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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 42 (1864) · p. Seite 168

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
42 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 168 (sequence 4)
Language
German
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168 stände fetten wurde, so fand es stets dasjenige aus, was seiner, Umgebung am meisten noth thale. Sklaven Zeitaltern der pädagogischen Wissenschaft mußte die Franenerziehung hinter der Erziehung des männlichen Geschlechtes zurückstehen. Wahrend alle Resultat« des Denkens und ErkrnnenS für die Bildung der Knoden in Anspruch genommen wurden, opferte man das Mädchen hie und da einer, in Ansehung der Frauen, barbarischen Weltanschauung, oder man glaubte allegethan zu haben, wenn man ihre Geistespflege nach den Eingebungen eines oberflächlichen Empiri-muS leitete. So kam es, daß auch unrcr den günstigsten Verhältnissen die Erziehung der Töchter stets einen großen Schritt zurück blieb hinter der der Söhne. Mit Verbüß bemerkten weise Erzieher, tiefer eingehende Erziehungsschriftsteller den fühlbaren Abstand, mit redlichem Eifer deuteten sie auf den Mangel einer gründlichen Frauenerziedung hin; Versuche aller Art wurden gemache zur Abhilfe, kein Mittel warb gespart, die Gesetzgebung, die Verwaltung der Staaten selbst zum Beistand angerufen. Oie Geschichte der Pädagogik wird diese wohlgemeinten Bestrebungen nicht vergessen, man wird der Anfänge und Versuche sich einst dankbar erinnern., wenn ein ' würdigere- Ziel erreicht, fern wird. Allein wai» Jahrhunderte v-rläumt, das haben ein paar Jahrzehnte l^io jetzt vergeblich gutzumachen sich bemüht. (Forts. folgt.) Ambros. Bitschen, Bürgermeister v. Liegnitz. Keine Geschichte bietet mehr facrische Beispiele von der auf Gavaltlhaten und unmenschliche Handlungen eingetroffenen Vergeltung als dir jüdische. Ohno an eine übernatürliche Wirkung zu denken, stellt sich die göttliche Vergeltung zu oft uns vor Augen, als daß sie unbemerkt bleiben könnte. Aber auch der einfache Zusammenhang lebrt uns schon, daß Grausamkeiten, an Juden verübt, von ihren Tbälern ja auch nicht als bloße Verirrung aus einem grrechten und wohltharigrn Leben heraus geübt worden/ sondern daß sie zumeist eben aus einem gewalttdäligenj herrsch- und raubsüchrigen Charakter hervorgingen, gegen den sich dann bald auch b,e eigenen Waffen wandten. Wenn man den Pöbel gegen die Juden Hehre, warum sollte dieser sich nicht auch gegen die Anstifter -wenden, nachdem er seine Macht kennen gelernt? Wer Unrecht rbul, leHrt zugleich gegen ihn selbst auch Unrecht tdun. Ein solches Factum stieß uns jüngst auf, als uns die von Dr. Sammler verfaßte „Cbronik von 'Liegnitz"') zukam und wir bas treffliche Buch burchbläfterten. Ambrosius Birschen war seit 1420 Rathsschreib«! dann wiederholt Bürgermeister, immer von Hrai unbedingtesten Einfluß auf die Angelegenheiten der Sradr. Er wirkte mir großer Geisteskraft, für das Wo!,! der Stabt, für die Erweiterung ihrer Gerechtsame und da l Wachsthum ihres Reichkhums. Allerdings vergaß er sich selbst hierbei nicht, sondern erwarb sich sehr große Gü er, au« denen ec den Fürsten, die immer deS Geldes benöthigr waren, Vorschüsse machte und vorgab, sie seien aus Cummunat- , Cbronik von Liegnitz. Erster Tbeil. Liegt itz, 1*64. Peram -erlag von 81 u m a £ r t n < von Liegnitz, Mitteln. Deshalb waren ihm die Juden in Liegnitz zuwider, nnd er arbeitete an ihrer Austreibung, um sich ihrer unbequemen Cvncurren; zu entledigen. Bitschen gab vor, die Stadr müsse befestigt werden, dazu bedürfe man des Materials und deshalb müsse die ganze Iubevgasse niedergerissen werben. Im Jahre 1447, in welchem Bitschen Bürgermeister geworden, wurde die ganze Jubrngasse niedergerissen und das Material zur Befestigung der Stabt verwandt. Da nun die Juden nirgends anders wohnen durften, so war ihre Austreibung hiermit verbunden. Nur vier Familien durften ihre Wohnungen behalten, weil Karthäufer Anrechte an diesen hatten. Die Herzogin Elisabeth genehmigte die Urkunde und zwar wegen der fleißigen, willigen und annehmlichen Dienste", so ihr vom Bürgermei st e r und Rath erwiesen. Nach dem Tode der Herzogin, wo Bitschen allein bas Regiment führte, scheinen die wenigen noch übrig gebliebenen Juden, an deren Leben das Besitzthum ihrer Häuser, auch noch ein Dorn im E Auge des Bürgermeisters und des Raths gewesen zu sein, und mit dem Erscheinen deS fanatischen Mönchs CapistranuS, der mit unbarmherziger Wurhgegen die Juden > in Schlesien tobte, ist es wahrscheinlich, daß auch hier in ' Liegnitz die grausame Verfolgung gegen die wenigen noch ' übrig gebliebenen Unglücklichen Platz gegriffen hat und man sie einem jämmerlichen Feuertobe preisgad. Aber die Vergeltung blieb nicht aus. Nach dem Tode der Herzogin Elisabeth 1449 entstand ein Lehnstreit um Liegnitz zwischen dem König von Böhmen und dem Herzog Johann von Lüben. Bitschen hielt zum Könige, während ' die Zünfte der Stadt bei dem Fürsten standen. Der; erster« wollte dadurch der Stadt und sich selbst größere I Freiheit erwerben. Auf seinen Betrieb huldigte die Stadt 1452 dem König von Böhmen und schlug den Herzog! Johann zurück. Bitschen erhielt dafür «in neues Wappen und der Bürgermeister eine Halskette. Der Herzog aber wiegelte die Zünfte auf, die durch die Uebermachl der Patricier viel erlitten. Insgeheim griff die Gahrung immer- - mehr um sich und richtete sich namentlich gegen Bitschen. Plötzlich, am Morgen deS 24. Juni 1454, brach der Tumult auS: die Bürger erstürmten das Rathhaus und nahmen die Rathsherren nebst Bitschen gefangen. Die herzogliche Familie kam nach Lieguitz, ein Gericht wurde eingesetzt und Bitschen wurde alS Hochverräther am 24. Juli vor dem Rathhaufe hingerichtet. Die andern Raths- Herren wurden freigesprochen. So hatte Bitschen die Verbrennung der Inden, die er veranlaßt hatte, nur um 'wenige Monate überlebt und war urplötzlich vom Gipfel feiner Macht dem schimpflichen Tode verfallen. All gemeine Zeitung de« Iudenlhums. No. 41. 1*64. Inhalt: Leitende Artikel: Die hohen Feste. — Die Arbeiterfrage. V. — Zerstreute Bermerkuitgen- — Literariicher Wochenbiricht. — Zeitungsnachrichten: Preußen: BreSlau, Heilsberg. Desterreichifcher Kaiserstaat: AuS Ungarn, Wien, Wien- Schwei;: Endiugen- Donausürstenthümer: Bukarest. Großbritannien: London- Holland: Haag, HelvoetSluiS. Belgien: Brüste!- Palästina: Jerusalem. Io^rieu: Kvr'u. fty Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchbandtung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich y* Tbaler. wörtlicher Kedacreur: K. Kritzsehe. '» -uki-davdluvg iv veivna- — tniil von G »r eö itnfl ia Leivua

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