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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 39 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
39 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches ■Beleßrunfl unö llnterfjnftur g aus jüdischem stebiele^ Herau-gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Ptilip-sou in Bonn. x >- Mo. 3S. 1884.^ x^rHS'SSSBärF51 Speicher, Bude und Salon. Aus dem Leben. (Fortsetzung.) Ich trug diese Angelegenheit einige Tage mir mir herum und entwarf endlich einen Plan. Zuvor aber mußte ich mich doch noch über die Sachlage genauer unterrichten, und ich beschloß, ohne Wissen meine- Bruder-, noch «in» mal den armstltgen Speicher zu besuchen. Alich di« Stiegen wieder ( «rtlomrain und an den Verschlagen hinging. deren Bentohner zum größten Thelle nicht zu Hause schienen, hörte ich al-bald dalaute Geschrei eine- Kinde-, untermischt mit dem Gekreisch einealten Weide-: Ich eilte nach dem One de- Lärmen- und sah, wie «in zerlumpte- Weid die Kleine Lochoer de- Wolf an de« Haaren zauste und mit den Fäusten schlug, indem ewiederholt au-rief: „Du, verdammte- Judendalg, sollst aber bei meinem Kinde bjeiben, da ich fortgehen muß!" Vergebenschrie Sarah —!- denn so hieß da- Mädchen — „Laßt mich loS, ich muß zu meinem kranken Bruder, der so sehr durstet!" und hielt dabei mit ihren Häadchm einen Topf mit Wasser fest, der schon einen großen Theil seine- Inhaltverloren hatte. Ich trat hinzu, wehrte dem Weibe, befreite da- Kind auseinen Händen und brachte ein die Stube seiner Eltem zurück. Daß dienicht ohne heftigen Wortwechsel abllef, kann man sich denken, und da- Weib drohte mit der Rache seine- Manne-, der daganze Judennest zerschlagen und zertrümmern werde. Alwir in die Stulbe traten, streckte der weinende Knabe seine Hände nach dem Wasserkruge au-, den er al-bald mit den lechzenden Lippeü leerte. Darüber war auch der Sikigting aufgewacht, und da auch daarg mißhandelte Mädchen jämmerlich weinte, gab eeine herzzerreißende Scene, der ich nur durch Bertheilung einige- Zuckerbrote-, daich mitgebracht, an alle drei Parteien, eia Ende machte. Mir vielem Schluchzfn erzählte mir Sarah, daß sie alle, besonderaber sie, viel von ihren christlichen Nachbarn zu leiden hätten, und da- Weib, dasie geschlagen, verlang« immer, sie soll« sein Kind «arten, während sie doch bei ihren Brüdern bleiben müsse. Wenn daher ihr Barer und ihre Mutter, wie dafast alle Tage der Fall fei, fortgegaagen, so riegle sie immer die Thüre zu. Heut« aber sei der Fiebertag ihr«-. Brüderchen-, und er habe so dringend nach frischem Wasser verlangt, daß sie sich endlich entschlossen, hinunter nach dem Brunnen zu schleich«. Auf dem Rück» «rege aber habe' da- Weib sie gesehen und zurückhaltm «rollen. Ich ftug sie nun, ob ihr Vater dennl wiMich f« rtziehen wollet „Ach!" antwortete da- Kind mit vielen J hränen, „wie gern »ollen wir die-, um von diesen dösen 8 keuschen wegzurommen, und dann, sagt der Vater, würde «ij unauch Helsen können, und ewürde unviel besser g^hea." j „Und warum thut er edenn nicht-" «rwiderre^ich. „Weil er. kein Geld dazu hat," antwortete da- Akind u^rb sah mich mit Augen an, die Verwunderung au-drückrin, daß ich so etwanicht müßte. „Ja, braucht er denn so viel dazu-" I „Gr rechaes oft mit meinrr Mutter zusammen und sgt dann immer: Denn ich nur dreißig Thaler hätte! ji)dck muß abesehr »iel fein, beim Vaoer und Mutter s hütteln immer die Köpfe darüber, und die Mutter «eint dann und sagt: Darauwird im Leben nicht-, waher f'llen die kommen! Und dann wird der Vater böse vnd schreit und läuft fort." i Ich hatte genug. Nach einige» tröstenden Worten üng ich fort, nachdem ich gerha», alob ich im Auftrag« ^eine- Bruderden Zustand dekranken Kindeunrertcht hätte, Der Plan, den ich mir au-gedacht, war folgender. Die Gemeinde,'zu G. war nicht zahlreich, wenn auch nicht unbegütert. Ihre religiösen Angelegenheiten waren, wie e< damal-!fast überall sich verhielt, völlig in Vorfall. Die alten Zustände siechten fort und standen in Mißach» lang und neue- Lehen und neue Ziele waren noch nicht «orhaNden. Die Gemeinde hatte eine alte Spnagoge und i inen alten Vorsänger und einen alten Gotte-acker, da- , >ar alle-, und allejdrel trugen die Spuren der Verwirre» >ung. Ich hatten so jung ich noch war, daher übernom»! i«n, in einigen Familien, es waren deren acht ober neun, Religionsunterricht zu ««heilen, so gut ich dieverstand. Und kam mir da- Honorar dafür sehr zu starten. Alich nun daheftige Verlangen fühlte, jener unglücklichen Familie zu helfen, maß ich leicht ab, daß, so sehr mir Such dle Leute gewogen warm, meine Bitte um eine Gabe ur «inen unzulänglichen Erfolg haben würde, noch dazu, a mam'dea Wolf aleinen Trunkenbold kannte und von hm und den Seiaigen immerfort augebettelt »«de. Ich «schloß daher ein andere- Verehren, damit einem Ge- >ankea übereinstiaunte, den ich Ich»» seit einem Halden ßjahre hegte und vorberejtet hatte. Privatstunden sind

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