Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 41 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur -V Belehrung und Untergattung aus jüdischem stebiele HerauSgrgebea von Rabbiner vr. Ludwig Philiffpsou in Bonn. rn« . . , 1 «o» dietcr Zeinwci«, erfifrcist [y(0» 41. ioOO^J »auss l Ult. «lerieljLdn» 7 n Hfemtlufe eine Rümmer. Peer« de» I«hr« «- * /. ,v, , n .» , , y 9tgr. «De *«4UmMU|C1. PoftSm.er f ](). HsKrL. S. HUgstNl.! i me» nehme» Bestell»»,en 4». *- 3 > J and Zeiw»s«ervet>it1 r m Die Gouvernante!. Eine Novelle.! # 1. Franziska an Adele. > Ich komme meinem Versprechen nach und schreib Dir, theure Freundin, am dritten Tage nach meiner Ankuns hier» selbst. Drängt mich doch mein Herz hierzu; denn da< Ei >e verlernt da« menschliche Herz niemals, sich mittheilen zu r >ollen, sei e« auch nur einem einzigen Wesen, da« es lieb und dem es ganz vertraut. Ich fühle mich nicht mehr e nsam in der weiten Welt, so allein ich auch in ihr stehe, so einsam mein Pfad durch da« Leben ist. Hiesr« Gefi dl ist mir entschwunden, die Gewohnheit har e« verdrängt. Aber jemanden zu wissen, der nach mir fragt, dem r«! um mein Leib und meine Freude zu thun ist, dem ich rsagen kann: so geht e« mir, und e« ist ihm nicht lästig, {« zu erfahren — diese« Bedürfniß ist mir geblieben unds Du hast es durch Deine Freundschaft in mir genährt. I Ich bi« eltemlo«, habe weder Bruder noch Schwester;! Du kennst die Verfolgungen, denen ich auSgesetzt war unb di» mich da trafen, wo ich mein Herz am ehesten geöffnet, wo ich meine Gefühle nicht verbergen zu müssen glaubte. Ich habe keine einzig« Zufluchtsstätte und daher auch «ine Wahl, wohin ich mich begeben solle, wenn nur bi« ^hre und die Pflicht nicht dawibersprechm. So zögertti ich denn auch nicht, die in einem öffentlichen Blatte angeborene Stelle al« Erzieherin in dem Hause de« Herrn vr. Amelm anzunehmen, nachdem mir eine, vielleicht oderflamliche Kunde über dessen Ehrenhaftigkeit geworden war. Muß ich doch haben, wo ich mein Haupt nieberlegen und blurch Anwendung meiner geringen Kräfte die Bedürfnisse de« Leben« befriedigen kann. Sollte da« Geschick mich, an den Unrechten Ort geführt haben, so werde ich zusthen müssen, wie ich e« an einem andern Platze viellttchr besser, vielleicht moch schlechter treffe. Glaube aber nicht, rheur« Adele, daß mich die« eigentlich unzjufrieden mache, nein, nur nachgiebig und nachsichtig. Ich bade j oft gedacht, daß e« vom Lenker de« Geschicke« sehr weise «ing,richtet ist, un« in tausend Fällm durch den Drang! der Verhältnisse zur Thätigkelt zu zwingen. E« würde Unendlich viel nicht geschehen und nicht gearbeitet werben, wenn da« lieb« Brot nicht dazu nöthigte. Und die« nßcht blo« bei un« mittelschlägigen Menschen, sondern viele Meisterwerk« der größten Geister würden da« Acht der SjeU nicht erblickt haben, wenn nicht die Geißel der äußqren Nothwendigkeit über ihre Häupter geschwungen worden und sie zur Anstrengung gezwungen hätte, wo sie gern ßtc i Ruhe und de« Genüsse« gepflegt hätten. Und so beneide I ich da« Loo« meiner zahllosen Mitschwestem nicht, welche im Hause ihper Eltern oder im eigenen nicht wissen, mit ' welchen Tändeleien j sie die Jahre ihrer Jugend verbringen | sollen. Diese Nothwendigkeit ist mir aber auch von anderer Seite willkommen, nämlich daß ich keine Wahl zu bereuen habe, da mir eine solche nicht freistand. Und die« ist für ein schwache- Frauenherz viel werlh, -denn e« schickt sich viel leichter in unvermeidliche Unannehmlichkeiten, wenn wi? un« sagen können, daß wir selbst sie nicht über un« heraufvesckworen. Ich kam spät abend« nach einer langen beschwerlichen Fahrt hier an. Der Wagen, de« Doktor«, haue mich von der drei Stunden^ entfernten Station adgeholt, und ob er auch gut und fest beschaffen, hatte ich doch von den schlech. ren Wegen, Heren riefe Geleise vom Froste eisern hart ge, froren waren, viel zu leibet. Der Abend war dunkel, und so konnte ich nur weite Schneefelder von finstern Nadelholzwäldern unterscheiden. Al« ich in da« Städtchen, da« jetzt mein Wohnort ist, einftihr, lag alle« schon von den Schatten der Nacht verhüllt, und nur hier und da warf ein Licht ein seine zittemden Strahlen durch ein Fenster. Wir. fuhren in ^inrn Hof, vor der Hintetthüre eine« stattlichen Har fe« vor, diese öffnete sich und «in Lltlichec Dimer nebst einer jüLgut Dirne traten mir entgegen^ „D rr Herr Doktor bedauern, Sie nicht empfangen zu können; er ist zul einent Patienten gefahren. Haben Eie die Gü e und folgen Ejie mir." So redete mich der Diener an und geleitete mich schweigend durch den Flur, über eine Tr«»pe und «mm Korridor nach einem Seitenflügel de« Ha! >seö, öffnet« eine Tbüre und sprach: „Hier sind Ihre Zin mer; sobald Sie etwa« wünschen, so schellen Sie; ein Na htessen ist bereit." Ich erwiderte, daß ich srhe ermüdet sei und deshalb nicht« mehr bedürfm werde. Er wür schte mir gute ffkuhe und verschwand. Ich trat in da« Zimmer, die Magd legte mein Gepäck nieder, und so war ich wieder-allein. In dem Hause herrschte tiefe Ruhe. E« waren zwei klein«, aber hohe und nette Zimmer, die mir angewiesen waren. Wer viel gereist ist, nimmt di« Geo ohnheit ah, sich zunächst in der Lokalität umzusehen, in i ie er einlogirt worden. Und die Untersuchung stellte mich sehr zufrieden. Da« eine Zimmer war zu meinem Sch af-, da« andere^nch Wohngemach bestimmt. In beiden brannte Helle« Licht und eine angenehme Wärme erfülle sie. Sie waren durchaus einfach, ohne Eleganz, aber mit allen | Qkgtnjtönbfit der Bequemlichkeit eingerich, ter. Auf emrcj Eiagbre befand sich eine kleine Bibliothek