Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 49 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. V 3« «BeleOrung und Unterhaltung aus jüdischem HeKiete. tf \ | Herouegegrbeu von j Rabbiner!Vr. Ludwig Phllip-son in Bonn. [9io. 49. 1864.] "“»• Ä [H. I»krs- 4. Quartal.] Speicher, Bude und Salon. Aus dem Leben. «Schluß., ' III.! „Kinder hat mir Gott versagt" — unterbrach mich die Gräfin. „Nun, Eie gehören Ihrem MaZne an; diesem haben Sie sich zugelobt, vor Gott und Menschen zvgelobt bis an da« Ende Ihres Leben-, und Sie müssen bei ihm ausharren und gehören ihm an, wa- Eie auch zu tragen hätten, bizu Ihrem letzten Athewzuge oder bis —" „Vollenden Eie Ihren Satz!" fügt« die Gräfin auf» geregt hinzu, und hatte sich von ihrem Sitze fast erhoben. Ich endete meinen Satz mit leiser Stimme: „oder vier Sie selbst von sich stößt." Die Gräfin war auf ihren Sitz zurückgesunken: sie rang und kämpft« mir sich selbst. Endlich schien sie zu einem Entschlüsse gekommen zu sein, st« rückte etwa« näher zu mir heran und hrach: „Zch sehe, ich muß Ihnen noch ein Gestäadniß machen." > „Der Graf liebte mich unsäglich, hob sie nach einer Weil« an. Er hatte ehinlänglich durch die Thal bewiesen. Er betrachtete mich zum Theil alS fein Geschöpf und erfreute sich der Fortschritte, die ich in meiner geistigen Ausbildung machte, wie ein Vater sich seine- KindeS freut. Di« kleinen Triumpfe, die ich in Parierlangt«, machten ihn glücklich. Und aler erst auf unsrer Reise die Herrlichkeiten der Natur und die Schätze der Kunst mir «röfftrere, entzückte ihn meine naive Bewunderung, meine natürliche D^eisterung. Meine Aeußerungen, wie sie mir unbewußt entquollen, tbaten seinem feinen Geschmack« wohl, und wie ich bereitwillig in alleeiagiug, waihn iuteresfirte, schloß er mir die Fülle feiner umfassenden Kenntnisse und seinededeutendm Verständnisseauf. Sie können denken, wie auch ich so glücklich war. Und dennoch deschlkch mich nicht selten ein niederdrückendes Gefühl, alob dienicht immer so dauern könnte. Ewar zu viel für davom Schicksal verfolgt», arm« und verachtete Mädchen. Wie? fragte ich mich> sollte in diesem stolzen Herzen Ond aufstrebend« Geiste die Fackel de- Ehrgeizevor dem Hauche der Liede gänzlich erloschen sein? . . . Ach, nur zu bald sollte meine Frag« beantwortet werden. Nachdem wir ungefähr zwei Jahre an den herrlichsten Punkt« JtalienverweUt hatten, glaubt« ich zu bemerken, daß die gut, Laune «eine- Mannesich allmählich verändere, ungleich werde; egab Stund«, wo er schweigsam und düster umherwandelte; und wenn dann auch seine Liede m so stürmischer sich mir wieder zuwandte, so entging «» mir doch nicht, daß dieetwa-Gewaltsame-, Gezwung« ean sich hatte. Die glimmend« Funken schimen sich aazufachea und die erwachende Gluth die deckmde Asste hin» wegzuscheuchen. Mir der Rückkehr nach derReßdevz, mit der hoben Stellung, die mein Mann wieder etraah», entschied esich. Die Gluth ward zur Flamme, welche unsre Liebe Stück nach Stück verzehrte. Daß ch bei Hofe nicht vorgestellt werden durfte, gab der Ariß okratie die willkommene Gelegenheit, mir ihr Mißwollm lmtlich zu erkennen zu geben. Wie viele Familien mochU» ehemalauf den reiche» und liebenswürdig« Graf» al- Freier für ihre Töchter gerechnet haben; desto größw war ihw Wuth gegen die verachtete Jüdin, die ege ibre hochgeborenen Reihen einzutret«. Da e- GelPmheiten gab, wo fi« mir nicht au-weichen behandelten sie mich, wo sie«- nur vermochten, in beleih ster Weise, und selbst der mächtig« Einfluß »eiaelegre ihn« nur geringen Zwang auf, mich ihren willen mit giftigen Stacheln fühl« zu lassen. Ich! hütet« mich wohl, «einen Mau» iegmd etwadavon merken zu lass«; ich war auch zu sehr darauf gefaßt gewesen, um mich davon erdrücken zu lassen. Ich wußte auch hinlänglich ihnen zu begegnen und erwarb mir bald Keantntß der Verhältnisse genug, um den Angreifendea mit gleicher Münze zu zahlen; sie bekamen Furcht vor mir und mieden mich nur um so mehr. Ob meinem Manne dieser traurige Kampf gänzlich entging? Gewiß nicht. Er war zu scharfsichtigen Geiste-, und da- Bewußtsein, eine schwach* Stell« zu haben, macht nur um so empfindlicher. Leider hatte ich hierbei Gelegenheit zu bemerken, baß ihn dies aicht lang« erbitterte, vielmehr ihn bald gegen mich wandte, aldie Ursache der Mißstäude, d«en er nicht ganz entgeh« konnte. Kurze Ze,t nach unsrer Rückkehr war ein älterer Bruder de- Grafen, eia unsinniger Verschwender, gestorben und hatte nur Schuld« und ein« Tochter hinter» lassen im hilflosesten Zustande. Mein Mann mußte sich ihrer anaehm«, er sprach mit mir darüber ^nd ich zeigtt mich bereitwillig, fie bei unaufzunehmen. Ich kam khr mit der größt« Freundlichkeit mrgegen und bereitete ihr in unsrem Hause di« angenehmste Stellung. Aber ich erkannt« bald, daß fie meine Liebe mit Haß vergelte, auch sie dettachtete «ich al- Eindringling und glaubte, ein voües Recht auf d« Platz zu had«, d« ich einnahm. Sie behandelte mich mit hochfahrendem Stolz« und machte dies