Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 11 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 sicht auf die schuldlose Familie zum einfachen lArresie von acht Tagen. Gegen dieses Unheil wurde feitefrS der Berurtheilrea sofort die Berufung angemeldet. ' Bertha Eichberg, eine frühvollendete Künstlerin. Am II Febr. d. I. endete in München ein hoffnungS-! volles Künstler-Leben, an dem in München endemisch herrschenden Feind der Menschheit, am Typhus. Fräulein , Bertha Eich de rg, Tochter deS Moritz i^ichberg, ersten CantorS an der Synagoge in Stuttgart, zeigt« schon als Kind große Begabung für Musik und Darbte sich der > Harfe zu. Die ausgezeichnetsten Birtuofen der konigl. | Hofkapelle waren die Lehrer des Wunderkindes und besonders Hof-Harfenist Krüger, einer der ersten Meister der Harfe; führte sie ein in das höhere Verständnis der Musik; doch daS Geheimniß, die Poesie der Tone, jene wundervolle Sprache, die das Gemüry erfaßt üikb den Hö er zur Anbetung und Bewunderung hinreißt, dem tobten Instrumente zu entlocken und ihm Leben emzuhauc! rn, hat ihr ' Kunstsinn selbst.entdeckt. Sie wußte schon a!s Kind daS klassische Instrument in einer Weife zu bemustern, daß selbst ihre virtuosen Lehrer ihr das Prag», stikon einer Künstlerlaufbahn stellen mußten. Sie errang Palme um Palme und konnte schon als löjahrigeS D ädchen eine Kunstreise nach Paris antreren, um dort in b«n höchsten Kunstforrrcn ihren Künstlerruf nicht nur befestigt sondern; noch erhöht zu sehen. Wenn gewöhnlich solche frühzeitige , Erfolge besonders das junge Künstlerherz stolz machen und manchmal einen Künstlerdüntel hervorbringea, der den Künstler auf Kosten des Menschen auf den stelzenhaflen Kothurnen der Eitelkeit einherschreiren läßt; so var dies bei ’ diesem bescheidenen- Gemülhe oie der Fall, Ins hat in! ihrer Erscheinung besonders daS Demütkige, ich möchte sagen daS Religiös« erfreut und erbaut. Dies! Bescheidenheit muß ihr noch mehr zum Verdienste ang. rechnet werden, alS ihre äußere Erscheinung eizie glänzend : war. Ein Künstler, d.r das klagendeMäecken ausJuoaar den Bächen Babylons häkle in seiner schönsten Idealität darf ellen wollen,- würde in ihr das schönste Modell gefunden hrben; wenn ihre schlanke Gestalt vor der Harfe saß, war das schwarze Auge unter den schöngezeichncren Braunen un> hinter den langen Wimpern bescheiden gesenkt, aber besser künstlerische Glutd vergeistigte daS antike, jüdische Profil' und die alabasternen Finger entlockten den Saiten di, Harmonien der Seraphim, wie sie durch das Reich de, Töne ihren Schöpfer und Herrn loden. — Zm Decembr v. I. trüt die Künstlerin, nach Wien berufen, eine äk, nstreise nach dorr über München an, um nicht mehr wieder! eimzukehren. Zm Odeon in München genoß sie noch den vollen Triumph der gefeierten Künstlerin, sie wurde dorr von brr gehobenen Begeisterung des kunstverständigen und kunstliebenden Publikums, gegen die bestehende <3 tiketle, zweimal gerufen; aber dieser stürmische Applaus ollte ihr der letzte irdische Ruhm sein; die Töne ibrer Harf waren zum -* Berau vertag oon »aUKjirncx letzten Mal unter ihren Fingern erklungen; ihr theure» Instrument halte die Todesseufzer feiner Meisterin auSgehaucht. Der Typbus, jener Würgengel, der stetS mit gezücktem Schwerte über dem deutschen Athen schwebt, er raffte da« Mädchen von Juda hinweg. Die Mutter weinte und flehte am Krankenlager der Tochter; aber weder ihre Aufopferung noch die hinAbenbe Theilnahme der Münchner Bevölkerung konnte daS arme 18 jährige Kind dem irdischen Leben erhalten. Sie ist eingegangen in die ewig« Harmonie, die durch keine Dissonanz gestört wird. — Alex. Elsäßer in Laüpheim. Hymnus. Er ist so fern. Daß, wenn du Ablerflügel an dich nähmest Und in den Himmel flögst von Stern zu Stern. Du Seinem Tbrone doch nicht näher kämest. Er ist so nah, Daß. streckst du nur die Hand nach einer Blume, Rach einer Frucht, so ist Er plötzlich da Und wird dir zum Besitz und Eigenthume. Ec ist so stark, Daß, wenn Er haucht. Gebirg' und Wald zersplittern; Daß selbst der Erdball bis ins tiefste Mark Bor Seinen Alhemzügen muß erzittern. Er ist so mild. Daß, .wenn sein Athem durch die Fluren säuselt, Sich kaum im unermeßlichen. Gefild Ein Blatt nur rührt und eine Welle kräuselt. Er. ist so groß, Daß Ihm die weite Erde nickt zu weit ist. Daß Ihm der breite unbegrenzte Schooß . Des ganzen AUS und Weltalls nicht zu breit ist. Ec ist so klein. Daß, in da» Her; des Menschen .ingelaffrn, Ihn dieser kleine, kleine Herzenssckrem Vermag in feiner Ganzheit zu umfassen. Bemerkung. Diese« herrliche Gericht ist von dem kürzlich verstorbenen Dr. Hermann Marggrafj verfaßt, und machen wir darauf aufmerk'am, taß fast für jede Zeile eine biblische Parallelstelle uachgcwirien rten kann. Tie Redaktion. Allgemeine Zerrung de« Juden! bums. No. 10. lö>J4. Inhalt: Leitende Artikel: Berlin und die Provinz. Eia Aufruf arldie Israeliten Berlins. — vr. Michael Sachs. — Spenden - Liste für die Richer - Stiftung. ~ Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Freudenthal, München. Preußen: Berlin, Danzig, Aus der Allmark. OeKesreichischer Laiserstaat: Wien, Pesth, Aus Oberungayn, Pesth. Niederlande: Haag. Rußland: Milau. j gy Zu beziehen durch jedes Postamt und jede BuchhandtUitg. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. Hvorrlicher Redactmr: G. Fritzsehe. # BuchhanLluutz t* £et»v8- — Druck reo S. Lx«d inq in geistig.