Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 45 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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180 — Ter Kelch des Trostes. Vor kurzem erschien zu Wien ein Büälein: 52-re N7S-2 „Die vrer Kelche", hebräisch von Salo mon Pappen heim, deutsch von Willkeimer. W r geben eine Probe aus dem zweiten Kelche, dem Kelche -es Trostes, wo die Klagen des Unglücklichen widerlegt verden, um daS empfehlensweclbe Büchlein zu charakterifi en. „Drittens hast du Unrecht, Kurzsichtiger! daß du des Künstlers Werk tadelst, wenn du e» nur rhe lweisi, nickt aber ganz gesehen hast. Du behauptest, die! Hasel Gottes sei widerwärcrg, weil du auf derselben einige > ictere Speisen siebst, und auf die köstlichen Gerichte, um derentwillen eigentlich die ditlern herg,setzt wurden, um ene schmackhafter und verdaulicher zu machen, richtest du deine Augen nicht. Wärest du bei den Tafelveckern gewesen, nsahrlich, du häklest ^beim Wahrnebmrn der Menge de Leckerbissen zum Bitteren noch einiges hinzugegeden, da di^ die richtige Wage gefehlt batte, um so wie Gott alles!genau adzuwägen, durch ein richtiges Verhältniß das Fehlende gegen daS Ueberflüssige gegenseitig für alle Geschöpfe auszugreichen. Gott rheilt verschieden seine Geschenke aus: diesem gibt er Reichtbum und Ehre, jenem langes Leben; diesem schöne Kinder, jenem eine vernünftige Krau. Sowohl bas Angenehme wie auch das Unangenehme ist mit größter Gerechtigkeit in'einem genauen Verhältniß zum Besten des Allgemeinen berechnet. Zeder sammelt nach Verhältniß feines Bedarfes, wie es seinen Zeit- und OrrSumsiänden paßt und soviel er ertragen kann; der viel hat. bat nicht übrig, damit er nicht der Gruft zufalle, und dem, der wenig hat, mangeltedennoch nicht; er hat zu essen und kann lange leben. Siehe! den Tbieren des Feldes, die bei dir sind, hat Gott Verstand versagt zum 'Besten deiner HauS- und Feldarbeit; dir har er wieder etwas Gutes versagt , zum Besten desjenigen, der großer ist wie du, dessen Zeit und Drt du nicht kennst, wo diese seien. Daber soll es dich nicht verdrießen, vom Spender demüthig alles anzunehmen. Dein Schiff scheiterte in den Brandungen ferner Meere; nach langer, langer Zeit werden es aufsinden Inselbewohner, die weder du noch dein Vater gekannt, wer diese Menschen seien. Hingegen pflanzten ihre Vorfahren, die Bewohner des fernen Südens, Weidrauch-, Myrrhenuns Aloedäume und andere köstliche Gewürze, und du mit deinen Nachkommen genießest deren Früchte im Lande des Nordens. Du staunst, entsetzest dich über den Fall des 8öwen, ohne zu bedenken, daß du-mir der Zeit Honig aus. seinem Körper nehmen werbest; über den Einsturz der Perge, ohne einzusehen, daß dir gelegenes Gold unter ihne^ aufbewahrt war. Gott ist zwar im Himmel, hält ab« das Senkblei in der Hand, um alle krummen Wege, Zeiten und Stande gerade zu macken; jedem Strauchelnden in der Schöpfung gibt er die Reinigung zum allgemeinen Besten- Auch dir ist auf Erben zu einer bestimmtest Zeit dein Tyeil aufbewahrt, fei es viel oder wenig; bahec seiendeine Worte wenig." Kuriosa und Notizen. Die off. Bt. erzählen: Ein Zude befindet sich auf der Straße nach Suwalk, wird von einem Trupp Russen angehalten , dem er über irgend einen Gegenstand Auskunft errheilen muß, worauf er ungehindert weirerpafsirt. Bald darauf, auf dem Weg« in seine Weimar, wird er von Jnsurgenten angehalken, deren Anführer ihm kurz und bündig erklärt: „Jude, Du mußt hängen. Du bist ein Lerräthec, ein Spions" — Der Arme fragt hin, fragt her, jedoch bleibt immer nur die Antwort, Cie er erhalt, der erste Refrain. — Ein starker Ast an einem nahestehenden Baume ist für die Execurion ausgesucht. Dem Juden wird die Schlinge um. den Hals gelegt, als der Anführer zu ihm heranrrttt und Folgendes spricht: „Damit Du erfährst, daß Du nicht unschuldig stirbst, will ich es Dir noch sagen: Du hast den Russen den Weg in unser Lager verrakhen!" Dieser betheuert seine Unschuld und wie ec von den Russen nur um den Weg nach eirüm nahegelegenen Orte befragt worden, worin doch nicht. Böses liege. AlS dies alles nichts hilft, bitter er um einige Augenblicke Zeit, sich mit seinem Gotte zu versöhnen, was ihm auch gewahrt wird. | Ec ist fertig. Dir Schlinge wird geknüpft, der Strick über den Ast geworfen und angezogen, als, zum Erstaunen der Insurgenten, der starke Ast — brichk. Da spricht in ernster Stimmung der Anführer: „Zude, geh hm. Dein Gott ist ein starker Gott, er har Dir geholfen, Du mußt die Wahrheit gesprochen haben!" — Und im CkoruS | »tonte „Möchte fo auch Gort Polens Bitten erhören i und uns zu unserm Rechte verhelfen!" Ein Correspondent der Arch. isr.. cheilt als einen Be- I weis für die Fähigkeiten der jüdischen Jugend in Italien Folgendes mit: Eine Klasse der technischen Schule j von Ferrara bestand im Schuljahre 1862/3 aus 22 | Schülern, unter denen 7 Zfraeliten. Nur 15 Schüler! wurden zum Examen zugelassen, und unter diesen sämmt- | liche 7 jüdische. Von diesen 15 Jünglingen wurden 7 : in die höhere Klasse versetzt, und zu diesen 7 gehörten 6 Israeliten und 1 Christ. Diese 6 Israeliten trugen sämmrlich Prämien davon. Allgemeine Zeitung desJudenlhumS. No.44. lv63. Inhalt: Leitende Artikel: Da» Judenthum de» 19. Jahrhunden» und da» Christenthum. (Fortsetzung.) — Die wie« deraufgelebkeKoluidre-Fraze. — Oeffentliche Aufforderung. — Die Verhandlungen über die Zulaffung von Juden zum Notariat im österreichischen Herreuhause am 14. Oktober. — Spenden- Liste für die Rießer-Slisiung. Zeitungsnachrichten: Deutschland:Würzburg,Frankfurt a/M., Au» Würtemberg. Preußen: Berlin. Oester« reichischerKaiserstaat: Wien, Wien. Donaufürstenthümer: Bukarest. UP Zu beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich Thaler. Verantwortlicher Redakteur G. Fritzsche. »ertog bor Suajinmi’ SvAfeantlssg in Leipzig — Dr»ck sen Sreofingin Leipzig.