stehen hchlb in der Erde. Das Alterthum des Ortes verbürgen viele großen Steine und verschiedene Grundba-ten., Am südlichen Ende des Dorfelieht eine Hertierge in Trümmern und ein paar Minuten weiter südwestlich auf der rechten Seite der jerusalemer Straße z ist eine schön, fließende Quelle, deren Wasser ehedem ln zwei große Behältnisse an der anderen Seite des Weges geleitet wurden. Wir setzten unseren Weg fort, kamen zuerst durch einen kleinen Wady, bann über - eine schöne Ebene und erreichten auf elftem Berge El Aid, zwei Stunden von Jerusalem entfemt. Hier begegneten wir zweihundert Mann irregulärer syrischer Eavalerie, wild aussehend, aber durchaus brillant bewaffnete Bursche, die nach Jerusalem zogen, um sich dort dem Pascha zu verdingen. Die Häuser El Aid sind sehr unregelmäßig gebaut, zuweilen einfüst über dem anderen. Ein großes massive- Gebäude ist noch zu sehen, vielleicht ein vormaliges befestigtes Eastest oder Thurm. Die unteren Räume sind gewölbt, mit runden Bögen von gehauenen sorgfältig an einander gefügte» Steinen versehen. Etwa 100 Schritte vom Dorfe, nach Norden zu ist eine schöne Wasserquelle in einem ausgehiolten Keller. Nicht weit darunter liegen die Ueberrrste rirjeandern offenen Wasserbehälters, etwa 120 Fuß lang »nd 100 Fuß breit. Auf dem höchsten Punkt der Hochebene, höchstens noch zwei Stunden von Jerusalem gelangen wir zum armseligen Dorst Nebv Samwil. Hier sahen wir eine vernachlässigte Capelle, welche von Juden, Muhammedanern und Christes für das Grab Samuels gehalten wird. Das vermeintliche Grab befindet sich in einem abgesonderten Gemach und ist nur ein bretterner Kasten. Oie AuSsicki vom Dache.der Moschee ist.nach jeder Richtung sehr umfassend, man sieht Jerusalem, den Oelberg , bei bellen» Wetter sogar Jafa. Ich befinde mich auf Mizpa, nelches Wort so viel wie Warte, Wartthurm besagen will, wozu die hohe, weithin sichtbare Lage von Nebv Samwil trefflich stimmt.. Allgemeine Ziirung de- Judenthum«. Ro. 12. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Da« Borwort Napoleon'« III. (Schluß.) — wie einleitende Vorlesung Munk'«. — Lite ravscher Wochenbericht. — Leitung-nachrichten- Deutsch land: Hannover, Oppenheim, Mannbeim, Ballenstedt. Preußen: Unna, Berlin, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaat: Debreczin, S. A. Ujhelv," Pestd. Italien: Rom, Bonn. Schweiz: St. Gallen, Bern. Amerika: NewAork. Mexiko: Pari«. — ___ Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thaler. daeteur: Dr. A. Nager. ix Leipzig. — Druck »oa © tkrevst »g in Leipzig

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