Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 15 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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W9 » Jüdisches Volksblatt. Zur Jäieleljrung unö Anterhattung auf jüdischem HeKiele. j HerauSgegrbru von i Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. [9(o. 4 ~ I n /* i -I von vieler Zeitschrift erscheint wöchenUich eine Rümmer. Prei» de« Sohr. r 4 ■* n u\ , I 1 15. 1864.] ..... - «fe JSSggSJÄÄÄ mC» l 11.1-KrS- 2. Quartal.] j Die Union. Eine Novelle- (Fortsetzung.) VI. Wilder Kampf und riefe Traurigkeit strirren sich um die Seele Robert», al» er dies« Nachrichten vernommen. Er hatte so fest auf die Treue Antonien'» gerechnet, mitten im wüsten KriegSleden batte feine Einbildungskraft sich oft seine Rückkehr, die Wiederherstellung seine» Verhältnisse» und eine glückliche Zukunft auSgemalt — und nun war die» alle» vernichtet. Aber mitten au» der oben Verzweiflung, die sich bei diesem Gedanken seiner bemächtigte, «lieg ekn, heftige Erbitterung gegen den Urheber all seine» Unglücke» in ihm auf. And er soll» e< ruhig geschehen lassen? Der, welcher ihm sein friedliche» Leben, seine Güter^ genommen, der ihn hinau-gejagt in Kampf und Kriegs der' sollte nun seine Treulosigkeit gekrönt sehen durch den Besitz derjenigen, die Robert» ganzes Herz auSfüllt«? S^ein Begleiter hatte Robert eine Zeit lang dem Sturm seiner Gefühle überlassen und nur die wechselnden Schatten bedachtet, die über beffea Antlitz fuhren. Dann trat er dicht an ihn heran und sprach flüsternd zu ihm: „Richbrdson, ich kenne Ihren edlen Sinn und weiß. Sie werden mich nicht verrathen, wenn ich Ihnen etwa» andere» mittheßle, da» ein Geheimniß zwischen un» beiden bleiben muß. > Ich habe einen Auftrag an Sie. Richardfon, unser Pkw-Orleans steht am Rande de» Abgrund». Wenn der usilde Buttler in feine Mauern einzieht, so ist e» um die herrliche Stadt geschehen. Laufende ihrer Bürger werden vor" ihren Thoren ihr Leben verloren haben. Tausende ihr Leben in ihr verlieren, sie wird in Trümmer und Asche sinken und ihr Ruin ein dauernder sein. Sie, Robew, allein können un» retten; Sie sind e» Ihrer Vaterstadt schuldig; hier gilt e» nicht mehr den Kampf - der Union und der Coaföderirten, hier gilt e» da» Däsein oder hen Untergang unsrer Stadt. Wenn Sie jetzt die Sach^ Buttler'» verlassen, wenn Sie mit Ihren Leuten, die Sie anbeten, übergehen, so vermag der General nicht», seine Action ist gelähmt und die Stadt gerettet. Ewige Dankbarkeit würde Ihr Lohn sein,, und schon jetzt würbe man Sie an die Spitze der Milizen stellen und zum Com- Mandanten der Stadt machen. Ihre Güter würde man Ihne» verdreifacht zurückgeben. Richardsoa, der Präsident unsre» Staate-, hat mich mit dieser Sendung an Sie beauftragt; und nur darum ließ man mich in Zhre Hände fallen. Schenken Sie meinen Worten ein aufmerksame» Ohr, lassen Sie unser Flehen Sie erweichen, werden Sie unser Retter in großer Gefahr und bedenken Sie, daß Sie dann auch den schurkischen Seldom völlig zu Schanden machen können! . . Robert war anfänglich von dieser Ansprache wie erstarrt. Er blie^ einen Augenblick stehen und maß den Versucher mU WM Blicken. Dann aber stieg eine plötzliche Röthe auf seine- Stirn, auf welcher di« Narbe einen blutigen Schein annahm; er drehte sich um, rief zwei Mann hervor und ließ sie feinen Begleiter zwischen sich nehmen und in bi« Mitte seiner Schaar bringen. Im geschwinden Marsch führte er sie zum Lager zurück, stattete seine Meldung ab, eilte in sein Zelt und warf sich auf seinen Sessel nieder. So fanden wir ihn wieder. Wer beschreibt da» Ringen seiner Seele mit sich selbst? Wer annähernd Aehnliche» schon durchgefühlt, weiß, daß in solchen Stunden bei aller Festigkeit de» Entschlüsse», der erkannten Pflicht treu zu bleiben, die Einbildungskraft e» doch nicht unterläßt, zauberische Bilder de» Glücke»- heraufzuführen, dessen wir theilhaftig würden, wenn Pflicht und Gewissenhaftigkeit nicht gebieterisch Entsagung »erlangten, und die schlummernden Gefühle der Sehnsucht zu wecken bemüht ist. Da geräth die Seele in die gefährliche Stimmung der Weichheit und Trostlosigkeit, welche unserm Geist alle Kraft entzieht und ihn zu männlicher Thal unfähig macht. Stunden gingen unvermerkt über dem gesenkttn Haupte unsre» Freunde» hinweg und zuletzt waren feine Gedanken allein mir der Frage beschäftigt, welche» Bubenstück wohl Seldom angewendet habe, um die unglückliche Antonie zur Einwilligung in den widerwärtigen Bund mit diesem treulosen Menschen zu bewegen. VII. Au» diesem Sinnen wurde Robert durch ein« Ordonnanz geweckt, welche ihn zu einem Kriegsrath« beorderte, der bei dem General Buttler abgehalten werden sollt«. Robert schüttelte mir Anwendung aller seiner Kraft die Träume seiner Seel« von sich, unterdrückte jede Regung seine» Herzen« und trat, ganz Officior, in ha» Zelt de» Commandeur». Nachdem di« Berathung begonnen, mußte Robert eine ausführliche Schilderung de» ganze» Terrain» geben, welche» sich vom Lager! bi» zur Stadt erstreckte. Er 'rhat die» mit solcher Präeifion und Klarheit, daß der Angriffsplan wie von selbst benOfficieren erstand. Nachdem der Boden noch eine Streckb weit sanft anstieg, bildet er «in« Art breite» Plateau, daß sich erst gegen die Stadt