Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 36 (1864) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
36 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4908862-5999388-6026674--2771-4911066
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Jüdisches AZolksvlatt. Lu J5e 1 c6riini] unö llntrrfjflfti Herausgcg^ben von Rabbiner vr. Ludwig l^No. 36 , n , . Ben tiefer ^eid<6riijt erfdjetnt wöchentlich lo04* Sang» l Tvlr. Biesieljadri« 7 % Sigr. -J und 3etrun adertet! denen ni und -zeinrngdexpetidenen nebtr tn Bestellungen an. ng auf jüdischem «Qefitfte. \ ^Hili'-Pson i^'Bonn. i fne Stummer. Preis de« Savrr 4 ■* . n , > . * n aSÄ wma [I!• J»hrS- 3. Quartal.] fl Sioch B o i einmal vom dublier Maggiv. i>i c x i t5 riinfeid i u Schmerlen *v Schluß.) Aoer w r wurden uns ewige Vorwurf machen, wenn wir verheimlichen wollten, daß der heimische Row wirklich einiges Mit jefühl für den Cbasan an den Tag legte. Ec rückte einige Mal sein Kappel bin und her, krame sich hinter den Oh-en, stützt sich mir dem linken Arm auf den Tisck, schnelle dann mit einem Mal empor, legte den Daumen der rechten Hand auf deren Zeigefinger und bewegte die Hand in solcher Form einige Mal auf und nieder. Man sah ei ihm an, er wollte was Großes sagen; darum waren auch aller Augen auf ihn geheftet. Da fing endlich der Rrw irrt feinsten Fistetton und mit gar gewichtiger Miene „Hat n wie kenn (kl was er Kai (in Wahrhel daraus), va^ r unser Chasan zwei Hand' und zwei Fuß' — nn) er werden geglichen zu einem Kelew (Hund-, doch vier Fuß' — denn, war' er dremmeff t) ein Kelew, war' doch gedrängenes so folgte er hakt' dedarst zu gehn (so müßte er geh'n) auf vier!?üß', und — jetzt aber wurde er recht bissig und schielte dabei auf den Maggid hinüber — und kenn denn erzähl« n ein Kelew eine schöne Mahße (Geschichtevon einem Maggid, was lauft 'rum in der Welt? hi — hi -- hi. Der Ro v lachte, der Maggid aber lächelte ob der merkwürdigen Rede, und auch Loksch lächelte, und da der Arendar jene laa-eln sah, so lächelte er mit. aber der Chasan lachte weder, noch lächelte er, man sah es ihm über an, daß er durch die B rtheibigungsrede seines intimes Freundes nicht sehr erbaut var. Jetzt wer jene unheimliche Stille eingttreten, wo mit einem Mal« die ganze Gesellschaft in tiefes Schweigen geräth, bis rft irgend ein aus der Luft gegrifftn-s Wort, gewöhnlich )ie Redensart: „Da schweigt ja mit einem Mal alle-" den Faden der Unterhaltung wieder aufzunehmen pflegt. Zuin Glück brauchte jetzt keiner aus der Gesellschaft das s einliche Schweigen zu unterbrechen; Venn — da hallte tu mitten im Besten aus der Küche in einem Athemzuge: „Hast eine Chuzpe (Dreistheit), gehst du mir da nit bald aus den Augen, du Asus-Ponisi» (Frechgesichr), du Cham Zaune mit der ledernen Flint' (ungdfähr: du Tolpatsch!), ich zerrepper' (zertrümmere) da die Schöffel in tausend Vcherden an deinem Pferdskops — und, klirr klirr — da ldg die Schüssel nebst einem Halden Dutzend Teller wirklich in lausend Scherben auf der Erde und — da, du Stück Narr, sieh' dich deffer vor, da hast du, — witsch, warsch — tlanü es hell auf einem Paar gesünder Backen. Die Bcranlaffung zu diesem Wirrwarr hatte der linkische „Cham Zaun-!" gegeben, der sich bei der feisten Köchin »liebt zu machen suchte und dafür jene Drohung nebst Zchimpfreden enrgegennehmen mußte. Ader anstatt jenen zefahrdcohenben Gegenstand an den Kopf zu schellen, beging >ie Hitzige, welche ihre Scheltworts mit einem gewaltigen zußsiampfen begleitete, zu ihrem eigenen Unglück die Urt- »orsichtigkeir, ihn. nebst anderen Leivensgenoffen dem ewigen Verderben anhfimfaUÄi zu lassen, wofür denn rwch bald hre glühenden Mangen die unangenehme Nähere Bekanntchaft der träflhzen H^nde ihrer Herrin machten. Wie gesagt, das! gewaltige Toben und Lärmen haue «ilt> den größten Thfil der Tischgesellschaft auf den Fuß mH in die Küche gebtachr^ Selbst der große Hund^der, racydem er sich gehörig sattgegessen, bereits in einem Winkel, n sanftem Schlummer gelegen, erwachte jählings, verließ eine Lagerstätte und guckte neugierig in die Küche hinein, md der große Kater, der sich diese glückliche Wendung zu stutze zu machen suchte', sprang mit einem Satz auf den zeoecklen Tisch, so daß der heimische Row, der allein in toischer Ruhe stinen Platz am Tische behauptet hatte, entetzl empor schnellte.; Das alles war da»-Werk-Feines!lugenblickes. sDa, asillen ins Gewühl hinein, erscholl die Stentorstimme'des Aeendalo.rS: He, was ist daS für ein Steiger (Art und Wesse), marsch zur Arbeit Mit ihm, was ,ar .er da zu suchen in der Küch t Jascholl, fort mit ihm! £>dt er gehört l! Und ^u aller zerbrochener Küchenscherben, dandre er sich an die noch fluchende Köchin, halft du da itr auf der Stell' dein bös Maul, so werd' ich's dir bald ustopfeu! — . Diese - kräftige Rede, in Begleitung eines «deurungsvolle^ Blicks, brachte auch bald die Betreffenden um Gehorsam; selbst die jähzornige Schprinze (w?r wird ö auch einer guten Hausfrau verdenken, wenn sie ihre lüchenheilkgthümer in sh unseligem Zustande auf der Erde rblickl) hielt bei dem: „Nu still' schon" ihres Gemahls nir den Schelavorte«, womit sie die unglückselige Köchin jderschüttete, bald ein, und die Ruhe war im allgemeinen vieder hergestelst, aln noch zum Ueberfluß von der im , limmer angebrachten Stange herab ein Helles Kikeriki des öroßsultanS der Hähne erschallte. Allmählich harre sich die Gesellschaft wieder um den lisch gesammelt. Aitzt konnte es nicht schwer werden, die Unterhaltung einzuleiien, .da doch jene Küchenscene hierzu »ichlichen Stoff gelief rt harre. Daeinheimische Rebbechen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.