Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 14 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Anterhattung auf .jüdisch Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. m Heüiele. . . *<-,/»! -» Boa dieser Zkitjchrif« ersSkiut »Scheatlich «me Nummer. Prei» d«< Jahrr i l’fll 1 X 1 rSo4- I gang« 1 Tdtr. Bierir»jähris 7 Ngr. «kte Bu»bandUurgen. Potza»r« I 1 L*n ♦ n URb -^eiwng-erPrdilivnea nrhmra Bestelluagen an. l . Inlirg. 2. Quartal.] Die Union. Eine Novelle. (Fortsetzung.) V. feldom ließ sich bei Antonien anmelden und wurde vorgeilassen. Sie saß in der Ecke des Divans, das Haupt in die Hand gestützt. Ihre blassen Wangen, ihr vom Weinen geröthereS Auge, ihre malte Haltung zeugten von dem Sturm der Gefühle, der die junge Seele ergriffen und der wohl eben kaum beschwichtigt worden. Und doch erwies die Rothe auf ihrer Stirn, daß im Grunde ihrer Seel? noch all die Leidenschaftlichkeit lag, welche sie wahrend der »ergangenen Stunden erfahren hätte. Als Seldom einlrtt, erhob sie sich von ihrem Sitze und trat ihm mit gefallenen Händen einige Schritte entgegen. „Wir haben unse,n Freund verloren!" sprach sie mit schwachem, tief schm erzlichem Tone. Seldom übersah hier mir einem Blicke, daß [in dem jungen Mädchen die erste Entrüstung, der Unwille gegen den sich von ihr losreißenden Geliebten sich gelegt und dem Schmerze über seinen Verlust gewichen war. Er mußte hier einen andern Ton anschl^gen und nur vorsichtig versuchen, ob es ihm möglich sein würde, den Verdruß der jungen Dame wieder zu wecken und mit Hilf! dessen sie zu seinen Gunsten zu überraschen. ' ,Ja, theure Miß," rief er auS, „wir haben ihn verloren und Sie können denken, wie tief mich dieses unerwartete Ereigm'ß, das ich erst durch einen drillen erfahren muHte, erschüttert har. Er war mir so theuer und wird, es mir bleiben, was er auch thut. Seine seltene Hingebung, die Dankbarkeit, die ich ihm schulde, die Sorge um seine Zukunft bewegen mein Herz so sehr, daß ich fast darüber den Unwillen vergesse, der in mir aufstieg, als ich erfahren mußte, wie er sein Vertrauen mir entzogen, wie er uhne ein' Wort d?S Abschiedes von mir sich entferne» konr te, wie er mir jede Gelegenheit genommen, ihn von diesem wahnwitzigen Schritte zurückzuhalten!" ,Sie haben Recht, Seldom!" erwiderte Antonie, „ec hat wahnwitzig gehandelt, er hät unrecht gethan, und gegen wen wohl mehr als gegen mich? Aber kann uns dies verkjindern, ihn zu beklagen, sein Scheiden zu betrauern und für ihn zu zittern! ... Ich gestehe Ihnen, ich bin jetzt von Zweifeln geplagt, ob ich nicht auch unrecht gerh ln, ihn so schonungslos zurückgewiesen und mich in völligem Zerwürfniß von ihm getrennt zu haben. Wird er r icht an meiner Liebe zweifeln müssen? Hätte ich ihn m'ch l sanfter behandeln und mehr Anstrengungen machen solle,, ihn zurückzuhalten? Wird er sich dadurch nicht um er nicht die Achtung vor hcänen drangen wieder in so unglücklicher fühlen? Wirb mir verloren haben?" ... _ ihre Augen, sie bedeckte ihr Gesicht mit dem Tuche in ihrer Hand und kehrte zu ihrer» Sitze zurück. Seldom folgte ihr dahin. Die Bitterkeit, die bei Anhörung dieser Worte -in ihm au steigen wollte, unterdrückte er und meinte, daß er schon viel gewonnen, sich so als Vertrauten in die geheimen Reg mgen dieses Herzenhereingezogen zu finden. „Nicht fo, verehrte Miß", hob er an, „machen Sie sich keine Vorwü:ft. Die excentrifchea Anz sichren unsres Freundesind Zl ne», bekannt; noch gestern sahen Sie, wie ich fit in Ihrer Gegenwart vergebens bekämpfte. Sie hätten ihn können und ich finde es ganz Würde angemessen, däß Sie durch nichts zurückhalten natürlich, aber auch Ihrer denselben nicht schmeicheln und nachgeben können. Vielleicht trägt die» zu feiner »aducch in ihm die Reue zurück. Thur er dieaber Heilung bei; viellkicht wird aeweckt und er kehrt zu uns ..... .... .... nicht, behalten seine verkehrten Ansichten den Sieg über seine Liebe, über seine Verpflichtung gegen Sie — dann mögen Sie ihn zwar betrauern, aber Sie dürfen sich wegen Ihredoch so naturgemäßen Verhalten» gegen ihn keine Vorwürfe machen — er ist eja, der da- Band zerrissen und Sie jeder Verpflichtung überf oben hat. Glauben Sie, ich beweine ihn mit Ihnen; aber wenn ich den Schmerz sehe, den er Ihnen, und doch ohne alle wes ntliche Ursache, bereitet, fo kann ich mich dewachsenden Zorne» wider ihn nicht erwehren!" Antonie sah ihn mit wohltollenden Blicken an. Das Antlitz de» jungen Manne» schien ganz den Ausdruck detiefsten Mitgefühlzu haben, u >d danoch wenig erfahrene Mädchen ließ sich tauschen. Daer sagte, spiegelte so ganz die widersprechenden Empfi adungen ihre- Herzenwieder, und sie merkte nicht, wie w immer wieder den Nach», druck auf die vermeintliche Schuld de- Freundelegte und, indem ex sie zu rechtfertigen suche, nur ihren Um willen gegen Robert von «tuen anzufachen sich bemühte. Zn diesem Sinne sprach sie si h noch lange vor ^lhm au-, und al- Seldom sie verließ, nannte sie ihn ihren Tröster recht bald zu wiederholen, hinzu, „und habe aiewam und bat. ihn, seinen Besuch „3ch siehe so allein," fügte si, den, gegen den ich meinen Kummer aussprechm kann; mein Vater wjll davon nichts hören 'und ich mag ihn nicht noch mehr bekümmern." > Seldom sich auch hier befriedigt und ging nun daran, den. Auftrag, den ti>m' bet Senator gegeben, rasch und vollständig au-zuführen. Seldom gedachte den alten Eock zu überraschen und ging daher erst nach Anbruch der Nacht mit zwei Polizeimänaern,