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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 35 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
35 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zur JSeteQ riiiig unft Unjerhattung Herausgegeben Rabbiner vr. Ludwig Ph auf ^üllischem stebiete. von lippso» in Dann. i-rti op t A>»i -i «o» vieler Zeitlckriit erscheint wvchenUich eine «Ammer. Preis des 3«tye rA H LS(' , n /A , , [9to. 35. 1864] i-»|* Lm°LLd?..^L°°.bL i*cf*T [H* I»drg. h. Quartal.] -Ammer. Preis des Noch einmal vom dubner Maggid. Bon Moritz Grünfeld in Schwersenz. (Fortsetzung.) Zttzt ließ sich unser Maggid nicht zweimal bitten; er wusch sich die Hände und rhat sich gütlich an Speis' und Trank, wobei er nicht vergaß, der in der Kochkunst unüdertrefflichpi Schprinze gerechtes Lob antzsdsthen zu lassen. Wahrend er noch bei Tische saß, stellten sist^chrig^ Gäste des OrteS ein. Zur Vorstellung ttdurfre «S keines* besonderen CeremoniellS, da man sich großenteils ksnWS Ader der geneigte Leser kennt die Eingelretenrn noch nicht, und um ihn vor einer gewissen Ungemütlichkeit, die man in unbekannter Gesellschaft zu empfinden pflegt, zu schützen, stelle ich ihm dieselben im allergedräuchlichsten Stil« der Mode vor: Herr Meier Loksch, Holzhändler — Red Leibche Schaul, Rabbiner der Gemeinde — Red Chemie, Chafan, Schauchet, Schammes und was dran und drum hängt. Der Aufforderung zum Mitessen folgten die beiden letzteren ohne weiteres, und der edlen Wirthin, die mit Hilfe ihres WeibecregimentS ohnehin in der Kürze der Zeit deS Guten in Hüll' und Füll' hergerichtet hatte, fiel eS nicht schwer, daS etwa noch Fehlende zu ergänzen. Während der Row (Rabbiner) die Hand gar gelassen und bedächtig zum Munde führte und jeden Bissen vorher gleichsam beschnupperte, hielt sich der Chafan, selbst der ärgste Neid muß eS ihm lassen, recht wacker, alles ohne lange Wahl und Untersuchung ksinrerbunter zwischen dieleidenschaftlich bewegten Eßwerkzeuge hineinschiebeyd, indem er zeitweise nach einer durch die Kehle glücklich durchge» rutschten Partie recht muthiglich mit der Zunge aufzuschnalzen und mit den grünen Aouglrin zu zwinkern pflegte. Herr Loksch, der sich lieber an sein« lange Pfeife hielt, auS oec er gewaltige Dämpfe in die Luft blies, gesellt« sich zum Maggid und war recht bald mit ihm in eine^müthliche Unterhaltung geraden. Lotsch war ein gar biederer, leur» seliger Mann; er gehörte aber nich"t mehr zu den Orthodoxen, setzte sich schon über diese- und jeneleichter hinweg und gehörte beispielsweise auch nicht zu den fleißigsten Schulgehern; denn man batte hierzu doch nicht immer Zeit. Dirhatte der dubner Maggid in der Unterhaltung auch bald erfahren, zumal da Loksch in derselben fein Glaubens» dekenntniß unumwunden abgelegt hatte. — Glaube etwa nicht, geneigter Leser, daß ich den letzten Satz so. mir nicht« dir nichtniedesgeschrieben habe, um «den nur Die Seite zu füllen; du mußt da- Borhergegangene wissen, wenn du mir da- Nachfolgestd* glauben -sollst, sowie der Maggid wi sen mußte, daß Loksch kein fleißiger Echulgeher sei, wenn er auf die ihm ldald näher zu bezeichnende Frqge eine richtige Artwort geben I sollte. | Alnämlich Loksch im Gespräch« voi! Verwunderung bii Frage an ihn stellte: „Ader sag't mi nur, großer Maggjid, wie kommt'-, daß ihr nur Mo sck olim und wieder Moscholim sage und nicht auch m^l «in Stück Chmrifeß (scharfsinnige Auslegung)-" tot such das, ich .sag' lauter-MVchholim, wart, ich werd' bald zin MoAel sagen." %' ist mal gewesen 'An'JutlH' '-^mß er haben geheißen Kiive — der ist gewesen tief in die Zwanziger schon, was ha gearbeit Chamor lemasso (wie ein Esel — ausdauernd) T^g und Nacht und har zusammengescharrt Geld. Ader er ist gewesen ein starker Kamzen (Geizhals), er hat nir gera gegeben. Hat man ihn mechabbed gewesen (beehrt) zu einer Chassene (Hochzeit) oder zu einer S'sube (Besch »eidungSfeier) oder sonst zu einer S'simche (frenbige Ge, leg nheit), ist tr auch nir gegangen. Wie stimmt dazus »mmen, ein Kamzen geht nir zu einer Chassene, zu einer Emde? — Richtig gefrägt. Wie soll er nik gewollt haben dorthin geh'», w» eist gut zu essen sind trinken? —[ aber steht wieder ein anderer Poffek (dir steht wiedrr au einem anderen Blatt) — er hat sich so meschauel eiz, gewesen (berathen): da- Essen und da-Trinken kriegt Mün dechinnen (umsonst), und wiederum kost'S Geld; — der n dg- Trinken hat gekost ein Zutrinken dem Row, ein Zu rinkrN dem vhafan, ein Zutrinken dem SchammeS, da in' rt Teller reingeworfea fürdie Chewre (Verein), und daist ge« esen ein thener Essen, ein theuer Trinken.So ist er lieber gar nir gegangen. —- Nu ist gekommen die Zeit, wo er hat gehabt seine eigene Chassene (Hochzeit). Da hatihm schon'nit geholfen, ec hat gemußt dabei sein, un ' ja oder nein, zutrinken, viel oder wenig, er hat gemußt. Und wenn man ist Mann und Weid, und Gott' gibt M >sel (Glück) »nd ekommt die Zeit, wird die Mischpoche (F milie) größer. ES ist noch nit gewesen nach der Chassene (H rchzeit) ein Hahr, da hat schon Krwe gehabt ein klein Kir»eche, d. h. er nit, sein Weib. 'S hat gemußt werden ger»acht eine Sfude. Wie greif (ordnet) man die an? — S« in Weid hat gelegen im Kindbett, seine alte Muhme Richel, die er hat gehabt-bei sich, hat'« schon gehabt ver» ges en, und er Mein, wie har ergesollt wissen, er ist doch nir lmer gewesen zu einer Ssude. Wen soll man fragen? Er len Erwachsenen zu frägea hat man sich geschämt. Nun ha> er gefrägt : die Züngelchen, was sind gekommen zum

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