Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 13 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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52 und später mit seinem Bruder, dem Bavroadußteur David Unger, hat er «ine mathematische Lehranstalt geleitet und sehr werthvoll« Schriften (fo z. B. sein Hsnbduch der mathematischen Analysis) «birt. Nicht minder »st der Commerzienrath keoaor Reichenheim in Berlin ein Bernburger. Oerfeld« hqr sich durch Fleiß und Eifer die zu seiner bevorzugten Stellung als Mitglied der preußischen Kammer erforderlichen Kenntnisse errungen und zeichnet sich ebenso durch gesundes Urtheil in kommerziellen und finanziellen Laadesangelegenheitea wie durch Beharrlichkeit der politischen Gesinnung aus. In demselben Berlin lebt auch noch in stiller Zprückgezogenheit ein.anderer Anhaltiner, mein Freund Professor Ür. Sremthal (geb. 1824 zu Gröbzig). Er gehont mit seinem Schwager, Prof. Lazarus in Bern, zu den weitaus heben» tendsten jüdischen Gelehrten unserer Zeit und ist ein würdige« Glied in der Trias der berühmten ' anhaltischen Linguistik«! mit Mar Müller in Oxford und dem leider! so früh verblichenen Sigfried. Dabei ist tir von einer seltenen Bescheidenheit und antiker Sittenreinfeit. Er har über die Sprachwissenschaft W. v. Humboldts eine vergleichende Grammatik, vielfache Abhandlungen geschrieben, die Heysesche Grammatik ungearßeitrt und ,st mit Lazarus Herausgeber der Zeitschrift für Lölkerpsychologie. Bedenkt man. daß die anhaltischen Länder nur wenige — jetzt das wiederveremigre zusammen circa 3000 — Juden zählte, so ist di« beigedrachte Auslese tüchtiger! und strebender Männer achtunggebietend, und bas um so mehr, als sie mit großen Entbehrungen, zweifelhafte« Aussichten, kleinlichen Verkennungen und vielfach beengenden Fesseln meistens in der Jugend zu kämpfen hauen. Rtzch jetzt bauert die Strömung aahaltifcher Juden nach Berlin, Leipzig und andern Handelsplätzen fort, wo dem Talente und der Energie ein größerer Wirkungskreis offen Und nicht die verkümmerten socialen Verhältnisse der kleinen Städte entgegenstehn. Die Firmen: Nathan Reichenheim und Sodn (Inhaber der Spinnerei zu Wüste-Ginsdorf), Sa» lomon Herz (Besitzer der Oelmühle zu Wittenberge) haben Primawerth und neden ihnen hätte ich noch Wiele bewahrte Namen zu nennen. Doch lasse ich es bhdei bewenden, damit man nicht deakt, ich schreibe eine« anhaltischen Panegyricus. Möge, so schließe ich, die jüdische Jugend Anhalts jener Männer würdig und der Würte eines alten Römers eingedenk fein: „Derjenige scheint mir erst zu leb,» und das Dasein zu genießen, der, von irgend einem Geschiäfte angezogen, den Ruhm eines herrlichen Unternehmens -der einer edlen Kunst erstrebt. Inbeß bei dem großen Rei hthum an Gelegenheiten zeigt die Namr dem einen dies jenen Weg" (Sallust). vr. D a v i Noch einige Echo'S. Wo bist tu, Dulder, erst dem Leide ganz enthoben 1 Oden. Hienieden bleibt dein Heil wie lange Trümmer? Immer. Was ich dir wünsche, Kind, daß ewig in dir bliebe? Liede. Denn schmerzhaft ist der Biß auch der giftlosen Schlange? i Lange. 1 Was mir zu aller Zeit dir größte Qual? Wahl. Denn was muß jeder Streit sich vor des Schicksals Schlägen? ' Legen. - Was hältst du, Thörlchter, für klug? ' Lug. Und doch, so du's verletzt, bleibt niemals ungerächt? * R ech t. j (Können fortgesetzt werben.) Curiosum. (Rothschild auf der Bühne.) Im Friedrich- Wilhelmstädtischea Theater in Berlin gab man vor einigen Tagen ein Drama von A. Reich, unter dem Titel „Roth»Schild." Nach den Kritiken der berliner Blatter ist das Stück ohne literarischen Werth, aber sehr unterhaltend. Der Held des Stückes ist Anselm Rothschild, dem 1806 der von den Franzosen vertriebene Kurfürst von Hessen seine geretteten drei Millionen zur Aufbewahrung übergibt und der dies Gut, trefflich verwaltet, redlich 1813 dem Kurfürsten zurückgibt. Der Kurfürst speist am Sab» darb bei Amschel im Rothen Schild, blendet dort die fromme Esther, spricht sehr freisinnig und Amschel redet wie Lessing's Nathan. Doch soll, wie gesagt, da« Stück wirksam sein und hat nach Zeitungsberichten sehr gefallen. Anekdote. Ein Witzling aus Frankfurt a. M. reist nach Kassel. Bei feiner Rückkehr fragt man ihn: „Run, wie wurdest , du ausgenommen?" Die Antwort lautete: „Außerordeori lich! Man har sich um mich gerissen. Goldschmibt wollte, ich sollte bei Faudel essen, und Faudel wollte, ich sollte bei Goldschmidt essen!" a, dem andern Ealm. Allgemeine Zeitung de« Judentbum« Ro. 12. 18»>4. Inhalt: Leiteabe Artikel: Politische Briefe. 1. — Sir Mose« Montefiore in Marokko. — Spenden - Liste für die Rießer- Stiftung. — Zerstreute Bemerkungen. — Literarischer Wochen- \ bericht. — Zeitaugsnachrichten: Deutschland: Aus Baden, i Au« Baden. Preußen: Berlin. Oefterreichischer Kaiser-; ftaat: Triest, Lenedig, Szegedin,Krakau Großbritannien: London. Amerika: Rew-Uork. ' yy Zu beziehen durch jede« Postamt nnd jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thalcr, vierteljährlich * Thalcr. »örtlicher Redakteur: 8. Fritzsche. »on »aaagCitdcx’g DiAtaiUui i» fettig- — ©r*<f »ni * r c * i i n g im Kripiig.