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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 35 (1864) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
35 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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139 her im tiefsten Boß einige Mal, gleichsam alS Einleitung zu seiner Rede, stark aufgehuster, begann er zur Demüthigung des großen Maggidfolgende Erzählung: War mal ein Maggid, der «st gereist von Khille zu Khille (Gemeinde), wie mancher Maggid thuk. Mal ist er getominen in eine Khille, wo 'S har d'cin gesteckt groß Frummigkeit; aber einer ist dorr gewesen, waS ist gewesen ein großer Posche Jisroöl (der sich von den Satzungen loSsagt), was hat nie mehr gehalten heilig den SchadbeS. Der Maggid bar gedarschenk (einen Vortrag gehalten) und hat gesagt groß Mussar (gehörig Moral), baß alle sind geworden erschüttert von Herzen und gerührt zu Thränen. Tag'- drauf ist der Maggid-gegangen mir seine» Schnrllgadde (FamuluS) einsitmmeln von Haus zu HauS Geld für feine nächtige (gestrige) Drösche. Wie man kommt voc's HauS von dem Posche Jisroül, will der Maggid' nir reingeh'n; aber der Schnellgadde red'r ihm zu und sagt: „Was fchad'rs, wir tonnen doch machen ein Prodir (versuchen), und sie geh'n rein. Da Wunder über Wunder, wird er gar freundlich vom Baaldoß (Hausherrn) ausgenommen und zum Weggeh'n kriegt er ein Ädfartegeld (AdferligungS« gelb), ein Avfarregeld, sag' ich euch, was hat betragen mehr wie das, was er von allen zusammen har eingekrlegt. Ha, ha, ha, das ist ge«vefen eine Freud' für den Maggid." Jetzt hustet der Baßchasan wieder einige Mal in voriger Weise auf und beginnt, die Schadenfreude auf seinein Gesichte, wie folgt: „Warr's, warl'S (wartet), ich bin noch nir fertig, ihr habt noch nir ganz auSgehörr: Kommt der eigene (derselbe) Maggid später wieder mal in dieselbige Khille. Wieder hat ec gedarschenk, sein Mussar (Moral) aber ist heut ganz unterschiedlich gewesen von dein, wa» er hat dazumal gesagt. Er har nachgegeben — eS ist jetzund eine andere Welt, har er gesagt, «nan kann nit mehr so ballen den SchadbeS, wie man möchl', der gebrauch ist größer, all'S ist anders, man mög', wenn man sich nir anders helfen kann, das und jen's, wenn man nur Z'duke (Almosen) gibt. Wieder ist er Tag'- drauf gegangen zu jenem guten Baaldoß. Heur, har er geweint, «vird er zu«n wenigstens fünf «nal so viel kriegen, wie dazumal, weil er bat ihm gedarschenk zum Guten. Ader wie har er groß angeguckt den Baalboß, wie er ihn har gar uasänfriglich ausgenommen. „WaS Hab' ich denn verschuld'!?" hat er gesagt, „guter Herr, daß ihr heut seid so undarmherziglich, Hab' ich doch gesagt zu eurem Guten, fcie ihr werd't haben gehört." — „So meint ihr, zu meinem Guten had't ihr gesagt, zu meinem Bösen, sag' ich euch; denn Eie. ihr l)ab*c j gesagt aut Mussar (zur Moral), da Habich ge»vußr, I cs werden alle fromm bleiben und mein SchaddeSgeschäft; wird geh'n, jetzund aber, wo ihr hadl'S ihnen leichter ge«nacht,; werden ‘ sie'S mit dein SchadbeS nir mehr so genau nehmen und werden auch Geschäfte'machen, .und mein Geschäft wird nit mehr so gut geh'n — drstm Hab ich euch dazumal auch gut belohnt; heut' aber — na, ich will euch nit ganz adweisen — da had't ihr euren Halden Gulden. WaS meint ihr — der Maggid hat eingesteckt den Halden Gulden und hat zugesagt, ec »vird später wieder mal reden, wir er, der Baaldoß, will. Ha, ha, ha, daS