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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 51 (1864) · p. Seite 204

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
51 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 204 (sequence 4)
Language
German
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204 Aus dem Gerichtssaale. Zur Vorsicht! Paris, 23. November. (Für einen armen Jsraelike i.) Bor den Schranken erscheint ein Wohlthater. ein prächtiges Exemplar dieser Sperialilät, ci i Mann, der auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege bei Collecte zu Gunsten eines armen Israeliten den pariser Lanquiers Besuche abstottere und die milden Gaben, die hm für seinen Schützling eingehandigr wurden, zu eigenem Nutz unv Frommen verwendete. Das Sprichwort ind, ß;^„So lange geht der Krug zum Brunnen, bis er bricht", ist, obschon sebr alt, doch noch immer nicht außer Gel ung gekommen, und so geschah es, daß die rächende Nem sis eines schonen Morgens auch diesen Kripon beim Krag,n faßte. Er kam zu einem Herrn, den er folgendermaßen . niprach: „Mein Herr, obwohl Ich nicht di« Ehre hcde, von Ihnen gekannt zu sein, hoffe ich dennoch, daß §ie mir um d«S edlen Zweckes willen, der mich zu Jhner führt, meine Zudrrliglichkeir verzeihen werden." „Nehmen Sie Platz, mein Herd, und sagen Sie, was mir die Eh?e Ihres Besuches verschafft," anlwctttte der Herr des Hauses. „Ich dm Abvocal des kaiserlichen Gerichlstvfes;. in diesem Augenblicke feiern, wie sie wissen, die Tribunale, und meine Mußestunden auf eine gottgefällige Wkise auszulüllen, führe ich die Sache der Armen." „Das iß sehr schön und edeimürhig; doch dufte ich vielleicht wissen . . .i" „Was mich herfübrrr Das iß bald gesagt. Ich bin Katholik, aber die christliche Liede umfaßt alle R>liaionen, Curiosum. Das Gebaren der Missionäre. Die Missionäre in Neuseeland sind die einzigen Weißen, deren Leben und Eigenthum die aufständischen Eingebornen respectirt haben. Einige derselben sind reiche Grundbesitzer, und dieser Umstand ist dem Scharfsinne sowie den SarkaSmen der zum Christenthum bekehrten Eingeborenen nicht entgangen. William Thompson, der Häuptling der Insurgenten, fuhr eines Tages bitter loS gegen die Ungerechtigkeit, womit die PakehaS, die Fremden, seine LandSleure behandelten, und als einer jener reichen MWonare ihn ermahnte, Gcduld^zu haben und zum Himmel aufzublicken und zu beten, versetzte der Häuptling mit zornigem Spott: Za, und während wir zum Himmel aufblicken und beten, blickt ihr hinab zur Erde und raubt uns unsere Ländereien!" Der Missionär war stumm; auf eine so schnelle und beißende Zurechtweisung konnte er keine Erwiderung finden. k'raser's Magazine, welches diesen charakteristischen Fall mittheilt, fügt hinzu: Es ist sehr zu bedauern, baß Männer, die so viele Jahre gearbeitet und so vieles Gute unter den Eingeborenen gestiftet haben, daß auch diese ihren Einfluß durch ihre Habgier, ja Raudsucht schwächen und preiSgeben. Uebereifer schadet nur! Dafür sprach eine Verhandlung am Bezirksgerichte zu Mainz in diesen Tagen gegen den Synagogendiener der „orthodoxen" israelitischen Sevarar-Gemeinde. Wir erfuhren daraus, baß.derselbe sich unterfing, einem anständigen hiesigen Mädchen, das der alle Cukte, und ich vertrete in diesem Augenbli, keinen Feier einer Trauung in besagter Synagoge beiwohnte und armen Israeliten, den Herrn Eohen, der krank darniederj nach der Behauptung des SynagsgendienerS dabei gelacht liegt und, aller Subsistenzmittel beraubt, für eine ,ahlreiche > haben soll, beim Ausgang einen starken Schlag in das Familie Sorge zu tragen bat; es ist, wie Sie s.hrn, ein Gesicht zu versetzen. Die Interessen der Mißhandelten nahm armer Glaubensgenosse, dem schon alle diese Herren (auf j Herr Dr. Bruch wahr, die Verhandlung schloß mit der ein ziemlich voluminöses Heft von Namen und Geldde- Verurtheilung des Beklagten zu 10 Gulden Buße und trägen beutend) großmüthig zu Hilfe gekommen sir d. Ich - t>,n Kosten, baue auf Ihren bekannten Wohlthätigkeirssinn u >d hoffe, Sie werden den Anwalt des Arme« nicht mir leeren.! Händen ziehen lassen." AttkNIvtk. Bis hieher ging die Sache vortrefflich und vor „Armen- Ein armes Weid klagte einst einem alten, reichen, kindcradvorat zum Zeitvertreib' begann sich!in Erwartung eines losen Manne ihre Noch und sprach ihn um eine Gabe ziemlich reichen Almosens in die demüthigste Dan^barkeitsan. „Schon wieder!" rief ihr der Alte mürrisch zu; „es Position zu stellen, als dem Reichen einfirl, die ,Liste in die Hand zu nehmen. Er fand die respectadelster, Manien darin mit trcht ansehnlichen Beiträgen vertreten'VAuch den Großrabbiner von Paris, und das war die Klippern welcher der Gaunerstreich scheiterte.. Der Banqui er. hatte zufälligerweise aus dem Munde des Rabbi erfahr m, daß ein Gauner mit gefälschten Unterschriften von ^»aus zu Haus wandere undunter dem Vorwände, für einen armen Juden Spenden zu sammeln, den Leuten Geld httwslvcke. Vor dem Zuchtpolizeigerichte findet baS luf ige Gefchichtchen seinen tragischen Abschluß. Der „Adv, rat des kaiserlichen Gerichtshofes" wird zu zwei Jahren Kerkers verurtheilt und durch die folgenden fünf Jahre ur ler polizeiliche Aufsicht-gestellt. — sind doch erst drei Chassenes *) gewesen". „Ja, Chassenes", erwiderte das Weib: „Eine rechte Cewaje ist mir lieber als zehn solche Chassenes." *' Thafsene Hochzeit, Eewaje Beerdigung; aji beilen ist eS -Litte, Gaben an die Armen zu spenden.' Allgemeine Zeitung o es JudenlhumS. -No. 50ld64. Inhalt: Leitende Artikel: Rom. VIII. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover. Preußen: Berlin, Culmsee, Berlin, Köln, Thorn, Kozmin. Oesterreich ischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Wien, AuS LÜdungarn, Teplitz. Rußland: Odesia. Belgien: Brüssel. Zu beziehen durch jede-Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich >« Thaler. Berantwonl icher Redacteur: G. Fritzsche. £-tleg von DaiiBjitlnft'i Sa thontlivg in veivtig- — Druck von @. fl r 161 i n 9 in Leivttg-

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