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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 17 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
17 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Kelehruug und Anterhatfung auf jüdischem Hehlte. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. ''-»rrn i o/* j i 2<on bicicr Zeiti«brikt trfdeint wöchentlich eine Nummer. Preis de« Jahrr t a a, * c\ ,» .*~i 1^10.1 17 loO4. gang« t Thlr. Bierieijahrig 7« Ngr. ««e «uchhauviUllgen. Postämter s 11. LSNrL. 2. GUSrtSi.! X«. uud ijeimugsespedittoueu nehmen Beftellun»«» au. [n, ^«tuwj ——4—-—-.. i. —.iü.j ,i .i .. i u Bilder aus dem Oriente. iLon I. I. Rosenmeyer in S- A- Ujh'ely. Vl. Die Juden in Jerusalem. Westlich vom Tewpelplatz, die östliche Zion-Hälfte umfassen^ liegt das Juden quartier, das nur den zwanzigsten T »eil der Sradr einnimmt, aber ungefähr das Drittel ihrer!Aewohner umfaßt. Die Häuser sind elende Baraken zwisch b Ruinen und Trümmerschutt. Die meistrn der nach Jerusalem Gepilgerten unsere- Stammes und. Glaubens leben daselbst nicht, um sich durch Handel und Verkehr isiterhalt oder gar Reichthümer zu erwerben, sondern um in der heiligen Stadt der Erinnerung an die uralte Größe unseres Volkes.zu leben, zu sterben und sich dann im T>>ale Josaphat begraben zu lassen, wo da- Gericht über die Auferstandenen gehalten werden soll. Biele zuges wände te Familien leben oftmals nur von den Almosen unsere, Glaubensgenossen. I » dem Judenquartier führt uns eine enge, vielfach gewundene Straße vor einen kleinen länglichen Platz, welche sich dicht an der Westseite des ehemaligen Tempel» Platzes hinzieht. Diese ist ein wahre- Denkmal auder uralte», Zeit, denn hier erblickt man noch neun Reihen der G undmauer. Die Steine sind sehr groß, einige sind zwölf Ellenlang und 1 >/4 Ellen breit, der kleinste ist nur zwei ( Uen lang. Jeder ist auf allen vier Seilen so behauen, daß C et mitklere Theil hervorragend ist. Die Steine sind i hne alle Bindemittel zusammengesetzt und dennoch so dic»t, daß man keine Nadel in die Zwischenräume bringe » kann. Diese Westseite des Tempelplatzes heißt der Klageplatz. A » jedem Freitag versammeln sich hier in großer Anzahl Männer, Weiber und Kindet-und benetzen mit Thränen den B »den, auf dem unsere Väter als Herren des Landes gewan irrt, und bleibt unS unvergeßlich bas Beten dieser Andächtigen, welches mehr einem Jammergeschrei gleicht. So o t wir diese Stelle besuchten, vernahmen wir aus dem \ Hunde der Gebeugten in tiefen Jammertonen da- Klage! ed: Wegen de- Palastes, der wüste liegt, sitzen wir dü einsam und weinen. Wegen deS Tempel-, der zerstör! ist, wegen der Mauern, die niedergeriffen sind, wegen^unferer Majestät, die dahin ist, wegen unserer großen Männer, die daniederliegen, wegen der kostbaren Steine, die verbrannt sind, wegen unserer Priester/ die gestrauchelt, wegen achtet unserer Könige, die dich, Vater im Himmel, ver» Haben, sitzen wir hier und weinen. 2 >as Privilegium, hier zu beten, müssen sich unser« Brüder von den türkischen Zwingherren theuer erkaufen. Das ist wohl ein trauriges Privilegium; dennoch waren unsere hier lebenden Glaubensgenossen nicht immer so glücklich , nur ein ähnliches in der Gotte-stadt zu besitzen. Zweihundert Jahre lang, nach dem Aufstande Barchochbaunter Hadrian dis zur Zeit ConstantinS» war ihnen sogar jede Annäherung zur Stadt verboten.' Unter Constantin durften sie dis auf die Nachbarhügel kymmcn, um von da die Stadt zu sehen; später war eihnen vergönnt, jährlich einmal, und zwar am Gedächtni.ßtage der Zerstörung durch . Titus, auf .den Tempellrümmern 4« stehen und zu weinen, nur mußten sie selbst zu ihren Tbränen die Erlaubniß mit Geld an den Wachsoldaten bezahlen. Ich bat meinen feit Jahren in Jerusalem lebenden Freund Rabbi Jisrael Wolf au4 S. A. Ujhely, mich mit den religiösen Gebräuchen unserer Glaubensbrüder in Je» rvsalem bekannt zu machen, uüd da der wackere- Mann mich zu dem Ende bereitwilligst! an die verschiedenen Orte führte, so sei hier vor allem deS Ganges in die Synagoge gedacht. Die Synagogen in Jerusalem befinden sich alle neben einander, vier gehören yen Sephardim und eine den. Aschkenasim, auch die hiesigen Karaiten haben ritt? ' kleinere; im Privatbefitz befindliche gibt es eine große Zahl. Die Zionssynagvge ist die älteste und größte. Sie liegt der südwestlichen Ecke de- Tempelberges gegenüber,-^, am' Abhange deehemaligen TyropöonS, ein Complex von einen Hof umschließenden, klosterartig erbauten Häusern. Die Synagoge der Aschkenasim ist nach der Meinung meines Führerim Jahre der Welt 5027 erbaut und war mehrere Jahrhunderte hindurch der gemeinschaftliche Betsaal für Setphardim und Aschkenasim. Im Anfänge -deachtzehnte Jahrhunderts überfielen die Muhamedaher die Syn-gogfn, steckten sie in Brand und vertrieben die Juden au- Jerusalem; erst im Jahre 5572 wagten eS einige wenige, ^verkleidet nach Jerusalem zu kommen und dort zu leben. e Im Jahre 5596 konnten sie ihre alte Synagoge wieder aufbauen und wurde diese - ein Jahr spätes, nachdem sie Über 116 Jahr verwüstet war, eingeweihtl In der^Synagdge der Aschkenasim herrscht ein deutsche-» polnisches Wesen tjpc und ist bk Tracht die fränkische; in per Synagoge de: Eephacbim hingegen ist morgenländifche j Tracht und eine größere Reinlichkeit. Der Gottesdienst weicht in Ritueller Beziehung wefenrlich von dem usisrigkn ab. Den Sabbathmorgengottesdirnst leitet ein Knabe ein, erst, nach r»vH tritt der Dojbeter vor den Almemor.

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