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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 49 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
49 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur elehrung und Unterhaltung aus jüülsche^k stekiete. Herauogegebea vvn Rabbiner Dr. Ludwig Philippsov in Bonn. [9to. 49. 1803.] «on dieser Aeirsldri», erILeis« «ScheorN» cm» Nummer. Prei« de« 3ahr- »an«» r Thlr. «icrreljädrig 7 % Ngr. Alle vuithaudluuge». PoftLmier uue Zeiiuaü«ervevinoaeu aebmen BekeLuugeo a». s!0. Iskrg. 3. Die Gouvernante.*) Line Novelle, t Fortsetzung.) XI. Soweil ergaben sich die Ereignisse unserer kleinen Erzählung au« dem vorstehendes Briefwechsel. Ueder die folgenden Begebenheiten liegt ein solcher nicht vor, und der freundliche Leser muß es mir daher erlauben, die Rolle deS Berichterstatters zu übernehmen. An dem Tgg« vor dem Eintreffen des Briefes, welchen Adler an Dr. Anselm schrieb und der dem lehtern die Ankunft seines Freundes anzeigen sollte, fand eine Scene statt, welche eine Wendung der Dinge herbeidrachle. Frau Hill besuchte das Haus des Doctors, um mir ihm die Räumlichkeiten zu besehen und einige Einrichtungen kür die nahe Zukunft zu besprechen. Sie war sehr gut gelaunt, sagte ihrem Freunde tausend Schmeicheleien und gestartete ihm auch einige zärtliche Liebkosungen. Sie war ganz damit einverstanden, daß der Doctor den Flügel des Hauses, den er für sich reservier hatte, behalte und daß an. dessen Einrichtung nichts geändert werde. Als sie dann mit einander die mittleren Wohnplätze betraten, hatte er wieder nichts einzuwenben, alS sie die Zimmer anders vertbeilen und bi« Litern Mädel durch neue und lupuriöse ersehen wollte. So kamen sie in völliger Uebereinstimmung nach dem linken Flügel, wo sich Schlafzimmer, die Stuben der Kinder und der Gouvernante befanden. Hier sollte nun eine völlige Revolution eintreten. Die Frau Hill verlangte, baß die Kinder neben ihre eigenen Wohnzimmer placirt werden sollten, da sie in ihrer nunmehrigen Pflicht als Mutter derselben sie unter ihre eigene Obhut nehmen wolle, »Kd gedacht,, aus diesen und der Gouvernante Räumlich« keilen Gastzimmer herzustellen, die ja im Haufe noch gänz» lich fehlten. Der Dortor wurde hierbei stutzig und nachdenklich. „Und wohin soll denn die Gouvernante?" frug er endlich bi« beredte Frau, die dieses Umstandes gar nicht zu gedenken schien. „DaS ist einfach, mein Kind," erwiderte sie. „Die lassen wir gehen, da wir Dkr nicht mehr bedürfen. Ich bin keine Freundin von Gouvernanten; es sind Miethlinge, denen es nur darauf ankommt, den Schein zu bewahren, und die ihre Zöglinge nur verbilden; *) In Ro. 48. S. 189. Sp. 1. Z. 28. von unteu bittet der Berf. „Ich kenne diese Dame nicht" zu lesen. Di« Weglas. sung des „nicht" wirst ein falsches Licht auf die ganze folgende Begebenheit. Der Verfasser. von gründlichem Unterricht kann ja bei diesen oberflächlichen Wesen nrcht die Rede sein. Für diesen nehmen wir tüchtige Lehrer an, deren ehier sehr einsichtsvolle gibt; . und sieh, lieber Eduard, id> habe es imir so schon gedacht, mich der Pflege und ErMhung dein» Kinder ganz hinzugeden. Es geht ja nichts über dtt mütterlich« Zärtlichkeit. und diese soll den Kindern im reichsten Maße werden. Dafür muß dir schon mein« Liebe zu dir bürgen." Oer Doctor war auf diese Wendung ganz unvorbereitet und wußte daher 'im Augenblicke nicht, was er antworten sollte. „Aber," erwiderte er, „ich habe das Fräulein auf mindestens ein Jahr engagirt» — Das ist das Allergeringste; mit Vergnügen wollen wir uns großmüthig gegen: sie beweisen, wenn sie es auch nicht verdient haben mag. Sie soll für alles entschädigt werden und so lange ihr Gehalt beziehen, dis sie ein« andere Stelle gefunden. Mehr kann sie doch nicht verlangen. Du siehst, daß ich dir in allem nachgegeden und mich schon jetzt dfn Launen «esnes zukünftigen Herrn willig füge; so bist du mir auch schuldig, in dieser Sache mir nachzugeden." — „Aber," wandte der Doktor ein, „du bist wirklich im Jrrtbum; es kann keine gewissenhaftere, pflichtgetreuere und dabei einsichtsvollere Erzieherin geben,' als dieses Mädchen. Ich will auch durchaus nicht, daß du dich mit allen diese» einzelnen Dingen plagen sollst. Ich weiß im voraus, daß du dieses Haugesellschaftlich beleben wirst, du wirst Besuche empfangen und machen, das nimmtdich in Anspruch, und wider deinen Willen und Wunsch würde» die Kinder vernachlässigt werden. Ich habe eine ganz andere Absicht " — „Nein," fiel di, Dam« ein, „da kennst du dieses Mädchen schlecht. Ihr Männer habt für dergleichen kein klares Auge, wenn ihr es mit einem Frauenzimmer zu thun habt, das sich einig« Reiz« zu geben und klug zu schwatzen weiß. Dieses Fräulein ist herrsch- und gefallsüchtig im höchsten Grad«, sie ist impertinent, wenn du nicht gegenwärtig bist, und ich habe dies schon genugsam erfahren, um mit ihr nicht unter einem Dache leben zu wollen. Hierin mußt du mir nun einmal folge«, und ich werde es die., gewiß mit aller Liede vergelten!" Der Doctor wollte eben eine neue Einrede erhebe», als unglücklicher Weise Franziska mit den Kindern, im Begriff auszugehe«, durch den Borsaal kam, in welchem diese Verhandlung statlfand. Als di« Kinder die Frau Hill mit ihrem Vater erblickten, machte Anna schnell eine Verbeugung und eilte zur Thür«, was Louischen nachahmte. Auch die Gouvernante wollte ihnen in ähnlicher Weise folgen, als «ln Wink der Frau Hill sie zum Bleibm nöthigte.

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