Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 24 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
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grauyi Alterlhum, von «imm Rabbi in dcm erzählten Factum Aehnliche« auSgeführt wvldm sei. Bon Raddi Naphtati Cohen erzählt niederum die Sage Folgende«. Der Rabbi, dem die VolkSsoge prophetische Begabung zuschreibr, wurde vom deutschen Kaiser devrver, er möchte sich raufen lassen, wobei ihm Letzterer versprach, ihn zum Bischof zu ernennen und viele Reichthümer ihm zuzuwenben; Raphrhali, der gerade auf der Straße «inen israelitischen Pferdeknecht gehen sab, sagte zum Kaiser: „hierüber wird Ew. Majestät schon dieser Mensch da unren die schuldige Antwort geben." Der Kaiser ließ sofort den Genannten rufen, fragte ihn, wa« sein Geschäft wäre, wie hoch i-sein jährlicher Verdienst sei; der Knecht nannte ihm eine es,hr niedrige Summe, worauf ihm dann der Kaiser den Anßrag stellte, sofern er sich kaufen laffe, wolle er ihm da« Sechsfache jährlich zukommen lassen. „Majestät!" antwortet«'der Angeredete, „mein Vater war em Pferdehändler und al|« er sich dem Tode nahe fühlte, richtete er folgende Worte an mich: Mein Sohn, du hast werter nicht« erlernt, als Hein Geschäft, so will ich dir folgende, für dem ganze« Leben wichtige Lehre geben. Wenn man beim Tauschgeschäft, dir ein Pferd andieten wird und von dir noch Gelv zuhsiben. will, so kannstj du .dreist auf-da« Geschäft eingehen; denn da« Thier ist gewiß besser, al« da« deinige; wird man' Die aber Geld zugeden wollen, so hüte dich da» Geschäft avzu* schließen; denn sicher taugt da« Pferd nicht viel." Das deutsche Gauuerthum. (Fortsetzung.) Die strenge Verfolgung der Räuber auf dem linken Rheinufer hatte für die betreffenden Territorien, mindesten« auf einige Zeit, sehr heilsame Folgen. Desto schlimmer warb e« nun aber dadurch in den Landern auf der rech den Seite de« Rhein. Die Räuberbanden waren nicht verlijgr, sondern nur ze r spre ngt, und fanoen, da e« ihnen am linken Rheinufer nicht mehr geheuer war, sich bald und rasch am rechten Rheinufer wieder zusammen, um au« den Rudimenten aller gesprengten Banden eine neue gefährliche Räubergruppe schon tiefer nach der Mitte Deutschland« hin zu bilden. Schon gleich nach dem obenerwähnten Eupener - Raube im Frühling 1788 hatte der flüchtige Avolf ^Weyer« sich in Neuwied niedergelassen. Bald fanden sich die berüchtigsten mersener Bandenmitglieder, z. Jö. Picard, Damian Hessel, Jan Bo«deck, Rouchet, Hampel hol mich u. s. w., zu ihm. Zur selben Ieit flüchteten andere Mersener, namentlich Leyser Pollack^, Meyer und Mausche Ga«, Mergeme« Joseph, Afrom May, Lang» leysrr u. s. w. nach Essen und traten mir o«a N«uwiedern in die alte innige Verbindung, sodaß nun arfch auf dem rechten Rheinufer da« ganze Räuderthum Eine große gewaltige Masse bildete, welche sich über ganz Deutschland verbreitete, da sich zu ihr alle andrer verbreche» rischen Elemente au« dem gesummten Deutschland zu Einern großen beweglichen Ganzen vereinigten, deren Einzelgruppbn nie'eine Stabilität und Abgeschlossenheit besaßen, wein ihnen auch eine Unzahl der verschiedensten Banbennamfri deigelegt wurde, je nachdem dieser oder jener Orr einen *) Bgl. Schwenken, Notizen, S. 257. längern Auflucht-ort gewährte, oder irgendein ausgezeichneter Räuber der ephemeren Coalitlon seinen Namen lieh.