Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 19 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 osi an Ber Beri-rg von ^aumgariuer ua& Mendelssohn'S Licht noch nicht biS hierbei gedrungen war. Jetzt erfreuen wie uns einer guten Lehranstalt mit j zwei geprüften Lehrern, und die Linder von (h—8 Jahren lernen nicht nur daS Hebräische beten, sondern sie können eS auch übersetzen und verstehen, was sie beten» Nekrolog. - Der den Lesern dieses Blattes durch seine ebenso tief durchdachten als religiös-moralisch gehaltenen „Aphorismen" rühmlich bekannte Herr David Wahl ist nichr mehr, '3 v'nrrr ir« npb. Nach längerem Unwohlsein, aber kurzem Krankenlager, entschlief derselbe, dis zum letzten Alhemzuge sein glaubensvolleS Bewußtsein bewahrend, im. Vertrauen auf den Allmächtigen, den er stets über alles liebte, sanf^ ohne den geringsten Kampf und vollkommen vorbereitet auf bas bessere Leben. Schnell durchlief diese Trauerkur de die ganze Stadt und jedermann, ohne Unterschied der > Konfessionen, wurde von dem Tode dieses so allgemein ge chteren undx hochgeschätzten Biedermannes schmerzlich ergriff n. In unserer materiellen Zelt, in der leidcc so oft die Glaubenswärme und Gocresdurchdrungensein einer stolzen Selbstüberhebung, einer unersättlichen Haband Genußsucht weichen muß, ragte der Dahingeschieden? mit einem Leben voll Eifer und Tharkrast für alles Ed!e und Gute empor. Groß waren die Tugenden des leider zu frühe, im 43. Lebensjahre Heimgegangenen, besten Thun nui npTP und dessen Wort nur rot* war, äußerst ansprtchslos und dcmülhig wie nur wenige. Wahrhafte, rngeheuchelte Frömmigkeit, Bescheidenheit, Liede zu Gott urd Milinenschrn und Treue gegen seine h^lige Lehre wäre :t die Hauptzüge seines stcebsan-en Leben». Mit seiner aller Herzen gewinnenden Sar ftmulh und Leutseligkeit verband er zugleich einen wohlthä igen S«nn; indem es ihm nicht nur zur. Herzensfreude ge eichte, durch milde Gaben der Armen Nolh zu lindern/ war ec auch noch Mitglied-verschiedener Wohlrhätkgkeirsvere ne in unserer Gemeinde. Als Abiturient das hiesige Gynasium verl, ssend, suchte er, da ihm die'Mittel zur weiteren akademischen Fortbildung gebrachen, seinen außerordentlichen Wissensdrang durch unermüdliches Privalstudium judefriedigen. Ja, sein nach Wissen durstender Geist ließ ihn nicht ruchen und rasten. In seiner Eigenschaft als Privatlrhrec der hoi eren Wissenschaften von morgens bis abends beschäftigt, la< er auch noch nach vollendetem Tagewerke Halde Nächte dem Studium ob. Am Sabbalh und an den Feiertagen gab er sich einer heiligen Ruhe hin, darin bestehend, daß. er das Forschen der h. Schrift zum Gegenstand seines Studiums nachte. So' war denn auch sein Wissen umfangreich und dies nicht allein in den profanen Fächern, sondern euch-die Bibel war seinem Gedächtnisse und seinem Herzen ingepragt. So ist denn wieder einer der Edlen und Frommm unseres Volkes dahingeschieden, der bei seinem Leben so viele Tugenden besaß und nur Gutes übte. Die Bestattung der irdischen Hülle fand Freitag am U. d. M. unter allgemeiner Theilnahme aller Confefsionen statt. Am Sarge hielt Herr Rabbi Ben Israel eine Rede, in der er die seltenen Vorzüge und Geistesgaben des Verblichenen gebührend schilderte. Das Andenken an den Verewigten wird noch lange in unserer Gemeinde und Stadt, besonders aber bei seinen zahlreichen Schülern und Schüle.rinnen fortleben. :*,'rax 'n rx v"nn mini: hübs Koblenz, am 17. Marz 1864. S- Sommer, Religionslehrer. Qucrzüge. Es klopft jemand an die Thüre. Man merkt nicht darauf. Es klopft stärker. Man achter eS nichr. Jetzt schlägt er mit der Faust daran. Zögernd öffnet man ihm. Ed tritt ungestüm ein. Auf der Schwelle schon bleibt er stehen. Wo ist die prächtige Halle, die er erwartet hatte? der Saulenzang, der herrliche Blick durch die Bogenfenster in den Garten voll prangender Bäume und wunderbarer Blürhen? Es ist cin enges, niedriges Gemach, so einfach ausgerüstet, voll schwüler Luft und mürrischer Leute, wie erste schon hundertmal getroffen. Dazu brauchte ec so zu eilen? Dazu den Einlaß sich fast erzwingen? Thörichkee Jüngling! Ader wie? Sind wir nichr alle so rhöricht und bleiben es das ganze Leben hindurch? Malt uns nickt immer wieder die Hoffnung große Bilder der Zukunft vor, und die nie schweigende Phantasie versetzt uns in die Erwartung noch nie gesehener Scenen. noch nie genossener Freuden, noch nie erlangter Erfolge? Und was wir noch nichr an uns erlebt, glauben wir eS nicht an unfern Kindern oder Enkeln zu erfahren? . . . Und doch, so es sich verwirklicht hat und wir eingerreten, schrumpft die prächtige .Halle zum engen Gemach und der weite Bogengang zu niedrigen^ gewöhnlichen Wanden zusammen. Allgemeine Zeitung teS JndenlhnmS. No. 18. 1864. JnhaltrLeitendeArtikel: Die MessiaSidee. (Schluß.) — Zustände in Mitau. — Spenden. Liste für die Rießer-Stif. lung. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland-München. Preußen: Berlin, Berlin, Breslau. Groß britannien: Lonbvn, London. Donanfürstenthümer: Bukarest. Belgien: Brüssel. Rußland: Warschau. Portugal. yy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. örtlicher Rebacreur: K. Fritzsch«. '« Lusbandtiulin Suva*- — E.-nid. von <£. Ä r e i- < i r « ij -.eil