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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 43 (1863) · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
43 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 174 (sequence 4)
Language
German
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172 — Ein Märtyrer aus dem 17. Jahrhundert. Meaasseh den Israel erzählt in feinen 1656 in London herauSgekommenen Vioäiciae luä-worum: „Es sind ungefähr 30 Jahre her/ da lebte zu Ragufa -ine christliche Frau, in deren HauS die ungefähr 11 Jahre alte, reich mit Edelsteinen geschmückte Tochter einedenachdarten Ebelmannes kam. Die unglückliche Frau kam in die Versuchung, diese Edrlsteine zu stehlen,, und da sie dies nur mit Sicherheit tbun zu können glaubte, wenn sie dem Kind« daS Leben nähme, so schnitt ne ihm die Kehle ad und versteckte die Leiche unter ihr Bett. Da daS Mädchen nicht zurückkam, so suchte man überall nach ihm und erinnerte sich, daß man es in dieses HauS habe einrceken sehen. Die gerichtliche Untersuchung fand den Körper auf. Die Schuldige gestand die Thar. Äb«r als wenn sie ihr Verbrechen zu - büßen geglaubt hätte, wenn sie eS auf einen Juden würfe, so unschuldig er auch sein möchte, , so sagte sie, ein gewisser Isaak Jeschurun hätte sie. dazu «gereizt, weil die Juden dieses Blur zu ihrer Pessachfeiec brauchten. Li« wurde gehangen und der Jude ins Gefängnis geworfen. Man unterwarf ihn sechsmal der Tbnur, indem man ihn mit der größten Grausamkeit behandelte; man suchte neue Martern zu erfinden, um ihn mehr leiden zu lassen. Er ertrug unerhörte und so darbaoische Foltern, daß im Vergleich damit alles andere in dijeser Art sanft und erträglich scheint. Er behauptete beständig, di« Anklage fei falsch, er habe nicht einmal daran gedacht. ES hals ihm nichts, man verurtheilte ihn zu zwanzig Jahren Gefängniß bei Wasser und Brot, nackend« und gefesselt zwischen vier Wänden, wo er in seinem Unratbq verschmachten sollte. Er blieb dennoch nur drei Jahre vor . Pikten in seinen Qualen bat dieser arme Mensch Gott, e n Zeichen von seiner Unschuld zu geben, und rief die O> rigkeil, welche gegen ihn ebenso an der Barmhrrzikeit wie m der Gerechtigkeit gefrevelt hatte, vor daS Tribunal de« HÄ »sten Richters. Hott erhörte sein Flehen; denn der Fürst starb auf einem Feste am nächsten Sonntage hach dem UrtlMSspruchc und bi« Richter, welche denselben ausgesprochen Hallen, starben einer nach dem andern während seiner Gefangenschaft. Die Uedriqbleibenben, erstaunt über die Sache, «blickten darin eine besondere Absicht der Vorsehung und suchten den Gefangmen wieder frei zu machen. Er wurde! also io Freiheit gesetzt, und nachdem er Italien durchreist hjane, wo jedermann ihn mit Bewunderung betrachtete, gintz er nach Jerusalem, wo er vor wenigen Jahren starb. E. Karmoly. nach Debreczin, um in dem dortigen Bechause dem Gottesdienst beizuwohnen. Er ließ sein HauS unter Obhut seiner einzigen Tochter und seines Knechtes zurück, indem er ihnen streng befahl, während der Nachtzeit niemand ins HauS einzulassen. ES mochte gegen Mitternacht gewesen sein, alS man an daS Fenster jener Stube klopfte, in welcher EliaS' Tochter, ein Mädchen von 18 Jahren, schlief. Sie ging ans Fenster und fragte, was man wolle. Der Pocher, ein Bauer aus dem Orte, sagte, sie möge rasch öffnen, sein Kind sei in der Nacht gestorben und er wolle die zum Leichenbegängniß nölhigen Utensilien kaufen. DaS Mädchen erklärte, nicht offnen zu wollen, und nachdem sie dem wiederholten und heftigen Drängen des Bauer« nicht nachgab, ging dieser zurHofthüre, pochte daselbst und weckte den im Hof« schlafenden Knecht, dem er auf sein Anfragen dieselbe Antwort gab, die er dem Mädchen gegeben. Der Knecht öffnete daS Thor, jedoch kaum war der Bauer in den Hof getreten, alS er den Knecht mittelst eines AxthiedeS über den Kopf zu Boden schlug. Hierauf eilte er der Thüce zu, die in« HauS führte, und begehrte Einlaß; das Mädchen verweigerte denselben beharrlich; nun sprengte er vermittelst seiner Art die Thür und brach ins HauS ein. Ec forderte sodann daS Mädchen auf, ihm anzugeben, wo Geld, Silberzeug ober sonstige Wecthsachen verborgen seien, indem er ihr sagte, daß das Leugnen, ihr nichts helfen würde, denn er müsse sie in jedem Falle erschlagen, sonst könnte sie ihn den Gerichten anzergen. DaS Mädchen dar und beschwor ihn, ihr Leben zu schonen, sie wolle ihm alle» geben, was er nur verlange. Der Verruchte aber bestand darauf, er müsse sie erschlagen. Da das Mädchen sah. daß all« Bitten nicht« halfen, so sprach sie zu ihm: „Wohlan, wenn ich schon sterben soll, so will ich mich lieber selbst uindringen und ohne Qualen sterben, alS daß ich erst viel leide und Du Deine Hand mit meinem Blute befleckest; ich habe drinnen im Laden eine Flasche Vitriol, davon will ich trinken und sterben, wenn eS schon so sein muß." Auf diese« Anerbieten ging der Räuber ein und folgte ihr auf dem Fuße in den Laden. Dort nahm da« beherzte Mädchen eine Flasche Vitriol, und indem sie sich anstellte, al» wollte sie davon trinken, schleudert sie dem sie aufmerksam betrachtenden Bauer die Flasche mit solcher Vehemenz ins Gesicht, daß er angenblicklich betäubt zu > Boden fiel. DaS Mädchen war gerettet und der Räuber starb am andern Tag an den Folgen der durch das Vitriol; entstandenen Brandwunden. Knriosa und Notizen. sGeisteSgegenwart.) Ein Eorrefponi« theilt un« da< folgende Beispiel dewundes Geistesgegenwart mir: Auf einer einsamen Nähe von Debreczin wohnt ein Jude, K., der daselbst einen größeren Kramladen legenheir der letzten israelitischen Festlage g Berajl XkrUft MB 8^gnglrti( nt au« Pesth ungSwücdiger Pußta in der mmenS - Elias Bei Geng EliaS K^ har Allgemeine Zeitung desIudenldums. Ao.42. 1863. Inhalt: Leitende Artikel: DaS Judenthnm de« 19. Jahrhunderts und das Shrifieothnm. (Fortsetzung.) — Die feu» dale Presie. — Speuben-Liste für die Rießer-Stiftung- — Die Ethik de« Maimonites. (Schluß.) Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a/Main, Braunschweig, Skrelitz. Preußen: BreSlau. OefterreichischerKaiserstaat: Krakau. Rußland: Warschau. Großbritannien: London. Donaufürsteuthüm er: Brüflrl. Ionische Inseln: Korfu. Nachtrag: München, Wilna, Pari». HC" Zn beziehen durch jede» Postamt und jedeBllchhandlnng. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich X Thaler. nvorrlicher Redacreur G. Fritzsche. »«»SaudlBus iy — Druck »ob <B- Sreysing tn L«ip»iS

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