Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 6 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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t Zur Belehrung und Anterhattung auf jüdischem gebiete. Herausgrgeben »ou \ Rabbiner vr. Ludwig Philipps^« in Bonn. '-J rrt, /, 4 <->/» t i «ou dieser HritfArift erscheint »ScheaMch ei*e Rum«« Preis de« Sahr» rA 4 <w . 4 , * -t lNo. 6. 1864] *m*1 SSJÄK JSSSJS: t1 *• 3*3* 1* ^uartalj Die Sturmnpcht. „Bete, bete, mein Kind!" rief leise jammernd die Alte, Hielt die mageren Hände am wenig wärmenden Ofen, Rang sie dann wieder und schlug an die Brust mit Worten der Buße, Seufzern und Stöhnen der Angst und Ruf um göttliche Hilfe, i „Bete, bete, mein Kind! Des Säugling- Lallen erhört Er! Daß dein Vater, mÄn Sohn, mein guter, gesegneter Rüben, Kehre zur Hütte zurück auder finsteren, grausigen Sturmnachr!" Und die Händchen erhob dazarte, liebliche Mädchen — Hatte de- Winter- Roth kaum vierober fünfmal gesehen — Hob sie zNternd empor, rief: „Vater, Vater, komm' wieder!" Riederstromte die Fluth der Zähren die kindlichen Wangen, Und die Glieder erbebten vor Frost una schau'rten vor Aenasten. „Nicht den Vater auf Erden, der kann nicht helfen, berufe; Schrei zum Vater im Himmel, schrei laut. Er muß es dann hören, Kaan das sterbende Weid, davergehende Kind nicht verlassen. Ruft dem Sturme zu, vorüberzugehn, und den Wolken, Läßt den Mond und die Sterne den Pfad meines Sohnes beleuchten. Daß et zum tückischen Moor die wankenden Schritte nicht leite. Nicht auf der eisigen Flur in rödtlichen Schlummer versinke — Horch! vernahmst du da nichts? — Ktang'S nicht wie Kommen und Stöhnen?"- Nein 1 — auf dar wankend« Hauherrauschre nach wemgem Rasten Wilder der heulend« Sturm, als ob er mit doppeltem Wülhen Wollte die winzige Frist einholen, und faßte die Ecken, Daß sie erbebten, und riß von dem alternden Dache die Ziegel, Rüttelte Läden und Thüren gewaltig und drang durch die Ritzen Wie mit schneidender Kling' auf daalte Weib und da- Kiud eia. Draußen im Gärtchen brach er die Aeste herab von den Bäumen, Oder zeElickte den Stamm und warf iha dröhnend zu Boden; Aus dem'Walde, dem nahen, ließ schreckende- Rauschen er hören, Auden Kronen der Föhren wie tausender Ketten Gerassel. Horch! eS donnert — doch nicht auder Höhe, der wol- , kenverhüUten Poltert und donnert und kracht — vom femen Strom, wo de- Eiseich thörmen, zusammenzuwirbelnb zur Blöcke sich stoßen, zermalmen und aufeinander Um vor der Fluthen Gewalt dann wieder stürzen. Ueber die weite Flur rast dann der Flügel b«i- Winde-, Feger zu Haufen den Schnee und hebt ihn . Hohe, Schleudert zerzausend ihn fort, daß die Thäler und Schluchten er füllet Und daeinsame Hau» und die -schmalen Pfsrd« bedecket. Durch den Schlot fährt er nieder und draast auf daglimmende Hjolzscheit, Daß e» knistert und zischt, doch wenig der jWärme verbreitet. Zitternd vor Kälte drückt sich da- Kind an die ftöstelndeAlte, Die mir dem rissigen Tuch eumhüllt, dab sie, kärglich bedecket. . „Weh, weh!" stöhnt sie, „dazu muß ich leben, die Jahre vermehren! Sechder Sohne begrub ich, den Mann und die lieblich« Schnur auch, Nur der Eine verblieb mir und von den Enkeln das Eine — Doch nicht erbarmt sich der Himmel und will mir auch diese entreißen. Höre mich, Gort, und nimm das gealterte Weib doch al- Sühne,' Führe den Sohn mir zurück, laß in seinen Armen mich .. sterben — Ging in per Frühe dahin, um Brot für Kind und für - Mutter In der Roth zu verschaffen, den nagenden Hunger zu stillen — Wandelt' in Frömmigkeit stet- und wich nicht vom Pfad de- Gesetze-, Hielt Dein Gebet und den Sadbath und Vorschrift in Trant und in Speist, War ein gehorsamer Sohn und eia liebender Garte und Vater — Sag', was hat er verbrochen und wa- Hab'! ich selbst wohl gesündigt, Daß det Elentzkein Maaß und des dittern Jammerkein Ende-"