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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 6 (1865) · p. Seite 24

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
6 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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Charakterzüge. Eine gute, alte Frau, die sich sehr gern Romane vor- I lesen ließ, pflegte^ wenn diese recht rührende Scenen fchil-! deuten >nd die Thranen der Matrone hervorzubrechen! droh^m^ sich selbst tröstend zu sagen: „Es mag gar nicht i wahr sein". — Ein liebenswürdiger, aber etwas leichtfertiger Mann, der bisweilen recht hübsche Verse machte, erzählte seinem Tischnachdar von seiner Tochter, einer Sängerin, die eine Gage von 6000 Thalern beziehe. Bald darauf beklagte er sich über einen Bekannten , der seiner Tochter beider Dutchreise durch seinen Wohnort, als sie in Geldnoth war, ein Darlehn zwar nicht verweigerte^ aber es sofort von ihm, dem Vater. zurückgefordert. Der Tischnachbar bemerkte ihm: „Aber wie reimt sich denn die Gage von 6000 Thalern mit solcher Geldnoth um ein paar Thaler zusammen^" — „Ach, erwiderte der andere, Freundchen,; wozu ist man denn ein Dichters". — Eine Chanukkahseier. Der in Wien unter dem Namen „Theresienkreuzer- Veccin" schon viele Jahre bestehende israelit. Unterstützungs- Verein, welcher sich zur Aufgabe macht, der feinem Schutze empfohlenen Jugend unentgeltlichen Schulunterricht angedeihen zu lassen und dieselbe zu bekleiden, feierte vorgestern wie alljährlich im Sperlsaale bas „Chanukkahfest" in Verbindung mit einer Vertheilung. Der Sperlfaal glich einem Bazar en miaislure; ringsherum waren Tische mit Spenden überladen und auf beiden Seiten des Saal-Einganges standen etwa fünfthaldhundert Korb'chen mit Ödst und Backwerk für die Kleinen bereit. In der Mitte des Saales lagen auf einer geschmackvollen langen Tafel feine weibliche Handarbeiten der Schülerinnen. Im linken Nebensaale'hallen sich auf der einen Seite 220 Knaben und auf der anderen 2llO Mädchen eingefunden, an welche der Prediger Herr Dr. Jellinek eine auf die kindlichen Gemüther einwirkende Ansprache hielt, worauf die Vertheilung stattfand. Es erhielten die 220 Knaben 97 Winterröcke, 112 Paar Beinkleider, 220 Paar Stiefeln, 62 Hemden, 77 Uncerbeinkleider, 68 Westen, 92 Paar Strümpfe, 62 Paar Handschuhe, 110 Halsschawls, 92 HalScücher, 12 Kappen, 144 Paar Srutzcrl, 24 Kamascben, 20 Hüte und viele einzelne Kleidungsstücke. Die 2OO Mädchen erhielten 190 Kleider, 11 Jacken, 3 Stoffe zu Kleidern, 7 Mantel, 85 Barchenkröcke, 110 Schürzen, 2OO Paar Stiefeln und 800 andere Kleidungsstücke als: Hauben, Umhangtücher, Hemden, Strümpfe, Sacktücher, Muffe, Hüte> Handschuhe rc. — Zahlreiche Gaste, welche dem Wohllhatigkeirsacre beiwohnlen, kauften von den ausgestellten weiblichen Handarbeiten mit reicher Ueberzahlüng. 1 (Das klingt doch ganz anders, als wie das „Bayceuther Tagblatt" sich aus Nürnberg v. 29. Dec. schreiben laßt: „Ein Beweis, daß sich die schöne Sitte unserer Art der Weihnachtsfeier immer mehr ausdehnt, liegt darin, baß vergangene Weihnachten viele hiesige israel. Familien den Weihnachlsbaum anzündelen." Anekdote. Zwei Bibelkenner. Vom jetzt wiederecwahlten Präsidenten der nordamerikanischen Unionsstaaten Lincoln wird folgende hübsche Anekdote milgerheilr: Kur; vor dem 8. November, dem Tage der Präsidentenwahl, machte Bischof Ames Herrn Lincoln seine Aufwartung im Weißen Hause zu Washington. Mehrere Stunden lang hatte er zugesehen, wie der Präsident'.mit gevuldigstee Langmurh Petitionen entgegennahm und Klagen fein Ohr lieh, die gar nicht vor ihn hatten gebracht werden sollen. Zuletzt bemerkte der Präsident auch den Bischof und begrüßte ihn aufs herzlichste. „Herr Präsident," sagte der Bischof, „ich sehe leider keine Bibel hier im Zimmer, sonst würde ich Ihnen vorlesen, was Moses von seinem Schwiegervater hören mußte, als er so beschäftigt war, wie Sie jetzt. Er. riech ihm, wie Sie wiffen, gute und kluge Leute auszuwählen, die alle Klagen und Bitten anhören und entscheiden sollten, nur die gar zu schwierigen Falle der persönlichen Beachtung Moses vorbehaltend. Ich raihe Ihnen, Herr Präsident, hienach zu thun.„ '— „Danke Ihnenerwiderte Herr Lincoln, dem es nicht leicht an einer treffenden Antwort fehlt s „der Rath ist gut, aber ich erinnere mich eben einer andern Stelle in der Bibel, wo es heißt, daß Moses auf den Berg gestiegen war, um für Israel zu beten, und Aaron mit der Oberleiruno betraut batte; und siehe, Aaron machte unterdeffen am Fuße des Berges mir dem Volke das goldene Kalb, um sich an Moses' Stelle zu setzen." Da die Präsidentenwahl bevocstand^ so war die Nutzanwendung nicht schwer zu finden. Allgemeine Zeitung des Judenrhums. No. 5. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: RacenschemacismuS. — Zum jünfundzwanzigjährigen-Amlsjubilaum des Herrn M. Dt. Haarbleicher in Hamburg: — Spenden-Liste für^ie Rießer-Stislung. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutsch!» nd: Aus dem Großher-! zogchum Sachsen. Preußen: Berlin. Oesterreichijcher Kaiserstaat: Au» dem Tokayergebirge. Holland: Hflag. Frankreich: Paris. Schwei;: Arau. >! Correiponden;: Jüdische Briefe von Albert Cohn. (Schluß von VI."! — . | Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. > Jährlich 3 Thaler, vierrejlährlich % Thaler. Verantwortlicher Redacreur: G. Fritzfckre. Verlad' ren Laumgärlner's BuLhantlung in Leipzig. — Truck «on <S>. Kreysi ng in Leipzig.

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