*) Diese Räubeemasse wurde aber noch gefährlich verstärkt durch den Ausbruch einer bedeutenden Anzahl Haupträuber, welche im Mai 1788 bei Gelegenheit eine« zu Daden im Dillenburgifchen unternommenen Raube« gefangen—) und nach Wesel verurtheilt waren, von dort aber im Januar und Juli 1800 entsprangen und sich zu ihren alsin Kameraden wieder «infanden. Alle Greuel und Gewaltthattn, mit welchen im vorigen Jahrzehnd die Territorien de« linken Rheinufer« heimgesucht waren, wiederholten sich wenn möglich in noch furchtbarerer Weise auf dem rechten Ufer, sodaß da« flache Land völlig preiSgegeben und auch in den Städten keine Sicherheit irsihr vorhanden war.—*) Da« Auffallende di!« Umstande«, daß Neuwied gleich Eckderoth und Rom«tbal einen fo langen und sichern Au» fluchsort bieten konnte, erklärt sich au« der Leichtfertigkeit, mit welcher Frnnden aller Art ohne Legitimation da« Recht der Niederlassung eingeräumt wurde, und barauß, daß pflichtvergessene Beamte, welche da« Gesindel häftch verscheuchen oder einfangen sollen, geradezu gemeinschafkUche Sache mit ihm machten und von seinen Räubereien klingende Vortheile zogen.-f) Al« endlich von außen her in Neuwied ernstliche Anstalt zur Verfolgung der Räuber gemacht und Picard nebst Aumüller, Wolf und Rüben - » *; Sv sieht man den Picard, den Hampel hol mich al« Hauptglieker bald der Effeudischeo, bald der Neuwicder Bande. - Eden» sv befand sich Schinverhanne« bald unter den Neuwiedern, buld unter simer rigeuen Baud«, ebenso Damian Heftel und die Gebrüder Harting; auch hatte Feyer in Deutz und auf der Reußer Fun, tpeier Sprung bei Aachen ein« Räubergruppe, die alle mlmrr wieder in die große Bereinigung zurückkraten und bald wieder in andere wechselnde Gruppirungen aurliefen- **) Dle» Ranbrrunternrhmen ist in mehr al« einer Hinsicht merkwüdig <S« war aus da« Geld und die Kostbarkeiten M ueuwleder Bankier» Bruckmann abgesehen, der in den Kneg«un» ruhen sein LermSgen zu seinem Schwiegervater Akt« in Daden gebracht hatte. Die versuchlesten und gefährlichsten Neuwieber uud die Errsilter von der Neußer Fun hotten sich zusammen» gethan, um unter Leitung des Adolf Weyer«, Damian Heftel uud Aarl ^eckmaau d«u Kaub zu vollbringen. Da« geüürmte Hau» de« Akt« fand sich leer. Ohne weirer«« stiirmwn die Räuber da« nächste beste Hau« eiue« Einnehmer«, der sich wacker verlheidigre, jedoch endlich überwältigt und beraubt wurde. Gegen Morgen begann der'Rückzug, und bei Tagesanbruch fand sich, daß di« Räuber bei einem dicken Nebel dev Weg verfehlt hatten und in einem Walde nahe bei Daden von tausend Bauern uud französischem Militär umzingelt waren. Nach einem zweistündige» helbeumüthigen Kampf« wurden die Räuber entwaffnet, gefangem uud ihrer zwanzig nach Dillenburg und später zur leben»läützlichen tzestung-ardeit nach Wesel geführt, vou wo ffe, wie oben erzählt, später entsprangen. ***) Sine Unzahl der siechsten Einbrüche werden im zweiten Theile der „Acienmäßigen Geschichte der Rheinischen Räuberba». den" erzählt, worunter die merkwürdigsten find - zu Hundsaugen (S. 221); zu Rö«rath (S- 222); bei Puderbach (S. 225)/uuweit Kaffel, wo in da« Ziprmer einer Leichenwache eingebrocheN wurde (S. 229); bei St.-Goarshausen (€>. 232); im Posthause zu Langenfeld, wobei der Postwagen zwischen Deutz und Elberfeld um 50,000 Livre« beraubt wurde (S. 262); zu Safterhof (äL 264); auf dem Düdeling, wo der schändlichste Mordbrawd verübt wurde (S. 271); zu Rieder-Seelheim (S. 302); zu Breirenau (S. 309); zu Hilscheid (S. 319); im Posthausi u Würge«, in Gemeinschaft mit der Band« de« Schiuderhavn« S. 32m; auf der Klincke bei Köln (S. 331», u. f. w. t) Bgl. „Aclenmäßigr. Geschichte der Rheinischen Ränder" bauven* II, 189, 295 fg.