Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 48 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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191 nahm nur eine bestimmtere Gestalt an. Ich muß zur Klarheit darüber kommen; ich kann mich mis dieser trüben Dämmerung nicht mehr beruhigen. Da!bat mir ein freundliche- Geschick Sie zug,führt und so müssen Sie mir die Frag« beantworten: habe ich Unrecht Methan? habe ich gefehlt?" ...! Sie hatte mit großer Lebhaftigkeit gesprochen: jeder Laut ihres Mundes bezeugt« die innerste Aufregung ihrer Seele; der wechselnde Ausdruck ihres Gesichtes that den Sturm kund, der durch ihren Trist wehere^ ihre Blicke hingen gespannt an meinem Munde. „Liebe Gräfin/' antwortete ich, nachdem öch mich etwagesammelt. „Welcher Sterbliche kann sich anmaßen wollen, über den andern! in seine innersten Geist,-angelegenheiten zu Gericht zu sitzen? Dieist allein Gotte- Sachen Er ist es, der die Bewegungen unserer Seele, aludenen ein Entschluß, «ine That hervorgeht, ganz kenjrr, und doch hangt von jenen erst die sittliche Bedeutung, dieser ad. Stellen Sie Ihre Sache daher Gott anheim, der fein Urtheil in Ihren! eigenen Herzen und in Ihrem Geschicke aussprechen wird./ „Ach." rief j die Gräfin aus, „Sie wollen mir au«» weichen und wissen nicht, daß Sie mit Ihren -letzten Worten schon genug angedeutet haben. Nein," sprach sie und faltete ihre Hände, sagen Sie alle-! Wer könnte wissen, wann wir wieder Zusammentreffen niöchten? Die Fügungen Gotte-, habe ich gelernt, muß maü nicht leicht» sinnig übersehen, sondern ergründen und au-nghen. Stellen Sie sich vor, wicht daß die Gräfin von 9z. vor Ihnen sitze, sondern die Sarah Wolf, die Sie zweimal auden Händen ihrer Verfolger gerettet, die sie umerrichlet und confirmirt haben. Dieselbe Sarah Wolf fzägt sie jetzt, als Lehrer der Religion, habe ich Unrecht gelhan, oder rechtfertigen mich die Gefahr, in der ich schwebte, und die unsägliche Liebe, di«, sich meiner bemächtigt hatte? . . . Jetzt war ich gefaßt und erwiderte: „Sie velangen meine Meinung unumwunden, wie sie aumeiner inner» sten Ueberzeugung fließt. Ich maße mir m<W an, sonst würde ich zagen und mich selbst aldem-Schwanken und Jrrthum unterworfenen Sterblichen empfinden.! Sie wollen aber meine Ueberzeugung, und so darf ich fit Inen nicht verweigern. Sakah Wolf, Sie haben Unxecht gelhan, Sie haben gefehlt und schwer gesündigt. <2ji« haben alunwahr bekannt, wain Ihnen selbst,aldie reinste und höchste Wahrheit lebte, und al» wähl bekannt, waS Ihnen nur als Jrrthun, und Wahn galt. Sie baden den Gott Verleugner, den s5i« als den allein wahren ut»d lebendigen kannten, und d n vor den Menschen bekannt, welchen Ihr« Lippen, ni«»t aber Ihr Geist und Jhr>Herj «rkann» len. Sie haben da- Ewige, Unvergängliche, über die Zeiten des irdischen Lebenhinau- Reichende hingegeben für da- Irdische, Vergängliche, Zeitliche . i . Dies ist da- Wesenhafte Hhrer That, wie edem dauernden Urtheil anheimfällt. Nichtrechtfertigt Sie, und wenn noch so viele- Sie entschuldigt. Eist ein ganz anderes lau, schwach, selbst ungläubig zu sein in der Religion, inj welcher man geboren und erzogen und groß geworden, ode^ sich zu einer anderen, fremden zu bekennen. Dort hat