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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 11 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
11 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolMlatt. Zur Belehrung und Anterhallung auf jüdischem Hebiele. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phili-Pson in Bonn. lNo. 11. 1864.1 «ou vieler Zeiricbrikt eriLeiut w»che«tUch eia, «ummer. Preis de» Jahrzaags 1 Thlr. Bierreljährig 1 W Ngr. »lle Buchba»ldlunge», Potziimrer uav ZeiluagoexvediPoue» nehme» Betzellungen an. [1!• Isdrg. 1. Quartal,] Die Union. Eine Novelle. (Fortsetzung.) III. Robert verließ Vas Regierungsgebaude in «inem Seelenzustande, wie er ihn noch nie empfunden. So schmerzlich auch' seine Gefühle ofl genug bei ver Vereinsamung waren, in die ihn das Schicksal s.it früher Kindheit versetzt hatte, und da er all der beglückenden Liede entbehren mußte, welche ein Vater- und Mutterherz über die Pfade ihres Kindes auszubreiten verstehen, so waren seine Lebenswege doch bis dabin eben und sicher gewesen und selbst die innige Neigung für Antonie war von keinem leidenschaftlichen Sturme begleitet, da er sobald der innigsten Gegenliebe gewiß! wurde. Und jetzt stand er mit einem Male an.! einem Scheidewege, wo rechts und linke ihm die drohendj sten Gefahren und die erschütterndsten Kämpfe entgegentratew. Und dabei war eine Entscheidung'schnell zu treffen und ein unwiderruflicher Entschluß sofort zu fassen. Er j hatte es sich so leicht ausgemalr, mitten in den Wirren der Gegenwart ruhig feines Weges zu ziehen, bescheiden sich zurückzuhalten, von allen Pacleikämpfen fern zu bleiben, zu tragen, was sich nicht beseitigen ließ, und sich und seiner! Liebe zu leben. Da war er plötzlich herausgerissen aus ker Dunkelheit des Privatlebens in daS Helle Licht der Oeffentlichkeit, und was er in den verschlossenen Kami metni seines Herzens verborgen geglaubt, sollte jetzt vor aller Welt zu Tage gebracht werde«. Wer hatte ihm daS gjelhan? Wer harre ihn beiden Gewalthadecn denunzirt? Wer! ihn bei diesen unter den Tauseavm von Privatpersonen! vorzugsweise genannt? Er wußte eS nicht. Eine , dunkle Ahnung beschlich ihn. Einige Worte auS Benjamins Munde hatten einen Eindruck bei ihm hinterlassen, als »d sie Worte aus seinem eignen Munde gewesen, die von einem heimtückischen Hörer weiter getragen worden..! Das Bild Seldom's tauchte rasch in ihm auf. Ader schnell verscheuchte es seine vertrauensvolle Seele wieder, denn einen solchen Becrath konnte er einem Freunde, für den er soviel gethan, nicht zutraue« und noch weniger einen Zweck auffinden, brr ihn dazu verleiten konnte. Robert hatte das Bedürfniß gefühlt, die auf ihn einstürmende Frage in bet Einsamkeit zu erwägen, und sich nach einem wenig besuchten Spaziergange gewandt, der sich am linken Ufer daS Mississippi oberhalb des Hafens binzog. Der!k§rm der Stadt, das Gewühl des Hafens schlugen von fernher an sein Ohr und wurden von dem Rauschen dergewaltigen Wasser übertont. Was sollte er rhun? Welchen Weg einschlagrn? Konnte er seiner Ueberzeugung, seinen festgewurzelten Ansichten tufc Gefühlen, die seine ganze Seele erfüllten und beherrschten, Untreu werden und zuwiderbanbeln? Für die Rebellion, wie er den Abfall der consöderirten Staaten nennen mußte, für den Zusammensturz der Union, die er alS di« herrlichste Schöpfung des Menschengeistes verehrte, für' di« Sklaverei und Barbarei, die er als einen Schimpf der Menschheit, §ls eine Schmach feine- Vaterlandes verurtheilte, feute »r eintreten mit allen seinen Kräften, mit Gut und Blut, für sie die Waffen tragen und alles das auf Tod und Leben bekämpfen, was ihm erhaben und heilig erschien? Er sollte sich denen zugesellen, die er noch vor wenigen Stunden vierfache Derräther genannt, und ihnen sich, seine Jugend, sein ganzes Leben,! alles was er konnte und besaß, zu Gebote stellen? Nein, Jnem, rief es laut in feinem Innern, das darfst du nicht, da^ kannst du nicht, daS wäre schändlicher als Selbstmord, du! legtest Hand an das Heiligthum, du wärest ärger als ein j Gotteslästerer, als ein Meineidiger, Fluch einem solchen Beginnen! . - . Ader wie? Was würde die Folge sein, erwog er weiter, wenn ich vem Gebote jener Despoten ungehorsam wäre, wenn ich kein gefügiges Werkzeug ihrer Leidenschaften sein wollte und sie in mir einen Feind und Gegner erkennen müßten? Sie können einen solchen mitten in ihrem eignen Lager nicht dulden, Kerker und Tod würden sie i über mich verhängen, und daß sie die Männer sind, die vor keiner Schandlhat zurückfchrkcken, die sjlpen Plänen diente, daran ist kein Zweifel. Ich müßte also entfliehen. Dann aber hart?Ich all mein Gut und Besitz verloren, das herrliche Erbtheil, um das mein Vater und Großvater so mühselig gerungen, wäre mir auf immer genommen und jenen Menschen eine willkommene Beute. Und Antonie? Sie, die ich so überaus liebe, deren Besitz mein heißester Wunsch, mein süßeste- Glück, sie, die mir fy liebevoll anhängt, fv vertrauensvoll ergeben ist, auch sie müßte ich für immer aufgeden; ihr und mein Herz zerreißen, ihr und m«m Lebensglück für alle Zeiten untergehea sehen! Ihre Eltern würden niemals zugeben, daß ihr einziges Kind mir folge; und könnt' uyd dürfte ich sie in den wildbewegten Strubel hinemziehen, dem ich verfallen werde? . . . SeiU Herz bebte und schlug ungestüm bei dem Gedanken, solche Opfer bringen und sein ganzes Lebensglück, da» bis jetzt mit den herrlichsten Taben des Geschickes bekränzt war, bingeben zu sollen; den Gedanken, Antonie vielleicht auf Nimmerwiedersehen veslaffen zu müssen, konnte er kaum fassen.

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