Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 20 (1864) · p. Seite 78

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
20 (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999388-6026656--2692-4911003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

78 10—12 auf die SiegeSkcaft de- Volkedurch das leben- ' dige Princip de- Gottvertrauenau-gesagt wird, waS für, ein Individuum höchste Uedectreidung wäre, B. 15 nach der Hilfe Gotteder Judelruf „in den Zelten der Gerechten wohnt" und von V. 23 an die erste Person der Mehrheit gebraucht wird. Tritt so in diesem Psalm die erste Person der Einheit für die gesammre Gemeinde ein, so ist dienicht dlodichterische Form, sondern eliegt darin d§- riefe Gefühl de- Ein-seinaller Individuen mit der Nation, wodurch dann wiederum diese- Gefühl im Individuum geweckt wird. So legt denn nun vor allem der Sänger den einzig richtigen Ausspruch de- Danke-iubelder Gemeinde in den Mund und fordert Israel, die Priester und die Gottesfürchtigen auf, diesen Oanke-spruch ärmyer zu wiederholen, . ob zur Zeit der Nolh, ob zur Zeit des Sieges, Denn in jener wie in dieser bewahrt sich ohne Unterlaß die Gnade Gottes. Hiernach spricht die Gemeinde zunächst alle die Reflexionen aus, welch« aus der Erfahrung in den wechseln- , Den Geschicken sich alunumstößliche» Ergebniß herausstellf. t«n. Zuerst, daß keine Ledrängniß so drückend, keine Gefahr so groß ist, in welcher der Ruf zu Gott nicht durch Befreiung beantwortet werde. Darum, in der Sicherheit | bec Nabe und Hilfe Gotte-, fliehe weithin die Furcht vor j Menschen, die nichtvermögen gegen den Beistand Gottes,> und da dieser an der Niederlage der Haffer, derer, die in Ungerechtigkeit und Bosheit ge^n den Gerechten und Schuldlosen anftürmen und ihn zertreten wollen, sich immer sichtbar macht. Darum aber hinweg mir dem Vertrauen auf Menschen und Fürsten, das so pft trügt und täuscht, während die Zuversicht auf Gott allein immer besteht. ' Diese Zuversicht verleibet einen unerschütterlichen Murh, eine nimmer wankende Siegesgewißheit, welche die größt, Mehrzahl der Feinde, ihren wildesten Eifer und alle ihre bereits errungenen Vorteile für nichts achter. Die Gemeinde siebt sich umringt von ihren Drängern, von allen Seiten umringt, wie unabsehbare Bienenschwärme mit giftigem Stachel stürmen sie auf sie ein, wie schnell aufloderndes Feuer der dürren Oornendüsche, das den Wald entzündet und mit seinem Knistern und Rauschen Schrecken verbreitet, umtoben sie und bedrohen die — dedvangte Gemeinde — diese wanket nicht und rufet: „Im Namen des Ewigen, ich vertilge sie!" Sie weiß, was der.Feind beabsichtigte: ec wollte nicht sie ängstigen, sie berauben, sie beschädigen, sondern sie zum Falle bringen, sie niedecRürzen auf den Boden, daß sie sich niemals wieder^rhede —aber der Ewige war ihr zur Hilfe, und nun ist Preß und Sang für den Ewigen in ihrem Munde, der stets; i ihrer Rettung nah, nun tönr Jubel und Siegesruf in allen Wohnungen der Gerechten, die aber nicht sich, »ich ihrer Kraft, nicht ihrem Heldenmuthe! den Sieg^züsck teiben, sondern „der Rechten de- Ewigen^, welch« allein Nacht verleihet, den Gebeugten erhebt, den Bedrängten kfceit! Doch nun liegt dies hinter uns. Wir vergessen d« I gedemuthlgten Feindes, wir erheben nur unste Seele z ic Betrachtung dessen, was Gott gewollt und gerhan. T se Gemeinde weiß