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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 44 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
44 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Kelehrunil unü AlUerhall,mg?uus jüdischem stesiiele. HerauSgegebrn von ' Rabbiner Dr. Ludwig Philip-sim in Bonn. . . . * /-./» 4 -i «o» Mcfct 3dtWn!t crfAeint «öLtlllllch eine Stvmckrr. Pr,i« dt« Nabr» r« j >, , i! , n rsj n 44 lot)4.l M*8« » IWt. <<ica«Iläbnfl 7 >4 Rgr. LUr «u»b«tt»»gen. Postämter sll. Lilnkst. thtimJll. L*’lw* TTl *J und Ae>ruU-«rkvedilionen nehme» «estellnngen »u.- L *- - * J Speicher, Bude und Salon. AuS vem Leben. (Fortsetzung.) H. „Sie kennen die traurigen Verhältnisse unserer Familie, hob sie an. Ich hatte vielerlei versucht, um etwas zu erwerben und meiner Mutter zur Hilfe zu kommen , da meine deld.'N jüngern Geschwister kränklich und schwächlich sind. Aber ’.i kam bei allem nichts heraus. Ich diente als Kindermädchen. als Wäscherin und waS ich sonst verstand; aber ich konnte für den Lohn kaum mir selbst die norhwendige Kleidung verschaffen. Bor ungefähr einem Halben Jahre nun kam mein Bruder, der ein vagabondiren« örS Lebrn fü!»rt^ nach Haufe und forderte mich auf, mich einem Tirolei a/izuschließen, der mit seiner Schwester, mit ihm und mi' Vorstellungen auf dem Lande geben wollte, die sehr einträglich sein würben und von deren Gewinn ich meinen * Heil haben sollte. Er malte mir baK^Leben und den Ertrag mit den verlockendsten Farben, und ich willigte ein. Der Tiroler, der sich Schwanecker nennt, ließ mich einige seiner Liedchen nachsingen, fand mich brauchbar und nahm, ohne freilich mir bestimmte? Zusicherungen jU machen, mich mit sich fort. Er tmrer« richtete mich eine Zeit lang und ich faßte die Sachen/schnrll auf. Auch war ich nicht blöde und fand mich i^gld in meine Rolle hinein. So begannen wir denn durch bas Land zu ziehen und bald in den Wlssth'Shäusern der Vorstädte und Dörfer, bald in Scheunen oder in einer Bube kleine Vorstellungen zu geben, unsre Lieder zu singen und Scherze zu freiden. Der Gewinn war ein abwechselnder, aber für mich fiel nichts davon ad^ Trotz wiederholten Drängens erhielt ich nichtals die Kleidung, die ich trage, und den nochwendigen, oft knappen Unterhalt. Es konnte mir nicht entgehen, daß der Tiroler »oft eine tüchtige Einnahme hatte und hübsche Sümmchen zurücklegen mußte, was er freilich leugnete. Mein Bruder gab meinen Klagen kein Gehör. Er mußte sich wohl mit dem Schwanecker verstehen, und eS währte nicht lange, daß ich erkannte, er stehe mit der Schwester desselben in einem Berhältniß. Aber nicht lange, so mußte ich auch von dem Tiroler Nachstellungen erfahren, und obgleich ich herauSgebracht, daß ec daheim Frau und Kinder hatte, macht« er mir Anträge, die ich mit Entrüstung zurück wi'eS. Er versprach mir goldene Berge, seidene Kleider und Gold in Menge; aber ich war auf meiner Hut und setzte seinen Drohungen Kälte und Mißachtung entgegen. Heute tnb nach der Vorstellung, der auch Sie belgewohnt und die einen ungewöhnlichen Gewinn eingedrach't, nahm er rnch in feine Kammer, zeigte mir das viele Geld, daS er gezahlt und abgerhettl hatte,'und verbrach mir die Hälfte »avon, wenn ich ihm gehorsam sein wollte. Ich lehnte eS ad. verlangte aber, da ich dis jetzt noch keinen Heller erhalten, «men mir > zukommenden Theil, da ich nicht länger umsonst dienen!wolle.' Leider kannte er meine Hilskof^- keit zu gut, oaß ich auch nicht einen Grofche» besäße,/um nach Hause kommen zu kön«en. Er verhöhnte mich deshalb, und als ich ihm die Rede nicht schuldig blieb, wollte er.über mich herfallen und mich mißhandeln. In diesem Augenblicke ging die Thüre auf und eS esse »jenen einige junge Bauerdurschen, die im WirthShause eknmTanz veranstaltet hatten und nun verlangten, die beiden Tirolerinnen sollten smitkommen/um mit ihnen zu tanzen. JM^atte schon einmal erfahren, was das zu bedeuten habe._Man soll da unaufhörlich mit jedem Bauerdursch n der Reihe nach tanzen; jeder verlangt eS, und wehe, rnn man sich weigery. Dazu soll man mit ihnen trinken; keine Ermüdung, keine Erschöpfung hilft bei den royeü Gesellen. Zuletzt zanken sie sich um die Rangfolge und prügeln sich, wobei man seinen Theil abbekömmt. Und doch ist bi,S daher atteS t och nicht das AllersiHlimmste. Ich veigerlb mich entschieden milzugehen, da ich Kopfschmerzen hätte. mige Schwa- Die Barschen lachten mich aus und der grintr neckec nickte ihnen deisiimmend zji. Sie drangen auf mich ein und wollten mich ergreifen, mich mit Gewalt fortzu, ziehen. Glücklicher Weife hatte die Kamm r noch eine andere Thüre, ich wußte zu entschlüpfen, schlag die Thüre zu und schloß ad und rannte dann aus dem Haufe. Die Burschen liefen mir nach, aber da eS fchor dunkel war und icb einen Vorsprung hakt«, benutzte ich men Durchgang «vischen zwei Häusern,' verbarg mich einige Augenblicke in einer Scheuer, bis meine Verfolger v> rüber waren, und dH ich Sie, Herr Doctor, sowohl heute, als ich mir meines Genossin hier vorüberging, als auch bei der Vorstellung erkannt hatte, nahm ich meine Flust t hieher und flehe Tie jetzt um Schutz und Rettung an? Nun begann sie mitThränen und rührendst n Ausdrücken mich und meine Frau zu bitten, sie ihrem trauri;en Schicksale zu entreißen und vor ihren Verfolgern zu verargen. Ihr schändlicher Bruder lasse sie gänzlich im Stic», und so sei ihr das zufällige Zusammentreffen, mich hir zu finden, «in Fingerzeig, baß Gott st« nicht ganz verlassen und aufgegeben habe. Ein Blick meiner Frau zeigte mir, daß sie

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