Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 36 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Rolksvlatt. Zur Belehrung und Anterhattu ^g auf jüdischem Hebiele HerouSgegeb a von Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Bonn. [SHo. 36. 1863.1 »oa diese, Zetrschni« «rsckeimt »ScheaUtch eia» Na««er. Prei« des Iahe» g-a-s l Lhlr. VieneljShrig 7 U Nzr. »lle vachhaadlaq-ea. Postämter aad Ae-raas«erveditwaea aehmea Vestestaastra oa. [10. Jahrg. 3. ch irtal.] Jacques Offenbad). Jacques Opfenbach ist 182t inCöln am Rhein geboren, wo sein Vater die Stelle eines Synagogencanto rS bekleidete.'?) Sehr frühzeitig war der Knabe nach Paris gekommen, und schon in seinem zwölften Jahre erhielt er, über viele Mitbewerber siegend, die Stelli eines Violoncellisten an der Oper» comique. Er muß demnach ein auSgrzeichnereS virtuoses Talent besessen und «ine ungewöhnliche Beharrlichkeit in der Uebung desselben entwickelt haben, um ln so jungen Jahren schon auf dem schwersten aller Instrumente die nöthige Fertigkeit zu einem solchen Amte aufweisen zu können. Bei wem er Unterricht in der Com- Position empfangen, ist unS nicht bekannt; wir erfahren nur, daß feine ersten Composikionen in einigen Liedern bestanden, die er für den Komiker Gresser geschrieben^ ES wird nun berichtet, baß eine größere Oper von ihm durchgefallen sei. DaS letzter« wundert uns nicht, denn durch diese SchreckenSpforte böser Erfahrungen müssen ja alle schreiten, die in daS Reich der dramatischen Cvmposition efnhringen wollen. Viel mehr wundert unS, daß der junge Musiker in Paris so bald ein Libretto gefunden und die Composition desselben auf «ine pariser Bühne zu bringen vermocht hat. Bekanntlich gehört beides in der französischen Capital« zu den schwierigsten Untrmehmungen, die gewöhnlich erst nach jahrelangen vergeblichen Bemühnngen selbst schon in andern Fächern sehr renommieren Componisten gelingen. Es muß daraus geschlossen werden, daß Offenbach bald viel Vertrauen in sein CompositionStalenr zu erwerben, ober die Kunst verstanden habe, sich einflußreiche Freunde und Gönner zu gewinnen, wahrscheinlich beides zugleich. Wie dem auch sei, daS eigen« Vertrauen auf sein Talent in diesem Fach scheint nicht stark gewesen zu sein, da ihm der erste Unfall auf längere Zeit den Muth zu erneuten Bestrebungen der Art benahm, und er;m«fc rere Jahr« nur alS Virtuos in den pariser Coneerten wirkte. Daß er danach plötzlich Kapellmeister am TH6* •*)tre fraotjais geworden, später ein« eigene Bühne für die „Bouckes p»ri»eooes" gegründet, berichten die biographischen Notizen über ihn trocken hin, leider ohne die geringsten weiteren Andeutungen, wie er auf diesen Gedanken gerarhen, und welche sehr geschickte diplomatisch« Wege er aller Wahr- •) AuSjüglich aus der „Europa" No. 31. > •*) Wir erinnern une, von diesem Vater eine Hagadah mit Melodien zu den in'» Deutsche übersetzten Hebern» die sehr artig waren, gesehen zu haben. Nedaktion. -scheinlichkeitnach eingeschlagen hat, um seine Absicht zu erreichen. Genug, mit dem ersten Abende der Eröffnung seines kleinen Theaters in der Passage Choiseul. |»o er seine erste Operette „Les deux aveugles“ aufführte, war seine ferner« Laufbahn entschieden. DaS Erstlingswerk gefiel außerordentlich; allabendlich strömte daS Publikum her, bei, er hatte die rechte Sphäre für die Art seines T rlenteS gefunden, und er wußte e» auSzubeuten. Singsp el auf Singspiel floß nun c uder Feder dieseungemein schnell schaffenden Geiste-. < 5o lange die ihm ertheilre Coücessivn mehraktig« Stück« v rbot, bestanden feine allermeisten Werke nur aueinem Akte; später wurde ihm die Erlaub« niß zu größer» Stücken errheilt, und nun erschienest auch welche, die den Abend au-füllten, wie die Parodie „Orpdee aux enfers" und „Genevieve de Brabant.“ Davollständige Derzeichniß aller seiner bijetzt erschienenen Stücke haben wir nicht zusammendringen können, doch mögen fies wohl schon zu einigen dreißig angewachsea sein. Im Sommer pflegte Offenbach mit seiner Gesellschaft ein Sommerfheater in den Elysäischen Feldern zu beziehen, oder auf Reißen nach der Provinz und in- Ausland zu gehen, wie «t denn mit Gastspielen feiner Trupp« in Berlin und Wien großen Beifall fand. Mehrere seiner Stücke wurden in- Deutsche übersetzt, alz. B. „Le mariage k U lanterne“ (Die Verlobung bei der Laterne") — „Martin der Teiger" —!,,Da- Mabchen von Clifonzo' — „Orpheus m der Unterjvelt". In Wien hat eine form ich« Commandite der „Bouffes parisiennes“,«m kleineele >anteS Salontheater, errichtet werden sollen, welchedie im Offendach'schen Theater zu Parizu gebenden Operetten allemal gleichzeitig in französischer Sprache und mit Hilfe in Parigeschulter Sänge« auf- Repertoire bringen wirb. Die neuesten Werke »on Off««- bach sind die einaktige Operette: Le cbaosoo de Foftuoio, sowie die mehraktigen Opern: Boi BarkouC, Le potzt des soupirs, Le roman comique, Monsieur et Madame ieinis, Le voyage de Mr. Dunanan et fils etc. Die Direktion der Boaffes har "Offenbach niedergelegt. Im Laufe ^dieses Sommerfolgend« Opern zu liefern, verpflichtete sich Offenbäch contractlich: Les F6es du Rhin (für das Kärthnetthor« thearer), La belle Xurore (für das berliner Dictoriathsater), U signor Fagotto (für daS Theater in EmS), Les Giorgiennes (für di« Bouffes parisiennes). I ES war für bi« Art von Talent, welchein Offen» bach. schlummerte, der günstigste Umstand, daß er au» dem schwerblütig musikalischen Deutschland in feiner frühestta Jugend schon «ach Paris geführt wurde. Die Franzose« haben kein Kuastideal im strengen deutschest Sinn«, am