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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 9 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
9 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1 Jüdisches Volksblatt Zur tieleheung uni) lliUcrftununij uns jüdischem ' HerauSgegrbeil von i,' Rabbiner Dr. Ludwig Philip-son in. Bonn. if Ir. [Mo. 9. 1865.]?'cn Mefcr rffüutrHi «risK-ic» acdKMiiic. eine Siummtr. $tcie ttO Jafcr* Aang« 1 Ifcit.' ^iicTtcliaiiti«; «'j flüc 41ud)baur!unfl<n, Penäullcr und .^thungflcirttiiiöiicn n<t,mrn vtfteliungeu an. [12. Jahrg. 1. fl^uariai.] 9lur ruhig! „Wer mir Weisen umgeht, wird selbst weise," spricht der weise König <Spr. 13, 20.). Und fürwahr, er ist eine große Wohlthat, einen älrecn Freund zu besitzen, der durch seine« Geist und seine Erfahrung uns zum woh!- wolleiUHv^ Rathgeder und Vorbilde geworben. Ohne uns ia_U»rer Nrt zu beschränken, ohne uns durch den,Abstand zu Aufopferung, unserer Neigungen zu nöthigea, ucht allein in allen NÜHen die zuverlässige Hülfe, in Freud der 8^*1)' über, und J hat, steht erschfinenbe schätz« und Und wie fiynung, en der bereite Tbeilnehmer, sondern fein Geist it und Tugend pflanzt sich unbewußt auf uns ängst wenn der Rasen di« verehrte Gestalt bedeckt e alS freiwillig gewählter Richter, als unbewußt Warner und Mahner vor unserer Seele. d.stM. Lebens. sih Ich -« Tr das Glück, <inm so»ch«»-Are«»«» zu diezu den größten Gütern meine« oft bei einem solchen Menschen die ganze Ge» gleichsam die ganze Summe seiner Ergebnisse in einen SptuH zusammendrängt, wie uns das Allerthum aller Völker von ihren Weifen gewisse Sentenzen als den charakteristischen Ausdruck ihrer ganzen Denkart überliefert hat: so kanü ich meines Freundes nicht gedenken, ohne daß ich da- Wort höre, welches in den entscheidendsten Momenten von seinen Lippen kam: „Nur ruhig!" Nicht daß er mit diesem Ausspruch zu j,weder Zeit um sich geworfen, wodurch er nur zu einem Gemeinplätze, in dem Munde von Thoren zu einer Eatrikatur geworden wäre — nein, er war wie geweiht in feiste Seele verschlossen, und trat wie unwillkürlich nur dann hervor, wenn er mitten in eine Verwirrung der Gefühle und Verhältnisse mit mächtiger Gewalt des Sprechers, und der Hörer Seelen überwältigen sollte. Darum knüpfte sich auch für mich an diese« einfache Wort die Erinnerung an manche bedeutsame Scene, wodurch, nachdem sein Urhebe^ längst meinen leiblichen Augen entschwunden, es über mijch sein« Herrschaft übt. Zuletzt diese. Mein Freund haue mit einer ehr» und liebenswürdigen Gattin in keiner langen, glücklichen Ehe gelebt. Ihre Söhne unh Töchter, die sein Haus einst so vielfältig belebt, waren! All« hinausgezogen, ein Jever die Bahn seineeigenen Lebens. So standen die Eheleute im Alter wie einst in der Jugend wieder allem mit sich selbst, und beschränkten in reichster Liebe und Hingebung ihre. Leben-ge- «ohnheiten! auf sich. Da berührte die Hand des Todes das liebe Haupt der Greisin, ihr Blick noch mir dem letzten Strahle in das Auge des Mannes gesenkt, und ihre erstarrend« Hand in der seinen. Von allen seinen Kindern war es nur eine Tochter, welche auf dir Trauerkunde zu ihrem Vater zü eilen im Stande wa^ Ich war zugegen, als di« junge Frau, aufgelöst in > leidenschaftlichen Schmerz, in da- Zimmer ihres Vak^rS ^rar, den sie, und das war ihr größtes Leid, gebrochen und überwältigt geglaubt harre. Ader da stand der ehrwürdige Greis mu den Silberlvcken um das Haupt, dleichen Antlitze» und.mit Augen voll unsäglichen Wehs, aber aüfgeetchret und fest mitten im Zimmer, und als die Tochter! heteinstürzte, und „Mein Baker! Mein Vater!" rief, üderflulhet von Thronen, da fing er sie in seine Arme auf, und aus der Tiefe ,einer Seele klang das Wort: „Nur rudig meine Tochter," und in diesem Klange prägte sich so -anz seine Seel, voll Standhstftigkeit, voll - Gottergebung und tiefen und doch beherrschten Schmerzes aus, daß er uns Alle erschütterte und doch auf festen, juiwmnt. »bwijlntfiin ..Daß Hmrpr der , Tochter sank an »ie Brost des Batee«, ihre Arme um* 1 schlangen ihn,, wie von einem Zauber warm die Wellen! ihreleidenschaftlichen Wehegebannt, und! ihre Thränen; flössen reichlich aber ruhig. Wo waren wohl Worte gewesen, noch so voller Wahrheit und Klugheit und Resignation, die vas ausgesprochen und gewirkt hätten, wiedakurze Wort meines Freundes, in welchem Alles lag, wain dieser Stunde gedacht, gefühlt und gesagt werde« konnte. Ich werde enie vergessen, wie ich vor «inigrn Jahrzehendea, als ich, nachdem mir bereits eia»g« günstige Erfolge geworden waren, mit einer größer« Arbeit an die Oeffentlichkeit trat, in welch« ich da« Beste und Innerlichste meines GttstrSledenS mit aller männlich jugendlichen Offenheit und Frische dargelegt, und auf die ich einen großen Fleiß verwandt hatte. AlSdald aber traten mir ttcht allein Gegner, sondern auch Feinde auf, welche nicht sowohl den Werth meines Werkes und seinen Inhalt herabsetztrn, sondern meine Person verfolgten, mich ver- Irumtam «ab schtzdähetM, mix schlechte Motive und falsch« Thatsachen aadichveten. Ich war außer mk vor Leidenschaft und Grimm, mein ganzes Wesen stürmte, die Rache kochte in meinem Herzen, und drängte mich, Haß mit Haß zu vergelten und mit gleichen vergifteten Waffen gegen die Personen meiner boshaften Kritiker loszugehen. Ich stürzte mit den Schmähschriften zu mrinem Freunde, zeigte ihm in wilder Hast die schändlichste» notellen und entlud meine Aufregung in einen Strom i von Anschuldigungen, die ich gegen sie in die Welt schlrudem wollte. Mein Freund ließ mich austoben; er lieh mir ein aufmerksames Ohr, die Züge seines Antlitzes und die Blicke seiner Augen fagtty mir, welchen AnrheÄ 4t an meinem

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