Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 33 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
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132 Talmudische und rabbinische Sprichwörter^). An .der Pforte des Ladens (UeberfluffeS)! gibt's der Freunde und Genossen gar viele; an der Pforte des Elends weilen weder Freunde noch Genossen. — . So lange du noch den Staub auf demenFüßen dass, verkaufe deine Waare. (Ein schneller Umsatz bringt sichern Gewinn.) — Wehe dem Teig, gegen welchen der Bäcker selbst zeugt. (Schlimm steht es, wenn die eigenen Freunde und Verwandten, ja selbst di« Eltern, ein schlechtes Urtheil fällen müssen.) — Wehe den Menschen, welche sehen, ohne zu wissen, was sie seben; welche stehen, ebne zu wissen, woraufsie stehen. — Alle Arten von Hol; geben beim Brennen keinen Ton von sich, nur di« Dornen knistern auf, sagend: auch wir sind Holz..— Sprichst du des Nachts, dampfe deine Stimme, sprichst du des Tages, blick dich um zuvor. Gib deine Geheimnisse auf dein Felde und deinen Rath auf den Bergen kund. — Gib wenig oder viel, nur richte dein Herz Labei zum Himmel empor. — Sittlichkeit ist besser als edle Abkunft, denn diese bedarf lener, jene nicht dieser. — Wird der Bauer auch König, kömmt ihm dennoch der Korb nicht vom Nacken. — Wo das Buch ist, (st'bas Schwert entbehrlich; wo das Schwert ist, ist das Buch überflüssig. — Man trifft selten einen Menschen, der feinen Standesgenossen liebt. —. Man soll nicht aus einem Becher trinken und den Blick auf einen andern werfen. — Rathen dir ^die Alten: reiße ein, und die Jüngern: baue, so reiße lieber ein und baue nicht, denn das Einreißen der Alten ist Bauen, und das Bauen der Zagend ist Einreißen. — Ist ein Unwissender überfromm (Ten), so wohne nicht in seiner Nachbarschaft. — ' : Auch eine Mvrlhe zwischen Gestrüpp wird immerfort Mvrtke genannt. (Der^Edle bleibt edel, atch wenn das Schicksal ihn an den Unrechten Platz gestellt») — Kann Feuer dem Flachse gesellt werden, ohne ihn zu versengen e (Wer sich in Gefahr begibt, kommtjdacin um.) — > Heil dem, welcher sich fügt wie ein Ochis dem Joche, wie ein Estl i^er Last, wie eine Kuh, die auf dem Felde den Pflug zieht. - (Wohl dem, der mit Gcdpld und Kraft trägt, was das Schicksal'ihm auferlegt.) —j Heil dem, der einen Nagel har, Nwös daran!zu hängen. --7 Ist ein Band gelöst, lösen sich mehrere? — Hast du dich ihm vermiethet, mußt du thm auch seine Wolle ausklopfen. J Wahrend die Frau spricht, spinnt sie. (Frauen wissen auf geschickte Weise, ohne daß man es merH, ihren Vortheil zu ersehen.) — Ein kleiner Kürbis gleich ist^besser als ein gijoßer später. — *• 2. Lukes, rabbinische Blumenleie. Leipsi;, 1S44, Vera t Verlag t>?u J*a : ajät tm Wirf keinen Stein in den Brunnen, woraus du Wasser getrunken. — Zwischen Hirten und dem Wolf ging das Schaf zu Grund,. (Wieoft paßt dieauf ganze Völker und Staaten!) — Zn der Stadt, wo man wohnt, reicht der Name hin, außerhalb muß es das Kleid thun. — Dem Armen folgte die Armuth allenthalben. — Einst sagte der Schwanz der Schlange >zu ihrem Kopf: Wie lange willst du vorangehen? Ich will letzt vorangehen! Gehe! antwortete der Kopf. Der Schwänz ging voran. Er traf auf eine Wassergrube und die Schlange fiel hinein;' er kam an ein Feuer und die Schlange fiel hinein. Dornen waren auf dem Wege und die Schlange fiel hinein. Wenn die Kleinen den Großen gehorchen, werben ihre Wünsche erfüllt, müssen sich aber die Großen nach den Kleinen richten, fallen sie alle rücklings. — (Forts, folgt.) , Ciiriosuui.! Bekehrungen. Unter diesem Titel khsilt die „Didasr kalia" folgende historische Anekdote mit: Kazl's des Großen Sohn und Nachfolger, Ludwig der Fromyre, suchte die Normänner, welche er nicht zu besiegen vermochte, wenigstens zu bekehren, wozu diese sich denn <!uch um so mehr bereit finden ließen, da er den zu Taufenden immer ansehnliche Geschenke machte. Nun pflegte 1W1 damals den Täuflingen, sie mochten unmündig ober schon erwachsen sein, weiße Kleider anzuziehen, welche sie erst acht Tage nachher wieder ablegten. An einem Ostertage war indessen die^ Anzahl jener rauflustigen Seeräuber fo groß, daß man nicht weiße Gewänder genug hatte und daher in aller Eile solche machen ließ, die aber freilich nich^ zu den schönsten gehörten. Ein normannischer Edelmansi, dem man ein solches anlegen wollte, ward darüber ft* erbittert, daß er es zur Erd« warf und wie rin Kärcnc^ fluchend ausrief: „Das ist nun das zwanzigste Mal, dqß ich mich taufen lasse; aber Noch niemals har man mir,einen so schlechten Lumpen gebracht!" — Es erinnert uns dies lebhaft an die Klage eines polnischen Zubers als das bei der Taufe zr? empfangene Geldgeschenk herabgesetzt wurde: „Ein Stückjchen Brot hat der arme polnische Jude gehabt, und das kill man ihm jetzt auch nehmen!" 1 , Allgemeine Zeitung deSJu beul bumk. No. 32. l>64. Inbalt: Leite nteArtikel: Wonach die Menschheit strebt? WaS sie verlangt? — Rechnungs-Abschluß des Instituts zur Für» derung der israel, Ateramr. — LicerariicherlWvchenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt, Frankfurt aM. Preußen: Neuß, Rawic;, Blvtbo. Frankreich: Paris. Schweiz: Eudingen. Großbritannien: London. Türkei: Tuln'cha. Donaufürste nthüm er: Bukarest. Rußland: Aus Littbauen. SSS“ Zu bezieben durch jedes Postamt imdjjedz Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, viertcljäbrlich Thaler. wörtlicher Redacteur: 05. Fritzfche. f« $u6frantlttBg ii veivziz. — Druck von <*>. Ä r e r >i n 9 in?eie»ifl.