Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 8 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhaftung auf jüdischem HeKiete. HecauSgegebeu von Rabbiner Dr. Ludwig Philip-so« in Bonn. Mo. 8. 1865.] »ob btcitf ZeiNchritt erMcist «öch«>UÜch ciat Pr«< des I»hr> ,o»»< > Lhlr. »irrreljähn, 7 X Rgr. Alle »uchd«AdlRsge», »o-L»ter »Nd AeitBB-»ekp«dilr»U«R se-«e» vestella»»«» a». fl 2. I-Krg. 1. chorrtrl] Sprüche der Enlel. 24. „Morgen, nicht heute", sagt die Trägheit. „Heute, nicht morgen", sagt die Begehrlichkeit. „Wenn heute nicht, doch morgen", sagt die Hojsining. „Wenn heute auch, wie morgen?" sagt die Sorge. „Heute und morgen,/ sagt die Besonnenheit. „Nicht heute, nicht morgen,/ sagt die Verzweiflung. „Morgen wie heute", sagt der Glückliche. „Wie heute, so morgen", sagt der Klagend«. Jude oder Israelit? NeuNchst fvagte mich ein wohkv»U«d-e Christ: war»« die Judm in Deutschland den Namen Jude am meisten gebrauchten und dem del Israeliten gewissermaßen Vorzügen, während in Frankreich es umgekehrt der Fall wäre? Ich sagte ihm, daß er recht gesehen. Der Grund läge aber in Folgenden. Bei dem Beginne der jetzigen Entwwrlung hätten wir überall den Namen Jude von Mißachtung begleitet und als Schimpfwort gebraucht gefunden. Dir deutschen Juden hätten nun eingesehen, daß, um dm Schmähaamm los zu werden, man diefm Ramm rehabi» litirm und zu Ehren bringm müsse: Sie hätten daher dm Ramm Jude mmhig für sich gebraucht, ihn mit dem Besten und Edelstm, mit dem Ehrenvollsten und Heilig» stm in Verbindung gebracht. Schon 1821 hat eine Gesellschaft kn Berlin eine Zeitschrift für die Wissenschaft „de- Judrnthums" Herau-Fegeben, 1884Rießer seine Zeitschrift „der Jude" genannt, 1887 die erste regelmäßige jüdische Aeiefchrift sich „Allgemeine Zeitung des Judeuthums" betitelt, und so heißt auch diese« Blatt „Jüdische- Vokksblat." Ich erzählte dem Fragesteller, wie ein jetzt Verstorbener mir 1887 angebotm, 800 Exemplare jmer Zeitung zu »eh»m, own ich che ftft ,Lnd«ch»»s" dm Ramm Jftartir »der IstmMjjch «f dm Tittel setzte. Ich wir» es zurück, wekl es hier nicht blos einen Ramm, foudeM auch et« prinzipielles Moment galt. Wir habm auch unser Ziel erwiche. Wir schämten uns des Ramms nicht, als er noch gemtßbraucht wurde und haben ihn jetzt so ziemlich von diesem Mißbrauche gereinigt. Erst durch das Individuum erhält der Rame Jude ebmso wie Christ einen per. sSnlichm Beigeschmack. Ja, es ist so «eit gekommen, daß der Name Israelit, den wir nur in der pathetischen Rede, in der Predigt u. s. w. gebrauchen, im Munde des Christen gewissermaßen den Charakter der Gespreiztheit angenommen. Es gibt nämlich noch immer Diele, welche uns ihre Toleranz durch gewiss« fühlbare Rücksichtnahme? demerklich machen, weil eben dies« Toleranz pch selbst noch sehr schwach fühlt und im besteh Fall« keine Heuchelei ist. Solche bedienen fich des Namens Israeliten, »eil sie in ihrem geheimen Domrtheil «mit dem Ramm Jude noch immer eine nachtheilige Bedeutung verbinden. Diese Art beleidigt uns, oder macht uns doch die zur Schau getragene Toleranz sehr verdächtig. Anders verfuhr man in Frankreich, wo ja Alles weniger quf dem Wege der allmäligm Entwiftlüag als in Flug und Sprung erreicht werden soll. Da hat man in Allem den Namen Israelit vor sich her getragm, und die Folg« iß, ddß di« französischen Judenfeinde noch immer ein drliedtes^Schimpfworr im „juif" habm. Bei uns glaub« unfte Beleidiger, büß sie schon tz» dem uralt« „Hebräer" greif« müssen, wenn sie lronisiren wollm. — Judeß hat die Sach« doch auch noch ein anderes, tiefer liegendes Motiv. Der Name Israel ist unser geschichtlicher Name bis gegen Ende der biblischen Zeit; von da ab heißen wir Juden, bei uns selbst, bei den Griechen und Römern, so wie der Name Hebräer die Beziehung unsres Stammes in der vormosaischm Zeit, nammtlkch bis zum Auszuge aus Egypten war. Als die mobeme Eutwikelung unter den Juden Platz zu greifen begann, habm wohl Einige unter uns daran gedacht, unmittelbar an das biblische Israel wieder anzuknüpfen, und die ganze -weitausend» jährige Zwifcheuperiode auszustreichen. Es hat sich aber hinlänglich gezeigt, daß dies unmöglich ist und wenn es msgllch wäre, mit sehr großem Verluste verbunden sein würde. Darum haben gerade MLnuer, welch« die Entwike» luug mit volle» Dewußtsrtn in das Herz ihrer Glaubensge» aoffenschaft übertrag« wollt«, welch« Ihr nicht eine fremd« Pflanze aufzupftopf«, sondem die harmonische Verschmes» zuag der Leltur und des Jobenthums uud Jude nach» drücktich gebraucht und zur fast alleimg« Verwendung gebracht. Rnr da, wo man vorzugsweise auf das biblische Judmthum in der Bearbeitung eines Lehrstoffe« oder einer geschichllichm Erscheinung zurückgrht, wird man zur Charakterisirung fich de« Wortes „israelitisch^, bedienen. i