Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 11 (1864)
- Issue
- 5 (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur •Melrtüruiiq uni) llntcrönftuiuj auf iihVtfrfjem $pöietp HerauSgegeden von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. [5Ko. 5. Von qanft« bidet Sditönift edfbdnt wocheuUtch «ine tann.' Preis de« 3adr» t l Tdtr. j'tcmliäbtifl 7 '4 Ngr. Alle lüuAoanctungen, PofKimrer I unc -ieitunA-expedinöne» nehmen BepeLnugen au. sl l. ^nkrg. 1. (Husrtnl.j -1-l~ 1-^ 1! Bilder aus dem Oriente. BoN I. I- Ri senmeyer, Oberlehrer in S. A- Ujhely. V. Jerusalem. (Schluß.) Die Dack er der morgenlänbrschen Gebäude trifft man nicht zugespitzt, sondern ganz flach und plakt, auch nicht mir Ziegeln, s ndern mir einem »reißen starken Estriche von Gyps, Kalk, Asche und dgl. belegt, damit der Regen nicht ducchdringt. Dach Dach ist einer der vorzüglichsten Lieblingsaufenthalj» des Morgenlanders. Hier schlürft er zur Abendzeit diel kühlen und reinen Lüste ein, genießt einer freien Aussicht und ist fern vom Getümmel der Stadt. Hier verbrachte ich oft ganze Nachte und ergötzte mich an dem Anblicke des schönsten Himmels, beobachtete die Leute, wie sie! sich gleichfalls auf ihren Dächern bei Pau« kenschlag und gcellendem Gesang die Zeit vertrieben, und betrachtete die seltene Pracht des Sonnenaufgangüber den Tempelberq. Auf der Nordseite des 'Zion treffen wir da- Castell der Stadt, auch die Burg Davids oder das Davidsschloß genannt. Hier har der größte Mann seiner Zeit, der Prophet. Dichter und König in einer Person war, residirt. Drückte doch der Himmel demselben Manne, dem er die Wort« der göttlichen Offenbarung in das Herz gab und voa den Lippen rauschen ließ, etne Harfe in die Hand, deren Saiten weitb'" i,x durch Jahrtausende hallen. Don Zion aus konnte önig Jerusalem beschauen, der Dichter ungestört . lusses strömende Welle und das stille grünende Thal, .erebinthen und Oelbaume betrachten/ wie sie die Häupter der Hügel schmücken, der Prophet aber von der Burg aus den Willen de- Himmels erlauschen und in ihren stillen Räumen den Geheimnissen der göttlichen Weisheit nachforschen. Urber ihr erheben sich mehrere Thürme von bedeutender Höhe. Die Außenwerke sind römisch und stammen wahrscheinlich vom Kaiser Hadrian. Stolz und herrlich erhebt sich aus der Mitte der Burg der sogenannte DavidSthurm und überschaut mißtrauisch die Stadt nach allen Seiten. Sein unterer Thell ist aus unbehauenen Wertstücken erbaut, die noch ganz unversehrt sind. Es sind dies ohne Zweifel die Ueberrrste des berühmten von Herodes erbauten Thurmes Hippicus, welchen Titus bei der Schleifung Jerusalems nebst zwei anderen Thürmen und der westlichen Stadtmauer, stehen ließ. Eins der Gemächer wird noch deute als das der Bathseda bezeichnet. In der Nähe befinden sich ganz alte Reste, vielleicht von den Thürmen Phafaölus, Mariamne und dem Thurm Davids. Etwas südlich von der Citadelle, zum Kheil an der Stelle, wo «inst der Palast des HerodeS glänz», steht eins der schönsten Gebäude Jerusalem-, die protestankifche und anglikanische Kirche zu St. Jacob, an die die englische Consulalswohnung stößt. Wenden wir uns von dieser Kirche südlich, frommen wir zum Kloster der Armenier, östlich davon ist daarmenische Nonnenkloster, nokblich davon das syrische Kloster. Nicht weit davon, dicht neben der Zionsmauer, sind die Hütten der Aussätzigen, «lende Lehmhütten, etwa 12 an der Zahl, mit ungefähr -0 Bewohnern. AuSgestoßen von der menschlichen Gesellschaft leben diese Unglücklichen hier in ihrem Elend zusammen, wie zur Zeit der Däter. Die Kinder pflegen bis nach der Zeit ihrer ersten Jugend gesund zu fein, dann aber werden sie schonungslos von der gräßlichen Krankheit ergriffen, die Glied für Glied tödtek. Aerztliche Hilfe wird ihnen von keiner Seite gereicht; sie sind fast die einzigen Bettler, welche den Fremden auf den verschiedenen Punkten der Stadl belästigen. Treten wir aus dem Zionsthor, so haben wir di« Moschee David» vor uns, welche von den Muhamedaner« Nebu Davud genannt und sehr heilig gehalten wird, da sie David» Grah «inschlitßeu^soll. ' Zwischen fc«t Statthaltern und dem StephanSthore soll die Burg Antonia gelegen haben, als deren Ueberrest man inbrß nur noch <<m unbedeutendes Stück Mauer bezeichnet. Herodes der Große belegt« sie zu Ehren des MarcuS Antonius mit diesem Namen, indem er einen schon von Johann HircanuS errichteten Thurm Baris zü einer Festung erweiterte. Sie stand nach Josephus an der Nordseite des Tempels. Ihre Gestalt war die eines Viereckes, an jeder Ecke mit einem 50 Ellen hohen Thurme versehen, der der südöstlichen Ecke aber hatte 70 Ellen Höhe und überragte bas Heiliglhum. Innerhalb hat» sie ganz die Geräumigkeit und das Aussehen eines Palastes, sie enthielt Gemächer jeglicher Art. mit Gallerien, auch drei» Halle» und Casernen für die Soldaten. "Sie stand mir den nördlichen und westlichen Hallen de- Tempels in Berbiaduog. Nicht weit von -her Burg Antonia ist der Teich Be- IheSda oder Schafreich, bei den Arabern Pirket Israel (Teich Israel) genannt, der schönste und größt« des alten Jerusalrms. Fünf. Gallerien waren dazu bestimmt, die Kranken jeder Art, die um der Heilung willen hierher i kamen, aufzunehmen. Der Teich ist 150 Schritte lang