man die Wahl und die Freiheit^ denn die Ueberzeugung hängt nicht von dem Geiste allein j ab; hier aber bekennen Sie ein Gegebene-, Bestimmtes, fest Gestaltet,-, zu welchem Sit sich unzwei» deutig bekennen und da- Ihnen nunmehr keine Wahl, keine Freiheit gestalten kann. Da- Ewig, darf »iemalfür da- Irdische,' däs^ Unvergängliche für dat Vergänglich« zum An-tuusche prei-gegeben werden. Sie sagen, daß Sie,.hätte« Sie enicht gethan, in datiefste Berderb» niß, auch «Ihrer Seele, gesunken wären. Aber wer hatte Ihnen delin diese- Verderben bereitet? Waren Sie es nicht selbst? Warum verließen Sie immer wieder den- Pfad, welchen die Vorsehung Ihnen angewiesen hatte? Warum kehrten Sie nicht zu ihm zurück, al- Sie, hundertmal gewarnt, ihres Weges müde geworden? Hätte ekeine Hand gegeben, die Ihnen' aus dem Wirrfal geholfen?. . . Und Ihre lLieb«? S.igen Sie offen, Gräfin, hat sie nicht- Vergänglichean sich gehabt? Ist sie geblieben, tyi« sie gewesen? Ist sie nicht gerade durch Ihren Schritt zu etwa- Zeitlichem und Vergänglichem geworden? Wäre sie Ihnen nicht in Ewigkeit verklärt gedtieben, erhaben urffr göttlich, wenn Sie Ihr« irdische Befriedigung geopfert hätten . , . Gräfin, Sie haben meine Meinung gewollt: dieist sie, ganz und von allen Bedingungen frei. Unser Zeuge ist Gott allein und ich habe zu Ihnen gesprochen, wie ich vor ihm allein sprechen kann ..." Die Gräfin war lief In sich versunken; ihr Haupt hatte sich herabqeneigt; ihre gefalteten Hände ruhten auf ihren Knien; ein Zittern überflog ihre Gestalt; sie schwiegt lange. D«nn sprach sie ohne aufzudlickrn mir bebender. Stimme, sie tief auihrer Brust klang: Und kann und soll ich zur Religi-y meiner Baker zurückkehren?" Ohne Zögern eiripiderte ich: „Sie könnten e-, aber sollen es nicht, wenigstens jetzt nicht. Sie könnten es, denn irgend eine Bvßübüng würde dazu genügen, denn Bekennlniß und Lebzn find unserer Religion die Hauptsache. Aber ein frühere- Unrecht kann nicht durch ein neuegesühnt, «in früherer Treubruch nicht durch späteren Treubiuch verbessert werden. Sie gehören Ihrem Manne, ihren Kindern an." f- (Schluß folgt.) Delr gelbe Ring. Einer der grimmigsten Feinde dejüdischen Geschlecht-, der Papst Jnnocen; der Dritte, wollte die Juden audem Staat-verhande trenüea, sie von der menschlichen Gesellschaft au-fchließea, sie erniedrigen und demüthigen. Um diezu bewirken, erließ er den Befehl, daß all« Juden in alleq europäischen Ländern besondere Abzeichen tragen sollten. Die allgemeinste Form diese- Ab» und Erkennungszeichen» war der gelbe Ring, den die Jtzden ganz besonderim deutschen Reiche mehralfünfhundert Jahre tragen mußten. Im Jahre l&M erließ Kaiser Ferdinand der Erste dezüg» lich degelben Ringeein allgemeine- Mandat, welchenicht wenig zur Chatakteristik diese« judenfelndlichen Regenten beiträgt. Dttse- Mandat ist heute äußerst selten, und glauben wir den Lestrn dieses Blatteeinen nicht unwillkommenen Dienst zu erweisen, sie in Folgendem datnit bekannt zu machen: Wir Ferdinand von Gottegenaden Römische zu Hungern und Behaim etc. König, Jnfanr in Hispamen, Ertzherzogjzu Oesterreich, Herrzog zu Burgund, Stepr, Karndten,! Crain v»d Würkembepg, Graue zu Tyrol, Emdieten |U. allen vnd jeden Prekären, Trauen, Frepen,