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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 43 (1864) · p. Seite 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
43 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 sich auSruhmen, die deutschen Inschriften zu entziffern. — Zahlreich sind Neben der gewöhnlichen Form der Leichensteine die einfachen bildlichen Symbole aus Stein und Marmor, soweit sie bas Gesetz gestattet, abgebrochene Säulen oder Trauerkrüge, hie und da mit einer daran gelehnten umgekehrten Fackel. Namentlich rhächen die zerbrochenen Marmorsäulen, welch« häufig dicht von Epheu umrankt sind, in der einfach rührenden Wese, womit sie das plötzliche Losgecrssen werden aus der M tte des vollen warmen Lebens bezeichnen, einen ergreifende« Eindruck und stimmen die Seele unwillkürlich;u tief errsten Betrachtungen über die so wahr und treffend aagedmtete Zerbrechlichkeit alles irdischen Daseins. Zn der Mitte d«S HaupleingangeS zwift«n den Heiden ersten Abtheilungen bilden die Bäume zu beiden Seiten durch eine Einbiegung eine Rotunde, in »eren Centrum ein reich geschmückter Grabrshügel sich erhebt. Der gemeinsame Grabstein bezeichnet diesen Platz als die Ruhestätte zweier jüdischer Märzgefallener auS dem Jahre '48. — Hierbei sei erwähnt, daß außer diesen noh eine größere Anzahl jüdischer Märzkämpfer (wenn ich nicht irre 6), die in jener blutigen RevolutionSnacht t om 18.—19. März ihr Leben verloren, auf dem Friedrich! lhaine bestattet liegen, wie die hebräischen Gedenktafeln aufi ihren Gräbern anzeigen. Anekdote. Der Dichter Berthold Auerbach in Berit t schrieb jüngst einem königsberger Freunde, der sich gera>e viel mit der ein noch unbesehen desselben, Literatur Moses Mendelssohn'« beschäftigt, kannteorginelleS Geschichtchen aus dem bas wir unfern Lesern in Kürze mittheilet» wollen. Es handelt sich um die Frage: wie kam der ven »achsene bucklige Mendelssohn zu seiner reichen und schonen! frau, der Hamburger Kaufmannstochtrr Gugenheim? Attwort: einen geistreichen Scherz. Auf seiner Durchreife nach Wolfenbüttel zu loknem Freunde Lessing ler tte der berliner Philosoph in Hamburg den Banquier (iugenheim und dessen hübsche Tochter -kennen, welche t ide ihn längst verehrten und hochschätzten. Auf seiner Rückreise gestand ihm der % later offen, daß er lange Zeit .den innigen Wunsch gehegt durch Herrath mit ihm verwandt zu werden; daraus iöane jetzt leider nichtwerden, da.seine Tochter kein groje- Behagen an seiner äußern Erscheinung finde, und setzt \ hinzu: „Sie werden sich als weiser Mann schon üdei die Abneigung meine- Kindes zu trösten wissen." Lass«« Sie mich sie noch einmal sprechen, um von ihr Abschied zu nehmen, sagte Mendelssohn, und begab sich mit d's Vater« Einwilligung vom Comtoir zur Tochrer hina» f. Beim Eintritt stürzte ihm dieselbe in großer Auf rguag mit der Frage entgegen: „Sagen Sie mir offen, Rabbi, glauben Sie, jbaf die Ehen im Himmel geschlossen verdenk" „Za, erwiderte Mendelssohn, so oft ein Knab geboren wirb, wirb > ihm im Hnnmel seine zukünftige Gattin gezeigt. Und wollen Sie auch wissen, wie es 'mir ergangen? Al« ich geboren werden sollte, wurden Sie mir im Himmel als meine zukünftige Gattin, von einem garstigen Buckel verunstaltet, zugewiesen. Allmächtiger Gott, rief ich, die schone Gugenheim mit einem Höcker behaftet. Wie wird sie den ertragen? Wie, mir gib ihn, himmlischer Vater, und nimm ihn ihr ad! Der Herr erbarmte sich Zhrer und ertheilte mir die häßliche Bürde." Gerührt stand Fräulein Gugenheim auf, gab MoseS Mendelssohn einen Kuß und feierte bald ihre Verlobung mit ihm. (Übernimmt Berthold Auerbach die Bürgschaft für die Währschaft diese- Geschichtchen-? Uns scheint eS sehr unwahrscheinlich. Redaction.) Notizen. Die Protestanten in Hallstadt (Oberösterceich) bab'n wieder einen hellen Freudentag gefeiert. Zhrem neugebauten Kirchlein mit dem schlanken Thurme fehlten bis jetzt die Glocken. Sie wurden endlich durch die Liebesgaben der Glaubensgenossen aufgebracht und sollten feierlich geweiht werden. Am Tage der Glockenweih» befand sich unter den vielen Festgästen «in Mann, der sehr andächtig der Weihrede deS Pfarrerzuhörte und mit sichtbarer Rührung dem Gottesdienste beiwohnte. Als die Kirche leer war, begab sich der Fremde m die Saccistei, händigte dem Pfarrer eine Obligation von 190 Gulden ein und bestimmte, daß di« Zinsen jährlich an arme evangelische Kinder in Hallstadt vertheilt werden sollen. Der Name thut nichtzur Sache, aber der Wohlthäler war — «in Zude. (Didaskatta.) Anekdote auS der Wirklichkeit. Ein Lehrer fragte in feiner Classe, warum bas erste Menschenpaar so glücklich lebte. „Weil es noch keine Kinder hatte," antwortete ein Schüler. Berichtigung. Zn No. 49. des Jüdischen DolksblatteS soll eS in dem Aussatz« „Früher und Jetzt" wie folgt heißen. Anstatt: „rrvpn l. «“ppn (Zeile 2, des Epitaphe-) ' „ 2) fisni l. ( — 7 — —) „ 3) beim Absatz Urt; onob »8ni allgemeine Zerrung des^ndenrhum« No -42. 1ve>4. Inhalt: Leitende Artikel: Rom. — Zerstreute Be. merkungen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig. Preußen: Bom Rhein, Forst, Gollub, Berlin, Thern, Bon der Oder. Oesterreichischer Kaiserstaat: Brsdy, Wien, Trplitz. Schweiz: Aargau. Belgien: Brüssel. KP Zu beziehen durch jedesPostamk und jedeBuchhandturig. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich. & Thalcr. Be antworriicher Redacteur: G. Fritzsche. Berlag von «tunjiti icr’i Buchhandlung in Lrtrrig- — Truck ecu G. Ä r c D t in >i in i.'ci;'«U-

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