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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 46 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
46 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bvlksblatt. Z°r Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem Hebrete. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. §-r>»_ ja | Oi? O 1 ®o» >iei« ätitfArift.eiftbetat »totatliA Ji« Stammte. Preis des Jahrr n „ , n j. , lNo. 46. 1863,] ««*« * SSSSSSSftJÄJÄÄSSSES^' Wmut [JO. Jahr9. 3. <?aartal.] Die Gouvernante. Cint Novelle. (Fortsetzung.) VI. Franziska an Adele. Du würdest mir nicht zürven, theure Freundin, daß ich solange geschwiegen, wenn Du die Ursache erfahren hättest. Wir haben hier eine traurige Zeit gehabt, denn meine älteste Schülerin war gefährlich erkrankt. Sie schwebte längere Zeit am Rande de- Todes und bedurfte unermüdlicher Sorgfalt, um dem Leben wiederg,schenkt zu werden. Oer Kummer, die Besorgniß und die Anstren» gungen, die dieses traurige Ereigniß mit sich brachte, griffen mich so an, baß ich einer längeren Zeit bedurfte, um mich wieder zu erholen. Heute sitze ich zum ersten Male wieder an dem geöffneten Fenster, zu welchem die warm« Bewegung der Luft den Duft der Rosen und Lilien aus dem Garten hrreinnägt; der Strahl der Sonne thur jmt wohl und ich fühle mich stark genug, um Dir zu schreiben und Deiner liebevollen Besorgniß «in Ende zu machen. ■ Noch immer aber fühle ich eine tiefe Verstimmung Über den Dorfall. der die unheilvolle Wendung in der anfangs leichten Unpäßlichkeit des Kindes herbeigeführt hat.. Meine Anna lag Mf dem Sopha im Wohnzimmer; sie hatte Kopfschmerz und glühte ein wenig. Ich saß auf einem Stuhle neben ihr und hielt ihre Hand in der meinen, die sie nicht lassen wollte. Ich mußte ihr auch etwas Leichtes erzählen, was ihre Gedanken von ihr selbst adleitere. Da stürmte mir einem Male di, Dame in schwarzen Kleidern, von der ich Dir früher geschrieben, ins Zimmer, auf da- K«nb loS, riß sie von ihrem Lager auf und schrie: „WaS fehlt Dir, mein Kind, was feylt Dir? Ich will bei Dir bleiben, ich will Dich pflegen!" Dann wandte sie sich zu mir und sagte in boshaftestem Tone: „Gehen Sie hinweg. Sie sind ein bezahlter Mierhling, lasten Sie anich an diesen Platz neben dem armen Kinde, si, soll schon bald gesund werden durch mich!" — Anna aber hielt meine Hand krampfhaft fest und rief mir aller Kraft: „Das Fräulein soll nicht fort, ich lasse sie nicht von mir, sie thut mir gut. Sit aber, was wollen Sie? Wer sind Sie? Ich mag Sie nicht leiden, taffen Sie mich los!" . . . Und bas Kind wandte und krümmte sich, um aus den Händen der Fremden loszutommen. Diel« aber wurde leidenschaftlich erbost, umklammerte das Kind nur noch ärger und schrie heftig auf es los, ja sie steigerte ihren Grimm bis zum Schimpfen. Ich wollte dazwischentreteu, ich bat di, Dame, bas Kind, das in seinem Unwohlsein eigensinnig sei, zu lasten, es könnte gefährlich für dasselbe werden. > Ader mein» Bitten waren vergebens und zögen mir eir^ Flut von kränkenden Reden zu. Da ballte Anna Unversehens ihre Faust und schlug der F^emb^n mit solches Gewalt in das Gesicht, baß diese zurücktaumelft; dann a! er siel da« Kmd ohnmächtig zurück. Was mit der Dane weiter geschah, weiß ich nicht, denn ich stürme zu dem bewußtlosen Kinde, benetzte es mit kaltem Wasser und fü hre «S ins Leben zurückzurufen. Glücklicherweise kam de: Doktor bald herbei und ergriff die geeigneten Mittel. Aber von Stunde an wurde das Kind kränker, verfiel in ein hitziges Fieder, Bewußtlosigkeit wechselte mit witden Phantasten ad und dieser Zustand wich erst nach virrzbhnligiger Dauer, Tagend und Nachten der Qualm für das Kind und der schwerst.n Bekummerniß für uns. Gott fe Dank! es ist vorüber; aber was mich betrübt und besorgt macht, ist, daß der Einfluß, den dieses Weid auf unser Haus ausüdt, durch diesen adscheulichm ' Vorgang nicht gebrochen zu fein scheint. Sie kam zwar seitdem Nicht wieder, läßt sich «der d,S Tages zwei-, dreimal nach dem Befinden des Kindes auch sitzt noch erkonbigen, und der Doktor wies seine Leute an, ihr jedes Äkal 'Bescheid zu geben; sie schickt Leckerb,ss.n und Erftischongen! jeder Art in Ueberfluß, und der Doktor befahl, dies« anzunehmen, obschon sie nur in der Küche verbleiben' und Anna unter keiner 8 eoinguna anrührt, was von jener kommt. Wei ist dieses Weib? Woher der sonderbare Einfluß, dm sie »uf den Doktor gewonnen har? Warum blieb die. 1 Oc Ma» n, der seine Kinder so zärtlich liebt, so ruhig dem auffallenden Betragen jener Dame gegenüber? Und warum -haßt sie mich, die ihr nie auch nur mit einem Worte zu Nahe getreten? ES ist dies rin Räthsel für mich, dessen 'Lösung wir jetzt sehr am Herzen liegt, da tch nicht ermessen kann, wie weit dieses garstige Weid in unsre nächste Aukünft eingreifen werde . . . VII. Adler an Dr. Anselm. Ich find« Dein Verlangen gerechtfertigt und will demlselbm genügen, soweit ich es vermag. Dies hat aber eben sei«N Grenzen. Franziska's Leben war zumeist ein innerjlicbrt; ihre größten Kämpf« hatte sie in ihrem Herzen und /mit sich selbst zu kämpfen, und wer wäre im Stand« und ’brttAttti , die'« zu stdrloern f Uedel der Geburt Franz,ska's schwebt »in Dunkel.^as wahrfch, nlich sie selbst nicht zu triften vermag und bas wahrscheinlich Niemals gelüftet.'werden wird. Ais' dreijähriges

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