Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 8 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
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32 ständige Dasein der Seele von nawrwiffenschafttkchem Standpunkte erweist. Hauptsächlich beschäftigt er sich mit dem Nachweis, daß' eine Empfindung durch die Sinne, wie z. B. durch das Auge, gar nicht ohne di« freiwillige Theilnahme der Seele zu Stande kommen kann, daß, wenn die Seele anderweitig beschäftigt ist, der Reiz der Sinnesorgane nur einen unmertlichen, in kurzer Aeit verschwindenden Eindruck macht. Er führt folgende Thatstche, von ihm selbst erlebt, als ein Beispiel an: „Ach machtf im Beginne meiner ärztlichen Laufbahn bei einem jungen Mädchen eine sehr schmerzhafte Operation, wobei sowohl für die Kranke akS für meinen ärztlichen Ruf sehr viel darauf ankam, daß dieselbe glücklich von statten ginge. Nach Beendigung der Operation war eS mir, als ob die Kranke erst jetzt zu jammern anfinge (Chloroform existirte damals noch nicht), und als ich sie nun zu beruhigen suchte und meine Verwunderung darüber auSfprach, daß sie jetzt erst« nachdem alles vorüber sei, xu wehklagen beginne, wurde mir bedeutet, daß sie ja während der Operation noch viel lauter geschrieen habe und daß daS gegenwärtige Jammern nur ein schwacher Nachklang von dem sei, welchewährend der Operation staktgefunden habe. DaS war mir aber, weil meine geistige Aufmerksamkeit ganz von der Operation in Anspruch genommen war, entgangen, während mir daS nachträgliche schwache Jammern gleich zum Bewußtsein kam, als sich meine eigene, ganz auf di« Operation gerichtete Aufmerksamkeit und geistig« Aufregung gelegt hatte. In mein Ohr waren natürlich die Klageröne auch während der Operation gedrungen, hatten auch da die unvermeidlichen Erzitlerungen und organischen DerLnderungen, welche zum Hören nothwendig sind, bewirkt, aber diese existirten für mich nicht, weil die Seele sie nicht erfaßt und zur bewußten Empfindung umgestaltet hatte." Daß auch im Gebiete de- Gehörs die Aufnahme der Töne gewissermaßen von dem Willen der Seele adhäagt, erweist der Verfasser dadurch, baß man in einer vollen Orchestermusik irgend einem Instrumente genau folgen und seine besondere Aufmerksamkeit auf dessen Töne allein rich, ten könne, so daß di« anderen Instrumente kaum gehört werden. Noch vorwiegender erscheint dieSelbstrhätigkeit der Seele bei den s. g. Erinnerungsbildern, wo die Seele vollständig das durch die Sinnesorgane ihr gewordene Bild willkürlich wieder hervorruft und eS vor ihr steht, als ob baS Auge jetzt erst sähe. Hiervon wird «in höchst interessante- Beispiel von einem Maker angeführt, welcher in einem Jahre 300 große und kleine sehr gelungene PorttaitS anfectigte, wobei er nur oöthig Hatto, den zu Malenden einmal sitzen zu lassen, was fast un oöglich erschien. Der Maler erzählte nun selber: „Wenn sich m,r ein Modell präsenrirte, so betrachtete ich dasselde wähl md einer halben Stunde aufmerksam, indem ich eS von; eit zu Zeit auf der Leinwand skizzirte. Nie hatte ich eine längere Sitzung nöthig. Ich legte dann die Leinwand und^ging zu einer anderen Person über. Wenn ich dann das erste Portrait vollenden wollte, so stellte ich mir de« Menschen geistig vor.und setzte ihn auf einen Stuhl, wo ich ihn dann so deutlich gewahrte, als wenn er dorr in Wirklichkeit gesessen hätte; und ich kann selbst hinzufügen, mit ein» deutlicher« Form und Farbe. Ich betrachtete dann «a Zeit zu Zeit die eingebildete Figur und schickte mich zu» Malen an; ich unterbrach meine Arbeit, um die Halwig zu untersuchen, ganz ebenso, alS wenn daS Original v)r mir gesessen hätte; jede- Mal, wenn ich meinen Blick auf den Stuhl richtete, sah ich den Menschen." Ganz AehnlicheS lasen wir jüngst von einem berührst, ten Schachspieler, der 12 Partien auf einmal spielte u»d dabei der Tafel, auf der die Schachdreter standen, den Rücken zuwandre. Er gab für jede Partie «inen Zug an und fing, wenn er so die Partien der Reihe nach fortge, führt hatte, die Reihe wieder von vorn an. und wußte genau, wie jede Partie stand. Ec erklärte die-so: ersähe jede- Schachdret mit den Figuren in der angewiesen m Stellung klar vor sich, und so wie er daelye mit Anweisung zu einem neuen Auge versehen, verschwinde es und rücke dafolgende an dessen Stelle. Boshafte Echo's. -? WaS thun die Kinder, wenn die Eltern sterben? Erben. Was thun die Frauen, wenn sie Witwen blieben r Lieben. Was thun die Männer, wenn die Weiber sie belbören Hören. Und wenn der Jugend Herz schmilzt leicht, waist der Gr^l EiS. I WaS weckt in mir erst recht all deine- Neide- Geifer f Eifer. I ' WaS schaffst du mir mit deine- Schimpfe- Schwere- Ehre. WaS thun die Weisen, wenn die Narren öffnen ihre-Ge sie- Truhen? Ruhen. Waist der Streit de- Rechtmit der Gewalt? Alt. Sprich, waS bedeut' dem Kriegesheld sein Schwert? Seinen Wer WaS ist, womit die Bösen ihren Acker pflügen? L ägen. WaS, der verketzert grob und plump? Lump. (Können fortgesetzt werden.) th- Allgemeine Zeitung de» Indenthnm». Ro. 7. 864. Inhalt: Leitend« Artikel: Ueber den Material, müder neueren deutschen Naturwissenschaft, sein Wesen und seine Geschichte. Zur Verständigung der Gebildeten von Dr. %!. 3. Schleiden. — Einige krithche Blicke auf Zweck und Grün > der Gesetze nach Maimonide». Ul. — Zerstreute Bemerkung«. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn. Preußen: Bonn, Berlin. Oesterreichischer Kaiserstaar: Au» Ungarn, Prag, Gr..Beeskerek. Rußland: Warschau, Petersburg, Wilna, Bonn. X4T Zu beziehen durch jede» Postamt und jedeBnchhaniflno-. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % THaler. Lwmmoortlicher Redacteur: <9. Fritzsche. Aerlag Mn Staatittkct’* Vach Handlung in Mini»* — Druck pok G. Krevltug i» r«tp;tg