har gekonnt ein Maggid, ein Maggid har das gekonnt." so lachte er auS vollem Halse, nur von seinem Nachbar, dem Row, der sich unter dem Tische frohlockend die dürren Händchen rieb, begleitet. Alle anderen, empört ob dieser i. «rletzüng des ehrwürdigen Maggibs, verzogen auch nicht ei re Miene zum Lachen, warfen vielmehr dem bellenden E ßafan einen Blick der. Verachtung zu. Der Maggid allein emriff daS Wort, und fpßach mir «vehmüthigem Tone: „Gerechte Gott, wenn daS soll haben gethan ein Maggid! — pfui über ihn!" — DaS war alles, waS er zur Erwiderung für nothn endig befunden. Da zischelte ihm aber der freundliche 2>ksch von der «inen Veite und der gastfreuubliche Wirlh v m der atidern Seit« in- Ohr, dem Fresser, wie sie sich a^Sdrückten, «in'd auis lose Maul zu geben. Er konnte il re« Zudringlichkeit nicht widerstehen und da er auch hierd i nichtzu verlieren! hatte, streifte er mit der Hand ein ll-al nur über die hohe Stirn, und er haue gefunden, n as er drauchrc. I „Fällt mir da waS bei, so begann er. Es sinnen (!nd) her erliche Wochen, hat einer, wir fmnen auch so giessen bei Tlsth, er ist gewesen in Kischkowo, waS erzählt --ich will'- da wieder erzählen. „Wie Gott har beschaffen (erschaffen) die ChareS (Thiere), hu er sie jedes defunb (besonders) .zu sich gerufen und har sich mir sie auSgered't. Ist'gekommen der Hund — der hu grfrägtt „Ich werd' geschickt in die Welt, was wird sin mein Thun?" — „Du wirst sein der Schäumer (Wächter) über Haus und Hof, wirst müssend die und jene schwere Arbeit verrichien, wirst in Hitz' und Kalt' liegen a» der Ken und wirst beim minb'sten Fehl! kriegen große Schlag'. — Oi über mir, har der Hu»d lgeschriegen ( «schrien), welcheJudren (Jahre) sinnen mir zugei^essen?" rösißig!" — „Zuvsel, viel zuviel — zwanzig ist rit genug— „Gtir, 's soll bleiben bei zwanzig." Jetzt ist gekommen angefprungrn das P,'.rd. „Was vird sein mein Thutli" har'S gefrägr. — „Dein Thun r ird fein sehr schw««s — wirst ackern, wirst zieh'n die l Lägen, wirst sein in der blutigen Nrlchome (Krim) obenan, r «an wird dich stupsen uno stoßen dahin und dorthin, man r ird dich einzsvängen in Strick' und Ledek. >und Eisen, und deine Kost »vird sein Hader und Heu." Und da» si'erd hat geschriegea wie der Hund: „Oi ütz-c mic — r »e lang' soll ich daauShalren?" — „Vierzig Hahri!" — , Vierzig, vierzig, zuviel, viel zuviel — dreißig ,st nit genug t" — ,Out, w soll gescheh'n dein BZilen, mög'S beiden de» dreißig." \ Nach den HhajeS (Thieren) ist gekommen de: — Cha» f >n. „Was »bird fern mein Thun t" — 2 ein Thun v ird sein, du chirst singen, wirst kommen zu D oim (Ver,! -bangen), zu Ehasseneb (Hochzeiten), zu Ssudeß (Beschneidangen), von Ssimctze zu Ssimche (Freude), du wirst gut essen und gut trchken und wirst obendrein noch Geld k:iegen, kur;, du wiest gehn lustig durch die Welk mit Singen und Springm.""^Har sich, ber Chas n gerieben beide Hand vor Nachaß (Wonne) und hat ge ungea und i i gesprungen vor (aiirrt Freud' tn die Hoch (Höhe) und Ut gefrägr: „Wie vrel Juhren hast du mir zugem:ssen L" — Dar'» geklungen: „Fünfzig!" — Jetzr har öer Chasan c ngenommea ein nütz Ponim (Gesicht) und har gebeten, (»vtt möchl' sich annshmen sein (erbarmen) und ihm zul gen zu die Jühren. Da hak Gott gesagt: ,<Der Hund »nd das Pferd' haben zuviel und dir ist all'» zu wenig. Sch will dir ober deinen Willen erhören — ich had' ab*

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