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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 39 (1864) · p. Seite 156

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
39 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 Hinter dem Sarge folgte unmittelbar der Herr Rabbiner Alexandr«,wdlcher zu beiden Seiten einen Bruder und einen Neffen de- »erbNchenen hatte; dann kameq der General Gmgnard und der Intendant Uhrich, sowie Deputationen von allen Corps, die das Lager bilden; trstz des unaufhörlichen Regen« waren sie sehr zahlreich. Nachdem ihm von seiner Compagnie die militärischen Ehprnbezeugungen erwiesen wvrden, schloß sich eine große Mejige dem Zog« an, und so kam man an da- Grab, wo der Hertz Rabbiner da- Hazur tvmim poalo vortrug. War es nuH die rührende Vortragsweise oder eine andere Erregung: genug, man sah mehr als eine Thräne über die von der Sonne Afrikas gedräuntea Gesichter ttöpfeln, die vor den russischen und österreichischen Kanonen so unbewegt geblieben waren. Diesem Gebete folgt« «ine gleichfalls von dem Rabbiner gehalten« Rede, in welcher er an die Dienste und Feldzüge de- Derstordenen erinnert«, sowi« an die so verdient« Achtung, die er überall genoß. Der Hauptmann Geißemberger starb im Alter von 47 Zähren, unter denen 26 Dienstjahre si»b, nachdem er 12 Jahre in Afrika verbracht« und in den Feldzögen in der Krim und in Italien mitg,fochten hat; er war Ritter der Ehrenlegion und de- Mebfchidieordens und. besaß die Krim- und die italiänische Medaille. Die Armee hat in ihm «inen wacker» und treuen Officisr verloren, die Officiere seines CorpS einen allbeliedten Kameraden und unser Glaube einen seiner heißesten Anhänger, der niemals vergaß, daß er Zsvaelit sei, denn man sah in seinem Zimmer so gut wie in seinem Zelte das Thephillinbeurelchen in der Mitte der Trophäen aufgehängt, welche seine Waffen und Ehrenzeichen bildeten. Sin Soldat des 4. Regiment«. Die Juden iu Tetuauj*) Der preußische Generalmajor von Goden war im Jahre 1866 beordert, dem Feldzuge der Spanier gegen Marokko beizuwvhnen, den er auch in einer b,sandten Abhandlung beschrieben. Er war auch bei th Einnahme von Teruan zugegen und schildert un« dies« Stadt, so wie unter andern auch die dort wohnenden Juden, folgenbeamaßea: Teruan bot, vom Lager aus gesehen, seinen herrlichen Anblick dar. Fünfhundert Schritt vor imn, nur durch eine Einrenkung von dem diesseitigen Berlrücken getrennt, erhob sich die heilige Stadt der Marokkanet, auf steil nach dem Flusse Uad-Al»Chelu abfallender Felswand, fleckenloweiß, von schlanken Minarets verschiedenster Höhe überragt, umringt von einer' hohen, ebenfalls weiß,« Mauer, die mir Schießscharten versehen und von vielen Lhürmen flankirt ♦) Au« den „Grenzdoten." ist, während über dem Ganzen bas feste Schloß, die . Kasaba, thront. Malerisch hebt sich die Stadt aus dem üppigen Grün der Gärten, di« ihr« nächste Umgebung bilden, hervor. Orangen, Cilronen, Feigen, Mandeln und baumhohe Cartus, selbst jetzt noch im letzten Wintermonar grün, zum Theil Blätter und Blürhm treibend, bilden die vorherrschenden Gewächs« dieser Gärt«n, die durch Hecken von Myrthen, Lorbeer und Oleander und ander« immer grüne Gesträuch« von einander getrennt sind. Rechr¬ und links von dtefer Ganenlandschafr, deren Mittelpunkt ' die weiße Stadt bildet, steigt ganz kahl und unzugänglich \ die Gebirgskette der Sierra Bermeja empor. Das Innere Tetuans entsprach nun freilich dem malerischen Aeußeren nicht. Nach der verlornen Schlacht vom ZI. Januar stürzten sich die Kabylen plündernd in die j Stabt, fielen besonders über bas Jubenviertel her, ver- ' schonten zuletzt auch die maurischen Stadttheil« nicht, und so wurd«. di« Stadt 48 Stunden lang von Mord und; Verwüstung heimgesucht, bis die Spanier nachrückten. Da j waren im Jud«nviertel alle Thüren eingeschlagen, bi, Kaufbuben zertrümmert, die Straßen mir zerrissenen Stoffen! und mir zerbrochnem, in Staub und Koth getretnem Haus- ' rath bedeckt. Leichen von Menschen und Thieren lagen vielfach umher, halbwilde Hunde trieben sich heulend und gierig in den Sttaßen umher, während Laufende von Juden, Männer, Weiber und Kinder, in Lumpen gehüllt, halb « nackt, mit Wimmern und Schreien die Spanier umring-; ten und über die erlitt»« Plünderung jammerten, j Diese Juden sind Nachkommen der spanischen Juden,! welche mit den aus der iberischen Halbinsel vertriebnen; Arabern zugleich nach Afrika übersiedelten, theils später sich hier eine neue Heimath schufen. Sie sprechen noch jetzt spanisch, aber mir fremdartigem Accent und mir veralteten Formen vermischt. Teruan ist «ine ganz orientalische Stabt, ein Gewirr i enger, krummer Gaffen, oft auf Strecken überbrückt durch steinerne, die einander gegenüberliegende» Häuser verbindende Bogen. In den Stadttheilen, wo sich viele Laben befinden, ist bi« Sonnenglurh durch Decken, die über di«; Straße gespannt sind, ausgeschlossen. Von Licht und frischer Luft ist daher nicht viel zu spüren. (Schluß folgt.) Allgemeine Zeitung deSIudenthum«. 'Ho. 38. 18*4. Inhalt: Leitende Artikel: Die Rießer-Stiftung. — | Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Au« Wüttemberg. Preußen: Königsberg. Oesterreichischer Kaiserstaat: Lemberg,Prag,Wien, Aus Oberungaru. Frankreich: Paris. Italien: Rom. Donaufürstenthümer: Jassy. Belgien- Brüssel. Rußland: Warschau. Petersburg. Nordamerika: Rew-Zork, Cincinnati. XF Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Butbandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich */* Thaler. vedantwvrtlicher Redactenr: S. Aritzsche. ScrUg »ex 8«ia|itlfitT't ix 2ri»,i, - Xtx« »ex ». »re,lim, ix «ei»,i,.

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