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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 31 (1863) · p. Seite 124

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
31 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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— 124 — Kuh knüpfte sich in seiner Reimlust an die Zeit und ihre Ereignisse. „An die tausend kleinen Fäden und Verknotungen, aut denen sich da- Gesellschafttleden zusammensetzt, Hefteteer, wie Auerbach*) sagt, feine Satyre";bei allen Ergebnissen und Gesprächen machte er sich Denkzeichen, um sie nicht aut der Erinnerung zu verlieren. Sein Wahlspruch war: Ich lobe mir die Thoren Trotz ibrer MidaSohrea: Wenn Jedermann vernünftig war', -l. Wo nahm' ich Stoff zu Sinngedichten her?**", Die verschiedenartigsten Zeitereignisse und Vorgänge boten ihm Stoff zu seinen Satpren, und wer mit den einzelnen, oft unbedeutenden Begebenheiten aut jenen Jahren J vertraut wäre, würde in Kud't Epigrammen sichere Anknüpfungspunkte finden. . Wir wollen hier nur auf einige Hinweisen: Die Narren einet gewissen Fürsten. Zwei Narren bat der Fürst in seinem Taselzimmerl Den einen siebt man stets, den andern siebt man nimmer: Neckt ihn der erste sehr. Neckt ihn der andere mebr. *** Daß mir diesem Fürsten auf k.lnen andern alt den großen Friedrich, und mit dem Narren auf Voltaire gezielt ist, sieht Jeder ein. Ein polnischer Jude ließ sich taufen. wat damals eben nicht zu den Seltenheiten gehörte; Kuh hielt et Mühe werlh. diese schlechte Thal durch ei« Gedicht ihm zu verewigen. Der polnische Jude, der ein Christ ward. Ein großer ÄUrkürst, dem kein Mangel droht, Verleugner die Religion Um einen neuen Lnel, einen neuen Tbro'n. Und mich — mir fehlen Dach und Brot — Mich tadelt ihr mit bitlerm Hohn! +, Sogar die schlechte Münze, welche sein O^rim Beitel auf höchsten Befehl prägte, die Züchtigten Ephraim,ren, unterlag seiner Saryre: Die Münze der Fürsten- Die Diener eure» Staats, ibr Herren dieser Welt,' Sind oft von innerm Werth, wie euer gute» Geld: Den meisten aber giebt — erlaßt mir dre Exempel — Nicht ihr Gehalt den Werth, nein, nicht» al» euer! Stempel- +f) Kehren wir nunmehr zu dem Leben unseres Dichters zurück. Die drei ersten Jahre seines Berliner Aufenthaltes ver- ] strichen seinem eigenen Geständnisse zufolge in ungetrübter Ruhe , und Zufriedenheit. Er sah sich vor Nahrungtsorgen ge-! sichert, stand in Achtung und hatte außer seinem Gehalte j noch über ein nicht ünbekvachtlicheS Vermögen zu verfügen, j Alles dies ließ, so weit menschliche Kurzsichtigkeit zu dei rechnen im Stande ist, eine glückliche Zukunft erwarten. *> Lnerbach gei. Lchtz. Xlll, 2. **) Gedichte I, 248. , •**) Edend. I. 171. +) Gedichte I, 157. Der große Kurfürst ist August II. von Sachsen, der spätere Köniz von Polen. t+; Ebend. I, 162 Hätte Kuh den Entschluß fassen können, sich hLutlich nie» derzulassen und sich zu verheirathen, so wäre er wahrscheinlich manchem später über ihn gekommenen Weh autgewichen. Sei et, daß seine allzugroße Sinnlichkeit, welche sich in den meisten seiner an Frauen und Mädchen gerichteten Gedichte und oft in recht derber Weise autspricht, ihn adhielt, sei et, baß er keine Wahl nach seiner Neigung tceffenkvnnte: er verheirathere sich nicht. Daß er oft und viel geliebt und auch seine angedeteten Mädchen besungen hat, ergiebt sich unzweifelhaft aus feinen Produkten. Wir erwähnen nur bas Epigramm: Kuh au feine Geliebte. Mit naffeu Augen fragest Du: Wirst Du mich langf lieben, 6ub? Du hoffst umsonst Bescheid au» meinem Munde: Weiß ich denn meine Sterbestunde?* oder: An mein Matchen. Nein. Rosalinde, rzein, ich laufe Nicht mehr von Dir zu andern hin; Ich komm' bei meinem Wankrlfinn ^Sletf au» dem Regen in die Traufe.** Zu einer sogenannten Cvnvenienz-Heiralh konnte er sich j nicht entschließen. Oie Art und Weise, wie solche Parthieen unter den Juden damals — und in manchen Gegenden auch noch jetzt — geschlossen zu werden pfiegren, verachtete er aus dem Grunde seines HerzenS. Treffend ist das dieselben geißelnde Epigramm: Die Heirarh. Erst knickert man ums Geld, Und kömmt man endlich überein, So nimmt man noch das Mädchen oben drein. Und dce'eS nennt die Welt — O Zeit! £ Litte!-frcp'n. ***) Und doch war eS zu seinem Unglück, daß er ledig blieb. Nach wenigen Jahren der Zufriedenheit verlor er endlich jeden festen Halt und ließ sich willenlos vom Schicksal treiden. (Forts, folgt.) * Gedichte I, 25o. «*> Ebenda'. I, 235. | *** II, 5‘J. : Allgemeine Zeitung des Indent bums. No. 30. I8*i3. Leitende Artikel: Da- Talmudstudium ehemals und jetzt. — Die Berbaudlungrn mir der Holländischen Abgeordneten kammer über keu Handelsvertrag in der Schwei;, am 18. Juni- (Schluß.) —Spendell'Liste für die Rietzer-Stiftung. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitung» Nachrichten: Deutsch! and: Oldenburg. Preußen: Neuwied. Stettin. Oesterreichifcher K«.iserstaat: Daitzen, Fünfkirchen. Frankreich: Paris. Italien: Aus Obcritalien. Schweiz: Bern. Rußland: Warschau- Jonische Jnseln:Kvrfu.Donaufürstenthü mer:Krajowa.Amerika: New-Uork. — Nachrr ag: Hamburg, Pari», Pyritz, Klavuo. Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhaudlung ' Jährlich 3 Thal», vieneljäbrtich % Th-ier. •f i Verantwortlicher Redacreur G. Fritzsche. «erlag vv» r>ap«gäri,er't B»»ba»rl»«g is Leipzig. — 2>ntd ec* «j» *t cg img in Leipzig.

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