Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 48 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JSeleOrunq unö JlntFrtjaftunq auf jüdischem gebiete. 1 $craulg«0ctai von > -i Rabbiner Dr. L«t»jg PhMptzso« in Bonn. M». ts. 4. «,.«i ii£ Speicher, Bude und Snloli. Aus dem -eben. (Fortsetzung.)! III. Ich beantwortete alle ihre Fragen über mrjne Familie, Stellung und Verhältnisse und einige andere Personen aus der Heimath, für Welche sie das Interesse bewahrt hatte. Ich hatte hierbei Gelegenheit, mich über ihr« edle Aus» drucksweise, die keinen geringen Grad von Bsitdung ver» rieth, ju verwundern und war von der Eleganz und An» mukh ganz bezaubert, welche allen ihren Mienen und Bewegungen aufgepräst waren. . Fürwahr, die zphn Jahre, welche ich sie nichtlgesehen, waren sehr wirkunasreich. für sie gewesen und hatten aus ihr ein ganz anderes Wesen gemacht, als damals in einer Dachkammer des Gedirgsborfes zitternd auf den Knien gelegen. Endlich kam ich zu dem Gegenstand-, der mir jo schwer auf d!em Herzen lag. Ich trug thr alles ausführlich vor untj fi» hörte mich aufmerksam an. Sie versank dabei in Nachdenken und nur manchmal' schlug sie die Augen auf! und einer ihrer leuchtenden Blicke streifte über mich hinweg. Ich unterließ es nicht, zu bemerken, baß freilich brr stärkste Beweis für die Wahrheit unserer Aussage in dem Mitgefühl dessen liege, her bas ganze Ereigniß gena i verfolge, und baß der ganze Gegenbeweis nur in v«i4 Aeugniß einiger kurzsichtigen Arbeiter bestände, welche ni ht einmal aus eigener Wissenschaft, sondern nur aus dem, was man ihnen listiger Weise gesagt, sprechen konnten, r nb darauf hinzudeuten, daß ihr! wohl bekannt sei, wie die verfolgten oft in einer ganz andern Gestalt erschienen, als ihre wsrtliche fei. Mein Bericht schien einen noch liefern Ei »druck auf sie zu machen, als ich vorausgesetzt. Nach eine „ längern Sinnen erhob sie ih^ schön,« Haupt und sagte, mir mildem aber entschlossesiem Tone: „Diesen Menlhen muß geholfen werden; ich werbe all« meine Kräfte aufbieten, um es zu bewerkstelligen. Dies Herspreche ich J> men. Es liegt mehr in dieser! Sache für mich, wie Sie uermpthen können, Herr Doctof. Ja. sagte sie mehr zu sich selbst als zu mir, es wird ein Opfer tosten, aber dies muß gebracht werden; es wird ein Wendepunkt für rnich^daria liegen; mein Geschick «uß entschieden werden. Ad», wandte sie sich wieder zu Mir, man überschätzt meinen Einfluß; der Zenith, in welchem dieser inst gestanden, st längst über mich dahin. Beelleicht.-gelingt es mir abw gerade dadurch, daß ich keinen Einfluß mehr habe. Doch dies sind Räthsel für Sie; ich werde sie Ihnen aber lösen.' Haben Sie die Güte, mir Ihr Gnadengesuch zu übergeben. In einig« Togen werde ich Ihnen den «folg mittheilen können. Gerade deshalb aber muß ich Ihnen einige Fragen vorlegen, die mich selbst betteffen, und bitte, sagen Sie mir, haben Sie wohl noch ein Stündchen für mich zu einem Privatgespräche frei? „Und wenn es Tage wären," erwiderte ich lebhaft. „Ich danke Ihnen." j Nachdem sie einige Augenblicks sich dem Sinne« überlasse« harre, begann sie ihr, Erzählung. „Mit der Stellung, in welche mich nach jenem Vorgänge in dem Gebirgsdorfe Ihre Freundin gebracht, war ich anfangs sehr zufrieden. Ader ich war damals «och zu leichtsinnig, um abzuwarren, bis ich mich an den sich immer wiederholenden gleichförmigen Dienst gewöhnt hätte, und so kam mir das eigentliche Motiv, welches mich de, herrscht«, meiner darbenden Mutter «ine Unterstützung zu schaffen, bei dem geringen Lohne, den ich erhielt und bum» spruche« könnt,, zu Hilfe. Kurz, ich verließ da« HauS, nachdem ich dies zwar der Herrschaft vorher antzezeigt, aber ohne ihr mitzulheilea, wohin ich mich degeben wollte. Eine Bekanntschaft, die ich gemacht, verhakf mir zu einem andern Erwerbe. Gassen Sie mich, Herr Doclor, über die nächsten Jahre hinweggehen. Ich versuchte die verschiedensten Rollen, ward Schauspielerin bei einer herum» ziehenden Bande, Tänzerin, Sängerin, Gehilfin einer Wahrsagerin, und dergleichen mehr. Aber ich ha«« mich getäuscht. Es erwuchs kein Gewinn daraus; ich hakte oft die größte Norh zju leiben und sank immer 1 tiefer herab. Immer aber,.kann ich Ihnen heilig versichern, erhielt ich mich noch 'auf einer sittlichen Höhe und gab mich den Verführung« solcher Umgeduqfl nicht' hin. Vielleicht hätte ich mein damaliges Loos öfters verbessern können, wenn ich es gethaa. Es stand gerade 4m fchlimm- Hhn um michff ich mußt» nicht mehr, wohin mich wenden; alles war mir wie abgeschnitlen und ich sah nichts weirer vor mir, «fs nach so vielem vergeblichen Ringen mich dem Verderben willenlos hinzugeben, als ich den Grafen von N. zufällig kennen lernte. Wie es di« Laune großer Herren oft ist, von der Langeweile ang,trieb«, die in den höheren Gesellschaftskreisen herrscht, sich aus diesen in die niedrigsten zu versenken, geschah eS, daß der Graf auf einem Ausflug, mir einigen Kameraden in eine Dorfscheoke g,rieth, wo ich übernachtete. Die Herren hielten mich für