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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 49 (1863) · p. Seite 196

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
49 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 dadurch einen blutigen Bürgerkrieg. Es entstand neben der AdelSparlei, welch« der Regemin und dem Castilianer anhing, eine Volkspartei, welche sich um den zum Vertheidiger der portugiesischen Nationalität erwählten Don ZoLo de Avis .mit hingebender Liebe scharre. Leonora mußte immer mehr vor dem Bolkshasse weichen. Sie suchte in Santarem Schutz; die beiden jüdischen Großen, Juda und David Negro, welche in Verkleidung Lissabon verlassenhauen, waren in ihrem Gefolge. Hier traf auch dee König Juan von Eastilien ein, zu dessen Gunsten Festungen des Landes zu Verfügung stellte. Sollte der Plan des CastilianerS, Portugal mit Eastilien zu vereinigen, gelingen, so konnte er nur durch Einverstänoniß und festes Zusammenhalten deS Schwiegersohnes mit der Schwiegermutter durchgeführt werden. Und diese Eintracht wurde gerade durch die Besetzung deS GroßradbinatS von Portugal gestört und verwandelte sich in giftige Feindschaft.' AlS nämlich das Großraddinar von Portugal erledigt war (13»4), wollte die Königin- Witwe Lemiora diese Würde auf ihren Günstling Juda übertragen- und verwendete sich beim König von Eastilien für ih». Dieser aber sagte sie auf Wunsch seiner Gemahlin Beatriz dem David Negro zu. LeonorenS Erbitterung wurde dadurch bis zu leidenschaftlichen Ausbrüchen gesteigert. Zu ihrer . Umgebung sagt« sie: „Wenn der König eine so geringe Sache, die erste, um die ich ihn gebeten, mir versagt, mir, einer Frau, einer Königin, einer Mutter, die für ihn so viel gethan, was habe ich und was habt ihr weiter von ihm zu erwarten! Wahrlich, mein Feind, der Großmeister d'Avis, hätte nicht so gehandelt. Ihr thut besser daran,, zu ihm, eurem rechtmäßigen Herrn überzulreten." Leonora wurde durch die Vereitelung ihres Planes oder ihrer Laune, Juda zum Rabbi Mor von Portugal zu erheben, ebenso voll HassrS gegen ihren Schwiegersohn, den König Juan, wie früher gegen den Großmeister b'AviS. Sie-zettelte eine Verschwörung an, um den König von Eastilien, der voriCoimdra zu Felde lag, tsdten zu lassen ü»d dadurch wieder ihre Freiheit und Selbständigkeit zu erlangen. So viel' galt aber der ehemalig« Schatzmeister Juda bei ihr. daß' sie ihn in die Verschörung einweihte. Aber der ernannte xGroßcadbinec David Negro vrreitelle die Beschwörung tmd, rettete dem König von Eastilien baS Leben.!Ein FranriScanermonch, welcher für die Verschworenen in der Besatzung von Eoimbra und in deS Königs Lager a!S Zwischenträger biente, war mir David Negro so herzlich befreundet, daß er ihm geheimnißvoll dringend riech, daS Lager deS Königs zu verlassen. Dieser freundschaftliche Wink machte ihn natürlich stutzig und veranlaßte ihn, mehr von dem befreundeten Mönch zu erfahre». David lockte ihm auch ein«, Theil deS DerfchwSrungSplineS gegen den eastiliaoischen König auS und hielt eS für seine Pflicht, diesem sofort Mittheilung davon zu machen, ha n sich um baS Leben Don Juan'S handelte. Der gewtfmre König ließ foftrt Vorkehrungen treffen, um die Verschwörung zu vereiteln. Er ließ vor allem die Königin»Witwe Leonora verhaften, die Urheberin der Verschwörung, die ihm seit jenem Vorfalls verdächtig war, alS er ihren Wunsch, ihren Günstling Juda zum Großraddiner von Portugal zu ernennen , unerfüllt gelassen halte. Auch Juda und LeonorenS Kammerfrau wurden verhaftet und mit der Drohung dee Folter, zum Emgeständniß gebracht. Da ihre Aussagen gegen Leonora zeugten, so verbannte sie Don Juan nach TordesillaS; Juda sollte gar hingerichtet werden, aber sein Nebenbuhler David Negro verwendete sich so warm für ihn beim König von Eastilien, d!aß dieser ihm das Leben Leonora, um volle Rache an ihren Feinden nehmen zu schenkte. Durch das Zerwürftriß Don Juan'S mit seiner können, auf die Regentschaft verzichtete, und dem ste ihre Schwiegermutter und durch deren. Gefangennahme verlor Anhänger, fast den ganzen portugiesischen Abel, so wievielr^firner ihren Anhang in Portugals stieß daher überall auf Widerstand und mußte zu Gewaltmitteln greifen, um baS Land zu unterwerfen. Alle Plane mißlangen ihm und er mußte zuletzt darauf verzichten,! Portugal feinem Reiche «inzuverleiben. So wie der König Don Juan Portugal aufgeben mußte, fo auch sein Günistling David Negro das Großcabbinar dieses Landes. Er besetzte sich in Toledo, xwo er wegen seiner Verdienste Adlung genoß, und starb daselbst. Kuriosum. In seinen vor kurzem erschienenen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" erzählt Theodor Fontane, daß der Vater deS Alten Fritz, Friedrich Wilhelm in feinem oderländischen Schloß Cossettblatt künstlerisch gestrebt hat, wenn auch mir keinem sehr großen Berufe. So oft ec von Gicht und Podagra gequält wurde, ließ er sich nach Cossenblart schaffen und malw. Im Schloß Königs- Wusterhausen hängen noch einundvierzig Bilder von ihm, lauter Bruchstücke, und auch die Slaffeiei wird gezeigt, an der er arbeitete. Unverkennbar ist, daß der König charakteristisch malen wollt«. In dem einen Zimmer hängen zum Beispiel zwei Judenköpfe neben einander. Man sieht deutlich, baß dem König der erste Kopf nicht jüdisch genug erschienen war und daß er sich zum zweiten Male an die Arbeit machte, um daS Charakteristische besser zu treffen. Allgemeine . Zeitung de« In denl hum S. No.48. 1863. Inhalt: Leitende Artikel: Der Tongreß — Die eng. lischt JndenbekehrungSgesellschaft. — Die religiöse Frage in der Gegenwart. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Baden, Au» Wüttemberg, Ans Bayern. Preußen: Fraukfntt a/O, Freien, walde a/0., Jastrow. OesterreichischerKaiserstaat: Wien, Lus Galizien, Wien. Frankreich: Bonn. Italien: Fer» rara. Marokko: London. JE5* Zn beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thal«. =F Verantwortlicher Redactenr G. Fritzsche. Verlag mb puchhaudluug im Leipzig- — Druck »o» S- Srevtiugiu Leipzig. t

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