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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 42 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
42 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Wolksblatt. Zur Jäelefintng uni) UntcrOjaftuiifl ans jüdischem gekielt'. »VN Her«mrg«gebe, I Rabbiner vr. Ludwig Philip-sou in Bonn. rrt, . . o/*n l Com birffr Zetrschrik« erfArist sfAratHA ein lyffl 4U loOO«l lang« l Xblt. »ieneJiäbrifl 7« *ar..«n* TU. *vvw»J n«b Aetninglembü«#nea nebmen 9hnninffi $Tiil bH Otbt* r i a st o , , ■* «uLdamdtu-gca. P°s.äm«r [10«. Jfahrg. S. Aus dem Leben CH. S. Slonimski's, mitgethrilt von LevnMendel-burginNowograbwo^in-l. LSchlutz.) . . ] AIS ich de« Tagedarauf mich zu dem kranken Mann begeben wollte, kam mir der Schwiegervater mit denkWor» ten entgegen: „Eist schon zu spät, dein Besuch ist rüber» flüssig, da er bereitbewußtlos daliegt". Es wurde nnmer schlimmer mit demselben und nach einigen Tagen starb er zur allgemeinen Trauer de- StäotchenS. Der alltäglich« Strom de« Lebenging indessen bald wieder seinen gewöhnlichen Gang, und auch das Anbienten an diese Leuchte in Israel wurde ln die Fluthen desselben versenkt. — Ich besondervergaß, ihn bald, da ich mit ihn in keiner nahm Berührung gestanden und nur bessen äußere Erscheinung wke in einem Traume sich bisweilen meiner Erinnerung auflsrängte. — Evergingen seit diesem Vorfall mehrere Wochen, als ich einst früh morgen-«mich aufmachte, um wie gewöhnlich nach dem Beth-Hamidrasch zu gehen. Wie in sv-vielen hiesigen Städten gab G. in 3. zwei jüdische Gottesäcker: der alte nämlich, welcher seit Urzeiten hart an die Synagoge lehnte, und ein neuen der in einiger Entfernung von jenem lag. Mein Weg führte mich vor diesem vorbei. Die Nacht war rabenschwarz^ die Luft nebelig und feucht; eS hatte noch nicht vier I Uhr geschlagen. Ich ging ohne Laterne, da mir der Weg! sehr gut bekannt war und ich längst alle Gefpensterfurcht pbge, legt batte. Wie ich so gemächlich hart an der Plante de« Friedhofefürbaß ging, fiel von einem Quergäschen, das denselben von einer Häuserreihe trmnt«, der Lichtstrahl einer Laterne auf meinen Gang. Ich blickte auf und! sah, wie daS zittrmde Licht auf die zahlreichen Leichensteine I und entlaubten Bäume de- Friedhofes feine fahlen Reflexe charf. Ein Mann, der die Lateme trug, kam immer näher j ich hielt meinen Schritr an, um mit dem Manne zusammen» zutreffen. Denken Sie sich aber meine nicht geringe Usber, raschung, alich in diesem Manne, nächdem er mir ganz nabe gekommen, den Rabbi Zankel Schänker erkannte,! der vor einigen Wochen gestorben war. — Wohlwissend, ldaß hier ein Zrrthum vorwalten müsse und daß der S«pein oft trügt, gab ich mich nicht leicht dem ersten Eindrücke de- Schreckenhin, sondern warf auf da- Gesicht de- MaiMe-, davom fahlen Strahle, der sich durch daschmutzige GlaS der Laterne brach, etwaerhellt war, einen laqgen durchdringenden Blick. — _j Der Mann schien zu stutzen, sagte aber kein Wort, selbst nicht den gewöhnlichen Morgengruß, - sondern ßktzte ei ie selten Weg in derselben Richtung wie ich fort. ' Zch mußte rar sagen, daß eS dieselbe Person war, die mir der Scdwie« g« vater so genau «US Rabbi Zankel Schänker bezeichnet«. B ’i diesem Bewußtwerden fühlte ich alle meine Pulse led» ha ter schlagen. / Mir schien e«, als wenn da-ganze Blut m ineS Körperin mein Herz dränge. — Schweigend gi> g der Mann seine- Wege-, ich voraus. /Obwohl mir fa t Horen und Sehen verging, sah ich doch da< unstäte Le ht auf dem undepflastertrn schmutzigen Boden vor mir sch vankeir^ind hinter mir hörte ich da« Hallen seiner schweren S hrine. Endlich aber schien ,S mir, alS wenn sein Schritt ve, Halle und der Lichtstrahl immer mehr verschwinde. — Zc» faßte ein Herz, mich umzusehen, und wasah ich? D«: Mann näherte sich der verfallenen Umfriedigung dealt» Friedhofes, bog um eine Ecke desselben und war im Ne '«l wie verschwunden, — mit ihm auch da- Laterneniich. — An allen Gliedern zitternd kam ich in das Beth-Ha» mit rasch, und Sie können sich wohl denken, daß mein Geist sehr wenig Theil nahm an dem Inhalt degroßen Foli» anr n de- Talmud-, der vor mir aufgeschlagen lag. — Di« Lettern schienen in wunderlichen Verschlingungen und Gruppen sich vor meinem Auge zu bewegen, wie da- La» terr enlicht, da-, von der Leichenhand eine- Verstorbenen genigen, über die Leichensteine de- Friedhöfenebelig und geis erhafr schwankte. — Wie gesagt^ ich war damals noch sehr jung, der Am gang de- Kampfe« der bessern Vernunft mit den alr, herx »brachten Wahngedilden, die meine ganze Umgebung unarfhörlich verkündete, war noch nicht so entscheidend, daß bei einer so mächtigen Collision desselben sich nicht der Sie. auf die Sxite de- Aberglauben« neigen sollte. — Vor so einer, wie e« mir schien, augenscheinlichen Evidenz «ruß e ich zurückweichen. Zwar gab ich mich nicht so leichten kaufe« hin, ich rief au« meinem Arsenale von Der» nunslgründen all, möglichen Waffen zu Hilfe; — allein wie var dieser so seltene Vorgang mir jenen au-zugleichen? Und daß ech mich in der Person nicht geirrt, bessen war ich j anz gewiß. — Mein ganzeschöne« Bernunftgebäude beka« e durch diesen so geheimnißvollen Vorgang eine stark« Ersst ütterung. Also, sagte ich mir, haben all die Ammen» mäh chen nicht gelogen; also giebt e« doch Fälle, die der reine» göttlichen Herkunft Hohn, sprechen; also walten doch* gehet nnißvoll« Mächte, die, des Gesetzen der Natur trotzend, die N oblen au« den Gärgen erstehen und sie mit Laternesi in d» Hand herumwandela lassen! — Wie weh that e« meine« Herzen, eine so schöne har»,.

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