Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 46 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4908862-5999384-6026625--2557-4910894- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
* — 183 und Denken nicht au-schl»ßt. ja ti fotbert, daß ti aber (in Höheregibt, als alle Wissenschaft zu geben vermag, geht der Redner auf fünf Grundlehren de- Judenthumein. Erstenda- Dasein Sorte-. „Kaan der Mensch eleugnen? Tr kann enicht; er müßte denn da- Herz aufeinem Busen reißen und seiner Zunge eine andere Sprache lehren, denn da- Gefühl ist von Volt und zeugt laut von Ihm, und die in der Sprache verkörperten, eingeborenen Gesetze de- Denkrnerheden in dem Widenvilligen ihre Stimme; aber er will verleugnen, er versucht e-; „er spricht in seinem Herzen: eist kein Gott')"; er redet sich ein, er habe diesen Glau» den adgethan. Ebäumt sich sein Stolz gegen da- An» erkenntniß eine-Höher», ziehet Gott herunter in die Sphäre de-Menschlichen, um den Menschen zum Gott zu erheben; er macht die Gottheit zum Gegenstände seiner Denkübung und glaubt. Gott sei, weil und wie er ihn benkr. So har daalte Heidentbum gethan und, nach der Stufe feiner Erkenntniß, da- Wasser, da- Feuer, den Aether, den Geist — daheißt den Menschengeist — al- Gott erkläre. Und später, al« die Lehre der Offenbarung sich mit dem Heidenkhum mischte, da hat man da- Menschen,Ideal in die Gottheit hinein verseht, wähnend, da» durch Gott dem Menschen und diesen Jenem näher zu bringen. Und walehrt darüber die Erforschung der Natur? Oer Astronom richtet fein mächtige- Fern» rohr auf de- Himmel- Räume; längst kennt er die alrm Wanhglsterne, ihre Bahnen sind berechnet, immer weiter dringt sein gewaffnerer Blick, löst auf Nebelflecke und de» Glan; der Milchstraße, trennt Doppelsterae, erhellt die Kohlensacke de- SüWg-; immer weiter in die uner» meßlichen Tiefen und Femen — Gott zeigt sich nicht in dem riesigen Spiegel, Sein Srrahlenglanz bricht sich nicht in dem Glase seine- Rohr-! da ist die Grenze seine- Schauen- und seine- Wissen-. So kann er zwei Wege gehen: er kann glauben, und die Größestea haben angedeter den, der über den Sternen thront; sie, die mit unendlichen Größen rechnen, konnten Seine Unendlichkeit um so tiefer ehren; — oder er kann sagen: ich sehe aichtvon einer Gottheit, meine Wissenschaft weiß nichtvon ihr, „ich bedarf dieser Dorau-setzung nicht—)"; alle- Unend, lichr gehr audem Endlichm hervor; und er seht alda- Zeichea desselben zwei aneinander gerückte Nullen—): „ich sehe nicht«, eist nicht-!" Zweiten-: Gott ist einzig. Herr der Natur. Hier sagt der Redner: „Und wakann die Naturkunde unhierüber lehren? Der Forscher schaut durch fein Mikro-kop: daunend» lich Kleine ist fein Gebiet; er untersucht die Zelle in der Bildung de- Thier» und Pflanzenkeime-, die Fäden der Nervenfaser, de- Blure- Mischung; er sucht und findet da- Gesetz der Entwickelung, sieht, wir nach festen Grundsätzen sich allebildet. So 'weit reicht sein Können, da ist die Grmze. Don dort auführe« zwei Wege, der «ine zur Anbetung Gotte-, der den Zweck gefetzt, der Ord» nung gegeben, der „groß ist im Rath und mächtig an *) Ps. K 1. **) Laplace! ••*) ® da- Zeichen der unendlichen Größe. Zbot* *•))', und im unendlich Kleinen um so mehr algr-ß erkannt Iwird; oder man spricht: dies, Entwickelung selbst ist Gott, von Zwecken und Zielen eine- Schöpfer« zu reden ist kindisch." Dritten-: Geistigkeit und Freiheit de- Menschen. Der Mensch ist sündenfrei geschaffen, mit Willensfreiheit au-gestattet. Der Redner sagt unter anderm: „Und bße Naturkunde? Der Anatom setzt an den menschlichen Leichnam, an de- Tbiere« lebendigen Körper sein Messer; er sucht und findet der Reize und der Kräfte und 2häng» ketten Wechselbeziehung, der Nerven Lerästelung, Au-gang-», Knorm» und Endpunkte; er entdeckt, wie dieser und jmer äußere Eindruck im Seelenleben diese und. jene Wirkung Hervorbringen müsse. So weit reicht sein scheidende- Mel» ser, auf Geist und Freiheit'stößt seine Klinge nicht, sie sind unfaßbar für die feinste seiner Zange». Und er vergleicht dm Leibe-bau de« Menschen mit dem zahl» loser Geschöpfe in Mit» und Borwelt. Ist daalleim Urbeginn verschieden gewesen, hat eaueiner Grund« form sich entwickelt, aumehreren, auwelch.»? Sk,he der Mensch über dem Haufen der Mitgeschöpke, oder hängt er leiblich mit Thier undPflanze an derselben Ken«? — ’* Laßt ihn forschen, daist sein Gebiet; hier vanvelt esich um andere«! Ist „Geist in dem Menschen und ein Hauch de- Allmächtigen, der ihn weise macht"/', oder nicht? Besitzt der Mensch Willen-freiheit, oNne welche Tugend und Laster, Staat, Familie und Gesell» schaft inhalrleere Klänge sind, oder nicht? Dem Seeir» m^ser kann e« nur buchstäblicher, bluttriefender Ernst sei» mit dem Worte—): ,. der Vorzug de- Menschm vor dem Thier ist nicht-, denn eist allenichtig" und ein Raub der Verwesung." Viertens: o-vwn ja min E« gibt eia Gor» te-ges,tz für den Menschen, ela Gesetz der Tugend, der Gerechtigkeit und Liebe, dem wie in Freiheit folgm, den eigenen Willen unterwerfen sollen, „mache seinen Wille« zu dem deinigeasj". „Und was kann die Erkenntniß der Natur uns hier» über lehren? E« sitzt der Scheid «künstle r an seinem Tiegel und iäßr seine ätzenden und zersetzenden Mittel wirken, legt die Grundstoff« auseinander, erkennt alle Möglichkeiten ihrer Zusammensetzungen und bringt sie in mathematische Formeln. Da offenbart sich ihm ei» Gesetz — der Anziehung und Abstoßung robrrr Stoff«; von Recht und Unrecht, von. Liede und Haß, von Lohn und Strafe ist da keine Red,. Ihm ist der Diamant und die Kohle dem Wesen nach Ein«. Heißt da« alt Gleichniß auf das Gebiet der Sittlichkeit üdergetragen: des hochherzigsten Edelmuthstrahlendste Entfaltung und da« schwärzeste Verbrechen, sie sind im Wese» Ein-, bestehen aus denselben Elementen, der Selbstsucht und dethieri» schen Erhaltungstrieb«-? Auf welcher Dag«, in welcher Retorte erkennt man den moralischen Werth einer Handlung? Ja welche Formel kleidet, wie analpsirk maa^ qualitativ oder quantitativ, da- Sittengesetz, die sittliche Weltoednung? Wie prüft man den Menschen auf seinen *) Jerrm. 82, 19. *•) Hiob 32. 8. •—) fc*. Sal. 8, 19. f) nw Spr. d. 8it. II. 4.