Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 13 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches 4 Zur .ßeletjrung unk) Untergattung aus juklischem ZeKiele. HrrauSgegebcn von Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Bonn. [91,.-13. 1864.] Sen vieler ZeitlLriN etfcfeeint wö«veuNich eine Vummer. Preis de, 2«dr» gang, l Zblr. Sieneljabng 7 U Rgr. Alle Buchbanvlnngen, PoftL»ter und Zeirungservediriönen nedmen Bestellungen an. [lLJaftrg. 1. Quartal.] Die Union. Eine Novelle. (Fortsetzung.) V. Roderl hält, sich doch geirrt, wenn er geglaubt, daß er ganz unbeobachtet auf da» Schiff entkommen sei. Vielmehr halte ein junger Mann, den man wohl für einen Commis oder Schreiber hätte halten können, die Haus» thüre seiner Wohnung nicht au» den Augen verloren, war ihm dann in einiger Entfernung nach dem Hause der de Castro'» gefolgt, harrete hier hinter einer Reverböre des Augenblickes, wo Robert jenes wieder verlassen würbe, und sah ihn zuletzt richtig in die Jolle steigen» - Dann erst gab er seine Spionage auf und eilte, soweit auch die Nacht schon vorgerückt war, zu seinem Herrn, um ihm von allem, was er ausgeforscht. Nachricht zu geben- E» war dies kein anderer als Seloom, und der Advocat hakte sich nicht eher zur Ruhe gelegt, al» dis sein Schreiber von seiner Kundschafterfahrt zurückgekehrt. Er gab ihm ein tüchtiges Geldgeschenk, legte ihm aber ein unverbrüchliche» Stillschweigen auf. Die erhaltene Kunde regte ihn aber so sehr auf, daß er noch lange sein Lager nicht aufsuchen konnte. Er ging vielmehr in seinem Zimmer! unaufhörlich auf und ab, die Hände auf den Rücken gelegt. Ueder sein blasse» Gesicht hatte sich ein Schimmer von Freude gebreitet; die Winkel seine» MunbeS zogen sich wie von einem triumphirenden Lächeln herunter und au» feinen Augen funkelten List und Befriedigung zugleich. So war ihm bi» jetzt alle» gelungen, wie er eS angelegt, alle» eingetroffen, wir ec eS im voraus berechnet hatte. Rodert war fort und feine Rückkehr, wie auch die Würfel de» Kampfe» fallen möchten, für lange Zeit unmöglich. Er war zugleich ruinirr, und baS müßte den alten de Castro zum Gegner Rodert» machen. Aber auch Antonie, wie er sie^ zu kennen glaubte, harre sicherlich ihren Bräutigam; in Entrüstung und Zerwürfniß entlassen, und fo war da» ihm verhaßte Band zwischen dem Brautpaar zerrissen . . . Ob wohl ln dieser bereit» so entarteten Seele, im Dunkel der Nacht, wie er durch da» matt erleuchtete Zimmer hin- und herschrilt, keine Mahnung de» Gewissen» wach wurde? Ob in ihr da» Bild de» unglücklichen Freunde», dem er feine ganze Stellung verdankte, verdankte, daß ec nicht in Armuth und Elend verkommen war, und welchen er jetzt au» seiner Heimath, au» den Armen seiner Braut, au» seinem reichen Besitzthume in die weite Welt hiaau-gejagr. > gar nicht aufstieg und drohend di!e Hand gegen ihn erhob? Ob ihm die Schmerzen, der Kummer, die er dem Mäd-! chen, welches er selbst mit seiner Liebe verfolgte, verursachte,; gar nicht zu Herzen gingen? E» mochte wohl sein. Einige ' finstere Schatten liefen über sein Antlitz hin, sein Schritt! hielt an, sein Kopf senkte sich — j aber^nur wenige Augen» blicke. Er schüttelte mit dem Haupte, machte mit der Hand wie eine adwebrende Gebilde und alle» war wie vorher. So lange dem heimtückischen Bösewicht seine Pläne gelingen, ||f seine Seele tfon den Erfolgen berauscht, und von Stufe zu Stufe schreitend, vermag fein Gewissen nur mit schwacher Stimme schnell überhörte Bedenken vernehmen zu lassen; wie «in Do^el wenige Regentropfen abfchüttelt und in feinem Fluge nach Nahrung sich nicht aufhalten läßt.! Was vielmehr Seldom'» Gehanken jetzt in Anspruch nahm, war die Erwägung, wa» er jetzt zu thua habe, um auf dem gewonnenen Terrain vvrswärl» und zum Ziele zu gelangen. Er mußte vor allem niemanden vermuthen lassen, daß er um die Flucht Roders» wisse. Selbst Benjamin gegenüber hätte ihn die» komprümittiren können, und bei Antonien mußte er den Entrüsteten spielen, um sich in die nächste Verbindung mit ilsten Gefühlen zu setzen. Während er daher dem Senator erst später aufwarten wollte, beschloß er, bei den de Gastro'» die erste Zeit der Aufregung zu benutzen, um sie ^vielleicht in irgend etwas für sich zu engagiren. Erst nachdem er diesen Plan auf» genaueste durchdacht hatte, begaver sich zur Ruhe. Am andern Tage lag er ruhig seinen Geschäften od und sandte nur gegen drei Uhr nachmittag!» seinen Schreiber nach dem Hafen, um den englischen Dampfer abfahren zu sehen. Doch schon einige Stunden später wurde er zum Senator berufen. Benjamin, der pünktliwste aller Geschäftsmänner, hatte um fünf Uhr Rodert Richardfon vergeben», erwartet uttd,, trotz der ungeheuersten Last von Geschäften nicht» au» den Augen lassend, nach dessen Wohnung gesandt und dort erfahren, daß dieser abgerast fei. Al» Selbem vor ihm erschiest, rief er ihm enkgegett: „Ihre Angaben haben sich vollständig bewährt und wir sind Ihnen Dank schuldig, von einem so gefährlichen Feil«« befreit zu sein. Der junge Mann har bei seinen verfohrten Ansicht»« einen fo entschiedenen Charakter, baß er ufi» hier den größten Rach, theil hätte driagm können. Einen Mann wie Sie aber, der mit allen Verhältnissen de» Platze» so vertraut und dabei gewillt ist, mit aller Kraft! der guten Sache der Con» foberirten zu dienen, müssen wir belohnen und verwenden. Ich habe Sie zum RegierungSwndic von New-Orleans