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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 26 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
26 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. 3«; " ' Belehrung und ÄnterhyNung aus jüdischem Heßiele. Hrrausgegrben von l ' lNo. 26. 1863.} Rabbiner Dr. Ludwig Philippsön in Bonn. Boa dieser Aeitsckrts» erscheiat wScheuillch eiae Nummer- Preis de« Jahrgangs » Thlr. Bierirlsst-rtg 7^.Ngr. «lle BuchdaadUmAe», Poftämljcr uad Zeimagsexpedittoßea »eh»«« Bestell»»-«» au. slO. AsKrg. 2. tzusrtal.1 . Das deutsche Gauuetthum. > (Schluß.) Die großartigste Gaunerunterfuchung, die bis jetzt geführt worden ist und die in ihrer Gründlichkeit, fowie^den Resultaten nach, als ein Glanzpunkt in der Geschichte» der preußischen Criminalrechtspflege erscheint, ist die im Januar 1831 zu Berlin gegen den HandelSmann Moses kepin Löwenthal und Eonforten begonnene Untersuchung, bei welcher 520 Personen implicirten, 204 Personen, zur Untersuchung gezogen wurden, über 800 Verbrechen zur Sprach» kamen und 540 naher erörtert wurden, uuter denen 500als Raub oder gewaltsamer oder beträchtlicher Diebstahl, durch welche 40 öffentlich« Kassen und 400 Privatpersonen um mehr als 210,000 Thlr. bestohlen waren. Es wurde zusammen in erster Instanz auf 1204 Jahre Zuchthaus und 1380 Hiebe, in jweiter Justanz auf 858 Jahre und 1000 Hiebe erkannt. Die erstaunlichen Resultate der Untersuchung und die Menge pikanter Im dividuen und Gaunerstreiche, die in ihr zur Sprache gekommen sind, haben dem bekannten vom Crimtnalaeruar A. 8. Thiele 1840 herausgegebenen Werke gwissermaße« eine Popularität gegeben, weshalb hier um so eher auf dies Buch verwiesen werden darf. Wichtig ist aber vor allem diese Untersuchung als rin offenkundiger Beweis von der historischen Propaganda des Gaunerthums, das mitten im tiefsten langjährigen Frieden und bei dem Bestände! einer scharfsichtigen Polizei dennoch in allen social-politischen Schichten so geheim und mächtig fortwuchern konnte, daß es sich zu solcher Gewalt zu erheben vermochte. So sehr auch diese großartige Erfahrung das Gefühl der Sicherheit bei allen tieferblickenden Polizeimännern geschwächt und dafür ihren Eifer belebt hat, so wenig ist und bleibt doch das Gaunerthum durch diesen und manchen andern gvoß. arrigen Schlag besiegt. Seit dem wtlbm Sturmjaore 1848 hat es sogar kecker als je wieder sein Haupt erhoben und aller Orten dl« Behörden zum schweren harmäckigen Kampf provocirt. Die unter andrem seit mehreren Jahren eifrig thätig gewesene Criminalunkerfuchungscommission in Holstein unter Leitung des »ackern Marthiessen zu Glück, stadr hat erst im Gommer des Jahres 1850 ihre riefige Arbeit vollenden können, uad hat dabei, wie die große berliner Untersuchung und alle die vielen neuern Unoer» suchungen, die dis auf den heurigen Tag geführt sind, denselben Beweis über die Propaganda des Gauaerthums geliefert. Die offene Gewalt des Verbrechen« hat nur im soweit aufgehörr, als der gegnerische Widerdruck seine Kraft z^m Niederhalten behauptet und an den Tag legt. Oke Polizei und das Gaunerthum halten einander im Schach rchd stehen einander Ideobachtend gegenüber. Die -tieft Einbürgerung des Gaunerrhums in das sorial-poliästh« Leben kann dabei so wenig zweifelhaft sein, wie die lieber» zelugung, daß es mir'diesem fortleden und bei seiner! zu» Nehmenden Derkünstelung ebenfalls immermehr an Künstlich» mit gewinnen wird. Mag auch die Polizei «iemals^hhne A^rg 't»d ohne Verdacht gegm die Existenz und den verderblichen Wucher des Gaunerthums geblieben sein, mag sit, aus Achtung vor I dem Recht der fteien bürgerlichen Bewegung und aus Achtung vor dem Recht des Familien» hstuses, die Analyse deso überaus künstlich und buatfarig gewordenen bürgerlichen' Verkehrs zur Sonderung der im» lautern und 4?tn5rtng(mgfcbaft von dem baren Wesen des Bürgerrhumß vernachlässigt haben: gewiß steht fest, baß das Gaunerthum wie eia Parasiteagewächs Mit dem bürgerlichen Leben «erwachsen ist uad einen bedeuttnve» und edelü Theil seiner Kraft adforbirt, während die Polizei dem gefährlichen Feinde gegmüber im Nachtheil ersitzesnt. Lsas-' Gelingen des Gauiaerthums und das Mislingen der Polizei hat der gaunerifchm Kunst einm Nimbus verliehen, der von dem frühem festm Glauben an Hexerei zwar jetzt dsch schon auf die Ueberzeuguog von bloßer verwegmer Kunstfertigkeit reducirt ist. Immer wird jedoch auch noch di^ft Kunstfertigkeit als solche zu hoch angeschlagen, weil man meistms di« überraschenden Erfolge der Gauner» thaten, nicht aber M itttl und Weife der T hat befoudiers scharf ins Auge gefaßt hat. Eine genaue rationelle Darstellung der praktischen Gaunerkunst ist daher taff nächste und norhwendigste Mittel, um das Gaunerthum erkmnm ustd den schon Jahrhunderte lang währenden Kampf gegm dasselbe mir Erfolg fortsetzen zu können. I)>'. Gottholl» Solomon. Ein jüdisches Lebensbild s von Julius Philiptzsoa, Kaufmann io Magdeburg. 1 ' Das End« des vorigm Jahrhunderts nahte heran, uNd noch stand es schlecht mit uns Judm im gesammtm deutschen Baterlande. Umsonst hatte Lessing in feinem „Juden" «ln Beispiel tdelmürhiger Feinbesliebe auf die Bühne gebracht, uad in seinem Nathan das Judmrhum selbst verherrlicht: der richtige Christ wurde damals noch gerade «dm so au feinem Haffe gegm die Judm erkannt wie früher, und das allgemeine Verdammuogsurtheil schim

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