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Jüdisches Volksblatt · 1864-01-01 · 2 (1864) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
11 (1864)
Issue
2 (1864)
Date
1864-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Anterhattung aus jüdischem gebiete. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Ludwig Philitzpsou in Bonn. sNo. 2. 1864.1 Bo» dieser ZeiNtbrikl erscheint wSchnMich eine N»m»er. Preis de« Jahrgang« i Thlr. Vierteljährig 7 Sigr. Alle Bnchhandlnnge». PoAi«rer und zeitnuSsexveditionrn nehmen veftellnnge» an. ^11. Iadrg. 1. Quartal.] Fragen. 1. An das Geschick. Daletzte Röslein ist geschwunden, Das letzte Blättchen fiel — Was machst du, Sturm, die dürren Reiser Au deine- Wüthens Ziel? Was brichst um'- Haupt, das grauumlockte, Du loS mit neuer Hast, Legst auf den schon gebeugten Rücken Erst recht die wucht'ge käst? 2. An die Zugend. „Empor das Haupt bis zu den Sternen! Den Blick klar zu den Höhen auf! De« Wortes Kraft durch weite Fernen! Die Tbat tief in der Aelren Lauf!" Und weißt du nicht, daß all die Pfade, Die stolzen Muthedu deschritlst, Geebnet mußten sein und g'rade Längst schon, bevor du sie betrittst? Einige historische Notizen aus dem achten .Baude von Grätz' „Geschichte der Inden." V. Eine Geschichte aualter Aeit! Der angesehevsts Rabbiner Zsaak b. Scheschet, welcher der Verfoluag in Spanien entgangen war und sich in Algier ansiedelte, wurde vom König von Tlemsaa als Oberrabbiner und Richter über sämmtliche Gemeinden anerkannt. Einer seiner Verehrer, Saul AstrücKohen, ein beliebttr Arzt, der überhaupt viele Verdienste haue, seine! Künste nicht nur unentgeltlich ausübte, sondem noch von > seinem Vermögen an Mohammedaner und Juden ohne Unterschied spendete, war ihm dazu behilflich. Im Namen des Königs wurde den Rabbinea untersagt, ohne Erlaubniß de- Großrabdinen Isaak d. Scheschet weder religiöse noch richterlich« Functionen auszuüden. Er verlor dadurch nicht an Achtung, und wie in Spanien, so wurde er auch in Algier mit Anfragen zur letztgiltigen Entscheidung bestürmt. Auch hier wirkte er mit religiöser Gewissenhaftig8ir und Unparteilichkeit, um Unrecht abzu, -wenden. E« gab in seiner Gemeinde ein boshaftes Mit- -f\ glitt* (Isaak Bonastrüc^) von großem Einflüsse bei den > Behörden; dieser wollte die immer mehr zunehmende Einwanderung der Marranen au- Eigennutz, hintertreiben. Der Engherzige wußte den Kadi zu überreden, sich von jedem eingewanderten Zuden eine Dublone zahlen zu lassen. AlS aber auch dieses Mittel nicht anschlug .und trotzdem Scharen von Flüchtigen ankamen, stachelte derselbe den Eigennutz der Gemeinden auf, sich dem Zuwachs der Jubeafchaft zu widersetzen. Fünf und fünfzig zum Judenthum zurückgetretme Reuchristen aus Valencia, Barcelona und Mallorca harrten im Hafen von Algier, um zugelassen zu werden, und sie wurde« von den Juden ' selbst adgewieftn, was so viel bedeutete, als sie den christlichen Henkern ausliefer». Solche Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit konnte der Großradbiner Isaak d. Scheschet nicht dulden. Er legte die herzlosen Juden, welche sich der Aufnahme der Scheinchristen wibersetzt hatten, in den Bann, und diese Ausschließung aus der Gemeinde ist wohl für keine gerechtere Sache verhängt worden. Die Gegner machten zwar Anstrengung, dle über sie verhängte Strafe zu vereiteln; aber durch daenergische Auftreten de-Isaak b. Scheschet gaben sich feine Anhänger Aströc Kohea und dessen Bruder Mühe, den harrenden Marranen gewünschte Aufnahme,;« verschaffen. Iw Afrika wirkte Ben-Scheschet Barfat nah an zwanzig Jahre zum Wohle seiner Glaubensgenossen und zur Hebung von Religion und Sittlichkeit. Per Hausmelamcd (Hauslehrer). Sittcngemalbe auder 2ten Hälfte des vorigen Jahrhundert«. Nych einer wahren Begebenheit. (Fortsetzung.) »• < Doch Tischa-beaw (Zerstörung-Jerusalems-Tag) nähere heran, an welchem seit einigen Decennien schon, wie in sv manchen Landgemeinden, so auch in der Synagoge zu H. der Ecandal des Kleitenwerfens alljährlich gesehen werben konnte. Ein Knabe aus dem Orte verleitete R. Gchimeon's Kinder — zuerst Löd, endlich sogar auch Jacob — mit ihm aufs Klettensammeln auszugehea und da- Lernen solange zurückzustellen.

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