Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 7 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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r Bur Belehrung und Anterhattung auf jüdischem stebiele. Herau-gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou m Bonn. [No. 7. 1864.1 vo, dies«* äritlArift ctftferist »Schealltch eise Nummer. Preis des Jahr« ,»■,« 1 Lhkr. Viemeljedris 1 H «**. «Be SsMtaMaaftH. Postämter ■ab Aeituug««rvedttioueU uehmeu Bestestuugeu an. [II. Jahrs. 1. Quartal] Eine Erklärung des großen Lobliedes. (Hallet.) Wer, der dem jüdischen Gottesdienste nicht ganz entfremdet, kennt und liebt nicht den großen Lodgesang, den man mit dem Namen de« Halle!- bezeichnet und welcher an den drei hohen Festen Peßach, Schaduotb und Eukoth, am NeuMondsrage und am Ebanuktahfeste in Synagoge und Hauertönt? Wer hat sich nicht schon an seiner Kraft und seinem Schwünge erhoben, an seiner Innigkeit erwärmt, an seinen Trosteswortcn gestärkt? Egibt kaum eine Saite der Religion, die er nicht 'anschlage. Willst du die Majestät Gottes feiern, du findest'sie in ihrer ganzen, Herrlichkeit darin au<gesprochen; begeistert dich da- Bewußtsein feiner Weltregierung, wie sie sich über alle Nationen und alle Individuen erstreckt, es wird dir hier der vollendetste Ausdruck dargedvten; drängt es dich, auf die Rettung, die dir widerfahren, augroßer Noth und schwerem Drangsal den Dankcsjudel auden Tiefen deine- Herzenherausströmen zu lassen, hier wird dir datreffendste Wort für deine zum Himmel erhobenen Gefühle verliehen; oder steigst du in die innerste Bewegung deine- Geistehinab, die deine Seele unttzr den drohendsten Gefahren, bei den stärksten Angriffen deiner Feinde durchstürmte, alsich jede Aussicht vor dir verdunkelte, als da- Geschick dich zur Verzweiflung zu treiben schien und selbst der Zweifel dein Herz beschlich und eerzittern machte, hier, in diesem Lodgefange, tritt dir die scharf« und sichere Zeichnung all deiner Gemüth-zustände entgegen, bringt dir da- Unklare zur Klarheit und besiegelt dir den Sieg der Erkenntniß und Gottesfurcht durch di« kindlichste Zuversicht, durch die aufrichtigste Hingebung! — — Zweifelst du, Leser, daß diealle« wirklich in den wenigen Psalmen enthalten sei, die wir hiermit in deine Erinnerung zurückrufen? Meinst du, daß, wie «S oft geschieht, so auch hier die Begeisterung übertreibt und schaut, wagar nicht vorhanden? Wohl, so durchwand!« an unsrer Hand daganze Lied noch einmal, und wir sind überzeugt, daß, wenn du irgend einmal solche Seelenzustände, solche Gemüth-dewegungen durchlebt hast, du die Wahrheit unsrer Worte tief empfinden wirst. Doch zuvor einigeüber da- Aeußere. Der kobge« sang besteht auden Psalmen 113 bi- 118. Daß diese Psalmengruppe «in Ganzebildet, ergibt sich zuerst darau-, daß Psalm 112 «in alphabetarischer ist, also für sich'abge, schlossen, da- Glück de- Gotle-fürchtigen preisend, und Psalm 118 der bekannte umfangreiche Spruchpfalm über da- H,il> der göttlichen Lehre ist, der aualphabeiarisch geordneten Strophen besteht, deren acht Verse jede- Mal mit demfilbeh Buchstaben beginnen; ergibt sich aber alsdann noch mehr a re dem innern Zusammenhang«, der die Psalmen 11) b S 118 eng miteinander verknüpft. Psalm 113 nämlich (ibbn) ist der einleitende Aufruf zum allgemeinen LobeGottes, das er mit der Fülle seine- Wesen- und seiner Weltregierung begründet; Psalm 114 (rirex2) knüpft mit raschem Anschluß hieran den Erweis dieser göttlichen Wellregierung in der Geschichte Israel- und ist mir dem vorhergehenden so eng verbunden, daß er auf den 113 gepriesenen Gott in Brr- 2 nur mit einem Suffix hinweist vmbioao). Der Psalm 115 (isi «o und 1212t 'fi) bildet nach diesen beiden einleitenden Stücken daerste Hduptstück und zeichnet Israel in seinem allgemeinen Berhälrniß zu Gott. Man kann bemerken, daß diese- Stück ifut sich so unvermittelt eintritt, daß edie beiden vorhemehenden Psalmen al- Einleitung voraussrtzt, alerste- Hwpkstück aber vollständig abschließt. Hieran reiht sich P Um 116 ('nas-m und 2'vre nö) als zweite- Hauptstü k, ausdrückend dasudjeetive persönliche Derhältniß de« Zsraeliten zu Gott. Der kurze 117. Psalm ('rt tn liir) i(t nun der Schluß zum ersten Theile des großen Lrbgesangs und fordert alle Volker zum Lobe Gottes auf, so in bestimmter Weise zum Beginne de- Ganzen zuruck kehrend. 2n Psalm 118 (nin un& isan;») erhebt sich dir Lobgesang noch einmal zu einem längeren Liede,^dadie perfonificirte Gemeinde ihre Ueberzeugungen über die götlliche Weltregierung von ihrem Standpunkte au-fprechtn l ßt, die Momente der früheren Lied-x^sämmt» lich umfaßt und zum Abschlüsse bringe Daß 118 eng zu unsrer G uppe gehört, geht schon auder dreifachen Dertheilung < uf Pa- „Hau- Israel, Hau- Aaron und die Gotte-fürchti en" hervor, ganz wie 115, 9—13, die sonst nirgendvor ommr.') Ueber diese ganze Gruppe ist aber auch derselbe 1 Seist der Innigkeit, der tiefen Empfindung, der scharfen p^ych, logischen Beobachtung, der hochdichterischen und reichen Lehaa »lung, ohne Schwulst, und dabei mit jener Klarheit au-gegoss n, welche di« jüngere hebräische Lyrik von der älteren abzeich aet. Wenn so dieses weihevolle Lied die göttliche Weltregisrunj nach allen Richtungen, im Allgemeinmensch» lichen, im Pationalrn und im Persönlichen feiert und später für Israel zum Symbol gewordenen Egypten anknüpft, so wird unseine nächste *1 In! Ps 135 ist sie nachgeahmt und durch „Haus Levi" erweitert. diean Auszug Huden