jetzt, daß sie niemals untergehen, ewig; leben und schon durch ihre uberstandenen Geschicke der1 Welt erzählen und kund thun werde die Wallung Gottes , i Vorsehung und Gericht. War sie bedrängt und tief g ibeugt, so war es von Gott über sie verhängt, um sie zu bessern und zu lautern, und so muß ihr die überstandene Prüfung nur dazu bienen, sie für immer für das Recht zu gewinnen, in' ihr die Ueberzeugung zu festigen, daß allein der Gerechte in daS Heiligthum Gottes eingeken könne und Recht und Frömmigkeit nur ein und dasselbe sind. Da wird es durch solche Erkennini'ß im Herzen deS Geprüften zu wahrem Danke, daß Gott ihn also bedrängen ließ und dann zu Rettung und Sieg brachte. Er fühlt, daß in der Wallung Gotteda- Kleine und Verachtete «um Großen und Bestehenden wird, der verworfene Baustein zum Eck- und Grundstein deganzen Gebäudes — wie da» geschmaheke Israel füt die gan^ Menschheit — nur daß solch' Geschehniß nicht aus der Einsicht und Kraft de- Menschen, sondern allein auS brr Wallung Gottes hervor« gehr, daß wir bewundernd davor stehen und unsren blöden Augen wunderbar erscheint, was Gott seit lang« vorbereitet und endlich verwirklicht hat. Und darum Überlassen wir unS nun bec ungetrübten Freude und feiern einen Tag des Jubels, den uns Gott geschenkt hat! Die gottesdienstliche Feier soll vor sich gehen. Denn waS in der Brust des Einzelnen wogt, was ihn in Sorg«, Wunsch und Dank bewegt, dasoll hinaustreten zu gottesdienstlichem Werke und von der Gemeinde in ihrer Gesammrdeir vor den Auge« GotteS und der Welk in fester Gestaltung erscheinen. Der Sänger zeichnet uns dies in kurzen, aber großartigen Zügen. Zuerst daS Geber, wie eS auS dem Herzen des Einzelnen quillt, das Geber um Hilfe vor allem Ungemach und um Beglückung in allem Erstrebten. - Dann die Versammlung im Heiligrhume des Herrn, aus welchem der Segen Urnen entgegenströmt, die aufrichtigen Herzen- und mit gotterfülller Seele dahin eilen. Denn von diesem Heiligrhume aus kommt die Erleuchtung, und in ihm wohnet die Erkenntnis«. Draußen auf den Wegen de- Lebenbleibt alles zerstreut, nur einzeln fahren die Strahlen der Wahrheit umher und erhellen uns auf Augenblicke, aber in dem Heiligtbume des Herrn gehr uns die ganze Sonne auf und davolle Licht strömt in unsre Augen ein. Nun die Eeremonie, das Festopfer, in ihrer ganzen Ausdehnung kur; angedeutet, von dem Heranführen der Opferrhiere di-zur Sprengung des Blutes an die Hörner dcS Altars. Ader wie nur der erleuchtete Geist ein rechte- Opfer dringt, so liegt in diesem doch nur der Gedanke ausgesprochen: Gott anzuerkennen, ibm zu danken und ihn zu preisen — und so vereinigt sich, sowie daS Opfer vollbracht ist, die ganze Gemeinde in dem Dankeshymnus: „Danket dem Ewigen, denn er ist gütig: Denn ewig wahrer feine Gnade!" Dies ist Schritt vor Schritt der Gedankengang bieseletzten Stückedegroßen Lobliedes. Und so schließt dieser Sang, herrlich an Inhalt, glänzend an Form, würdig de- Volkes der vier Jahrtausend«, würdig, von den Lippen aller Erdensohn« zu ertönen dian da- Ende der Zeiten. Denn wadurch die Jahrhunderte flurhrt im Geschicke der Völker und was in dem Herzen klopfet und schwillt jedem Einzelnen, der über diese Erde schreitet, es ist gleicherweise in ihm ausgesprochen und mir ewig tonenden Worten auf unsere Lippen gelegt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.