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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 49 (1864) · p. Seite 196

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
49 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Alnun Mahomet 11. an jenem Abende »cht weit von dem Stadttheile spazieren ging, in welchem sein« hebräischen Iktterthanen wohnten, bemerkt« er, wie deren Häuser im Innern beleuchtet «arm, obwohl «S schon spät in der Nacht war, und Geschrei und unbekannte SesangS- «eism trafm fein Ohr. „WaS ist das", frugj er zwei Eunuchen. „ „Die Hebräer," " antworteten diese, „haben ihr Pascha." " Der Sultan hatte einmal von den seltsamen Gebräuchen der Hebräer an' dm PaschLabeuden sprechen hö m, von der Verschiedenheit ihrer Speisen und von vieler aodem Dingen, welche ihm jetzt durch eine natürliche E «danken- Verbindung wieder in dm Sinn kämm. Er nä! erk sich, horcht aufmerksam und eine lebhafte Neugier, iU« diese Dinge mit eigenen Augen zu sehen, bemächtigt ft h feine- GeisteS. Da wollt« nun der Aufall, daß der 'Monarch sich bei einem Haus« befand, welcheeia Alter, se ne Frau und ihr« Kinder bewohnten. Der Alte befaß eine - - wenn auch nicht sehr angenehme — Stentorstimme und der nicht geringe Genuß von Wein hatte seine Neigung zum Gesänge noch bedeutend verstärkt. Mahomet II., den feine ar geborene Höflichkeit zuerst zaghaft machte, entschied sich m! lich, an da-Thor zu klopfen. Ein alter, strenger Weiser hat den Ausspruch: auch die Vorsehung zürne demjenigen, n elcher zu zu ungehöriger S-tunde in ein fremde- Haueintiitt ohne vorherige Anmeldung. Der Sultan, gefolgt von zwei Wachen, ttit: höflich grüßend ein. Der alte Hebräer fragt, wer er fei und was ■ r wolle. Der Monarch antwortet mit der Sicherheit, die nur die Macht verleihen kann, er sei von Bewunderung ür seine Stimme ergriffen, die er auf der Straß« gehört h, de, und er würde ihm sehr verbunden sein, wenn er seiner Gesang und seine Gebete fortsetzen wolle. — Wenn in unfern Tagen ein solcher Fall sich ereignen sollte, so würde der alte Vater in die größte Verwirrung gerarhen und die Kinder, roth vor Scham, wür>en ihre ganze Beredtsamkeit aufwenden, um den Fremden u überreden, von dem geäußerten Wunsche abzustehen, ur d wenn sie auf Widerstand stießen, ihn aufforbern, sich »m seine eigenen Angelegenheiten zu kümmem und sie in Frieden zu lassen. Aber im IS. Jahrhundert waren di! Ideen der Hebräer, -so unterdrückt sie auch waren, von den msrigen ganz verschieden. Sie glaubtm sich in ihren Däusern bei der Wiederkehr der Feste ihren Mitbürgern iberlegen und verbrachten sie, stolz auf ihre von dm Vorvätei n ererbten Gewohnheiten. Unser Hausherr also fuhr mit lauter Stimme in feinem Gesang« fort, ohne die geringf en Umstände, begleitet von feinen Söhnen, di« er buch sein gute- Beispiel ermuthigte. Die Frau des Haus s frug mit weiblicher Delikatesse und mir dem Lächeln ein r glücklichen Mutter die drei Fremden, ob sie etwas jv essen wünschten, und auf ihre Bejahung eilte sie in «in andreS Aimmer und kehrte sogleich mit der Mazzothsupre und andren Speisen zurück. Während der Monarch ui:b seine deidm Leibwächter, die sich auf ein unmerkliches Zeichen ihre- Herrn an den Tisch gesetzt hatten, aßen, h rte der Alte nicht auf zu singm. Als der Hunger des < :ultanS Berautwortt gestillt «ar, nahm er Abschied von der guten Familie und ging. 4 Am andern Morgen stand die Frau, eine gute HauS, wirthin, früh auf und begann in dem Eßzimmer etwas Ordnung zu machen; aber beim Falten der Servietten, die sie auf das Couvert der drei Fremden gelegt, entdeckte sie eine starke Hand voll neuer, kaum geprägter Goldmünzen. Mit einem Sprunge war sie im Zimmer ihres noch nicht ganz erwachten Satten und rief ihm zu: „Du Esel, der du bist! Sieh dieschöne Häufchen Gold, dadu in deiner Trunkenheit von gestem Abend audeiner Tasche gezogen hast!" Der Alte glaubt zu träumen, nimmt die fremden Münzen in die Hand, läßt sie hindurchgleiten, betrachtet sie ganz genau: endlich merkt er, ber Gast devergangenen Abendsei kein andrer alder Sultan gewesen. Mit starren Augen betrachtet er feine Frau, zieht sich in einem Augenblick an, mehr au- Gewohnheit, als daß er gewußt hätte, wa» er chäte, und aler auf den Beinen war, begann er im Zimmer wie ein Rasender umherzulaufen, rauft« sich die wenigen grauen Haare au- und schrie auvoller Kehle,: Wir sind tobte Leute! Wir sind rodte Leute! Aldie Frau und die Söhne die Ursache so vieler Verzweiflung mehr errathen alerkannt hatten, gaben sie sich alle mögliche Mühe, ihn zu beruhigen, aber, vergeben-. Einige Stunden darauf sandte der Sultan einen Leibwächter, um ihn zu sich einzuladen, aber der Alt« warf sich wie von Sinnen längelang auf die Erde und erklärte dem Boten, er wolle lieber sterben al» vor Mahomet II. erscheinen, da er denselben am vorhergehenden Abend mir so wenig Respect behandelt habe. Al» der Monarch, welcher sich wahrscheinlich auf Kosten de- Alten hatte unterhalten und ihn auch wohl etwabeschenken wollen, von dessen unbezwingbarer Angst vernommen hatte, ließ er ihn in Frieden. Curiosum. In einer Gerichtssitzung zu Wien geschah ejüngst, daß der Vorsitzende äußerte: Ich muß eonstatiren, daß wir uns wirklich vergeblich an das Rabbinat zu Frei- Üabrl um,die Einsendung de» Taufscheinede- Angeklagten gewendet Hakan. (Große Heiterkeit, denn der An, geklagte ist Jude.) Da- Gelächter de» Auditoriummacht den Präsidenten auf seinen Jrrthum aufmerksam, er ver» bessert sich und sagt: Geburtsschein. Allgemeine Zeitung des JudeothurnS. Ro.48. 1F64. Inhalt: Leitende Artikel: Sott nach der Bibel. Bon Guizor — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Lu»Baden,Hambürg, Frankfurt. Preußen: Bonn, Friedrbern. Oesterrei» chischer »aiserstaat: Prag, Wien, Wien, Lemberg, Wien, Teplitz. DuniS: Pari». Holland: Rotterdam. Korrespondenz: Jüdische Briefe von Albert Lohn. II. — IX Zu beziehen durch jedeSPostamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Per Redaeteur: «. Fritzsch». ia rei»,iO. — Inutf Mn G. Lrevsiu» ta Leip^g.

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