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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 10 (1865) · p. Seite 40

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
10 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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40 der Rachtkühle zurück^rlegen, und gegen Mittag, oder wenn man mehrere StVlden pu. Erholung ui Herwegs braucht, am Nachmittagen Jerusalem «inzutreffen. Dieser Ritt erfordert 8—9 Sturtden; im Ganzen also irca 13 —15 Stunden. Daß ich^ in keiner Weise, namentlich wegen dem Gebirgswege übertrieben habe, beweist der Umstand, daß alle KameelSführer mir -en Gütern, einen mehrere Stunden längeren, nördlicher liegenden Tieg über Lydda und Bethoron, obgleich er im Ganzen Kö »er liegt, vorziehen, als die steilen Abhänge der fo eben beschriebenen, allgemeinen Straße hinauf und hinunter zu kletttrn. Werfen wir nun zum Schlüße dieses PaSagraphen noch einen Blick auf andere, die Geldverhältni ie. Namentlich vorerst auf die jetzigen Kosten, die der Reisende für den Weg von Jaffa bis Jerusalem, und un kehrt, zu bestreiten har. Ich will nur Durchschnittspreise a mehmen. Ein Pferd kostet vom Februar dis Mai 10 ZiS., vom Juli bis. November 5—7 FrS. Der von Fremden gewöhnlich zu zahlende Preis ist 15—20 FrS. 60 Piaster das Maultlu'er oder Packpfrrd für die Bagage meist dasselbe, sage. Nachtquartier in Ramleh incl. Trinkgelder 3' Provision und Getränk für den Weg zwischen Ramleh und Jerusalem.31 Trinkgelder.2| Summa 190 Piaster oder circa ... 40 FrS- ES ist hierbei vorausgesetzt, daß man keinen Dragoman (Dolmetscher) oder Führer, außer dem Maulchiertreiber nöthig bar, der entbehrlich ist, wenn inan der iarabifchen Landessprache mächtig ist, und den Weg kennt. Jeder Frelnde bedien^ sich nothwendigerweise meist des Ersteren, der in der Regel für Alles sorgt, und dann für jede Perion zwei Pfund Sterling, 230 dis 250 Piasters pro Tag, oder circa 100 FrS. fordert. Eine andere Act, -'chwa'chliche Personen durch Maulthiere fortzuschaffen, ohne zu reiten, besteht darin: 1) den bekannten Scharkodief, nämlich eine Art Korb oder Sitz zu jeder Seite des MaulthierS. Diese Art kostet 80 Piaster, also 30 Piaster mehr als ei» Pferd; 2» ein von zwei Maulthiecen getragenes bedecktes Trag-Sopha (Tactova^), oder eine Art Baldachin; das- ''elde.kostet 600 Piaster, also circa 133 FrS. Endlich 3) kranke Personen, bie auch dies nicht auShalten können, und sich in dem. Baldachin von Menschen tragen lassen, wozu 8—10 Mann erforderlich sind, müssen eine enorme Summe bezahlen, die sich niemals vorher angrben läßt. Ein« Frachrladu^g eines Kameels oder Maulthier, die mindestens 24 Stunden für den Weg brauchen, kostet dis 50 Piaster. Curiosum. Im Januarheft der „nordischen Revue" don Dr. Wilhelm Wolfsohn befindet sich die Beschreibung eines „Ausflugs ins tschechische Land", aus welcher wir folgende S.telle hervorheben. „Die Straße führt immer steiler hinan; der Kutscher, ein echter Vollbluttscheche, der nur wenige Worte deutsch spricht, flucht und wettert auf die Pferde. 8scrament, rstrocen» mrcha! so geht es fort. Die Leute sind im Fluchen Virtuosen. Die Reisegesellschaft ist recht gemischt; mir gegenüber sitzt ein Sohn Israels aus Pilsen, er ist noch vom alten Schläge und man sieht es ihm an, das er strenggläubig ist und koscher lebt. Er kehrt heim von den Geschäften, die ihn nach Prag riefen. Dort har er sich den neuesten „Tagesboten" gekauft, er zieht ihn aus der Tasche und beginnt zu lesen. Mein Nachbar zur Rechten ist ein junger tschechischer Student, der in die Ferien reist; er ist in Nativnalkleidung und schießt wüthende Blicke auf den Juden, der nichts BoseS ahnt und über den doch da« Gewitter hrreinbrechen soll: „Warum haltet ihr Israeliten, so' beginnt f«r seine Rede in wohlgesetztem Tschechisch, warum haltet ihr es mir den Feinden des Landes? Lebt ihr nicke von tschechischem Brode? Trotzdem lest ihr die schmähsüchtigen deutschen Blätter, die von Verunglimpfungen unsrer Nation wimmeln! Wollt ihr nie echte und wahre Söhne des Vaterlandes werden? Der Jude steckte seinen „Tagesboten" in die Tasche, schaute den jungen „Wlastenec" (Vaterlandsfreund) über die Brille eine Weile an und begann dann in «jgenthümlich accentuirtem Tschechisch: „Herr Student, Sie sagen da viel auf einmal.' Unsere Vorfahren wohnen seit länger als 1200 Jabren in diesem Lande und sind eine Wohlthat für dasselbe gewesen. Denn da, wo Ihre Nation ein Bürgerthum nicht zu schaffen verstand, wo «ine Lücke sich zwischen Hoch und Niedrig zeigte, da traten wir und die von euch-herdeigerufenen Deutschen ein und bildeten das Mittelglied. Wir leben von unserer Arbeit und nicht von Ihrem Brode, wir lesen die deutschen Blätter und halten zu den Deutschen, weil auf ihrer Seite Cultur und Handel sind." Der Streit zog sich in die Länge und drohte heftiger zu werden. Als daher zur rechten das Plänerplateau des weißen BergeS auftauchte, warf ich die Frag« hin, ob dort nicht die berühmte Schlacht stattgefunden hätte? Der Student war wohlbewandert in der Geschichte seine- Vaterlandes, ließ den Streit mit dem Israeliten und sprach ebenso fließend deutsch mit mir, wie vorher mildem Juden tschechisch." Allgemeine Zeitung de- Iudenkhum«. ,Ro. 8. 1865. Inhalt: Le i^en te Artikel: Die Emancipation der Juden in Rußland. Schlüße — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. (Schluß., — Zeitungsnachrichten: Preußen: Kosten. Oesterreichischer Kaiserstaat: Przemysl, Au« Oberungarn, Miskol;, S. A.Ujhely. Rußland: St. Petersburg. Frankreich: Pari«, Pari«, Paris. — 'SS* Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich Thale'r. Verantwortlicher Redaeteur: Or. A. Nager. Verlag von kaumgärtner'« Vuchhaaplung in Leipzig. — Druck von S »reysing in Leipzig

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