Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 31 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur e(e0riinn uni) Mnterfjdftung ans jüdischem flekiele Herauogegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. 'L. rni <k a tO/*ol 8en bifltt Zrill»rill erfdxü» wochxnlli» eise Stamm«. Drei« de« Jahr. ri a ow , n - xt\ *1* -t [No. 31. 1863.] °»««r «. *0ltimn [10. Jahrg. 3,Quartil] Aritnnglerpeblnoim »rh«e» BtftrOnngen an. Ich bin ein Jude! Ich bin ein Jude, frei will ich'S bekennen. Ob auch der Pöbel diesen Namen schmäht; Wie meine Vater will ich stets mich nennen, Da mich derselbe Gotteshauch umweht; Will leiden, was die Ahnen einst gelitten Im Glauben an den einzig ein'gen Gott, Will streiten, so wie jene muthig stritten Für Duldsamkeit und gegen schnöden Spott. Mein Volk, du wurdest lange Zeit geknechtet. Verfolgt, mißhandelt und dem Tod geweiht; Und die Zeloten, die dich stets geächtet. Dir Untergang geschworen, Qual und Leid. — Sie weisen hin auf deine tiefen Wunden Und höhnen: „Sehr das niedrige Geschlecht!" Nur Muth, mein Volk, du wirst vom Leib gesundeis, Dir wird dein volles, unverkürztes Recht. Schon hast du Raum, die Kräfte anzuwenden. Die Geisteskräfte, seit du freier bist; Umgürte mit der Weisheit deine Lenden, Den Völkern zeige, was ein Jude ist! Voran auf dem Gebiete reichen Wissen-; \ Voran, wo Arbeit fordert einen Mann!! Dein Führer sei die Stimme des Gewissens, [ Sie hält dich nur zu Pflicht und Ehre an. Wenn bann noch unduldsame Menschen sprechen: | Er ist ein Jude, folglich feig und schlecht; — Dann wirst du dich als Jude wirksam rachen,! Da du vollbringst, was menschlich ist und recht. Dich werden früh're Hasser Bruder nennen, Und stolz rufst du, von Liede angewehr: „Ich bin ein Jude, frei will ich's bekennen, Wo ist der Mann, der noch den Name« schmäht!" M. M .. x. Mein Garten. (Schluß.) Mein Nachbar kommt in meinen Garten und sagt: Freund, so geht es nicht. Deine Beete sind so fest wse ein Brett, der Boden zusammengedacken, wie der Estrii eine- Zimmers. Da können die Pflanzen nicht sprieß, und treiben. Nimm die Hacke zur Hand und lockere di Erde auf, damit di, zarten Schößlinge hindurch könne. len ihr che Wie werden sie dann fröhlich in die Höhe und in die Breite schießen! — Wie? erwidere ich, heißt danicht der Natur Zwang anthun? Har sie nicht die Kraft, jede Schranke zu durchbrechen nach dem Maße, wie es ihr gut ist, und in der Weise zu gedeihen, die^ihr angemessen ist? — Seitdem habe ich genugsam erfahren, daß mein Nachbar Recht harre.' Während die Beete in sei>«y^ Garten mit frischgrünendrn Gewachsen und bunten, duften dm Blumen völlig überdeckt sind, stehen bei mir in den we gelben Strichen nur einzelne, kümmerliche Pflanzen, die Dasein dem trockenen Boden mühsam abgerungen. — Halt! Da stehe ich an der großen Frage, auf^e wir im Leben, in der Erziehung, im Staate, in der Ge» sellsfhaft, in der Heilkunde und wo nicht noch stoßen:' Wie weit Natur? wie weit Kizyst? Wo, wann und vre' sollen wiki der Natur freien Lauf, und ihren Schöpft»»zs» trieb ungestört walten lassen? Und wo, wann und oie weit muß die Kunst »he zu Hilfe kommen, sie regeln, beschneiden und befruchten? Der Mensch nimmt nun «in» mal eine Außnahmestellung ein, Gott har sie ihm sechst in seiner Schöpfung angewiesen. Was soll er mit dem Urwald, machen, in.welchem bald ein tiefer Morast, bild daunendlich wuchernde Unterholz jeden Schritt unmöglich macht? oder mir den Disteln, Dornen und sauren Gräfe n, welche di« Felder überwuchern und die ihr deshalb Unkraut nennt? oder mit der weiten braunen Haide, dir nuixbitn Biene» und Cicadm Nahrung spendet? Da muß ^le Kunst und die Arbeit de- Menschen eintretea. Ader wie saugt diese so leicht die Natur aus, wie verzärtelt sie deren Erzeugnisse, entwaldet Berg und Thal, daß die riefelnden Quellen verschwinden! Uederlaß den Knaben seiner Rattjr, wolle nicht täppisch in das feine Gewebe der Kindesseile eingreifen — siehe, die Leidenschaften und Begierden schlagen über ihm zusammen und Verstand ,und Herz bleiben ihk» roh und unentwickelt. Ader duMinstelst am Kinde unaufhörlich herum, das Ziehen, Gebieten und Versagen h8rt nicht auf, du pfropfest eine'Maffe von Kenntnissen uäd Sittensprüchea in dasselbe hinein, und es wird verkehrt, stumpf odkr^üchisch, dumm oder hinterlistig. Vertrau, d^r Heilkraft der Natur — und es frißt das verdeckte Ue der freigelassene Schaden immer weiter um sich. Behändst die Krankheit mss allen möglichen Mitteln der Kunst pnd das Uebel wird immer ärger und dein ganzer Orgayi mus geräth in heillos« Verwirmng. Wolle im Staa der natürlichen Freiheit de- Menschen volle Geltun lassen — und Ordnung und Gesetz sind bald leere Ra> Ader schnür' nur die Menschen in di, Bande der kleinlich Z1