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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 22 (1863) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
22 (1863)
Date
1863-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. | Zur •ßeteörunq unö 21 nter0aftuiig aus jüdischem Gebiete. HerauSgegeden von l Rabbiner vr. Ludwig P-ilip-sou in Bonn.! [9io. 22. 1863.] Von dir]» Zeitschrift erscheint vöcheuUtch ei»« Rumm». Prei« de« 2ahrr. A , n gang« 1 Thir. «irrleljähr,« 7il< Agr. Alle Vnchdandümgeu, Voftäwter I 111 jlHuffl. / und Zeiningrervetikionrn ueb«e» vestellunge» an. l. V Die Sittenlehre des Hiob. (Fortsetzung.) Versagte ich den Wunsch der Armen, Ließ ich der Wittwe Augen schmachten, Aß ich mein Brod allein, Und aß die Waise nicht davon — Sie wuchs von Jugend an Mir ja wie Eine- Vaters aus, Und wie von meiner Mutter Schoß leitet' ich sie Wenn ich Verlornen ohne Kleidung sah, Den Durft'gen ohne Decke, Und seine Hüften segneten mich nicht, Von meiner Lämmer Schur gewärmt; - Wenn meine Hand ich gegen Waisen schwang. Weil ich im Thorr meinen Beistand sah: So mußte meine Schulter aus der Achsel fallen. Mein Arm in seiner Röhre brechen; Doch Furcht war -in mir vor der Strafe Gotte», Vor seiner Majestät vermocht' ich nichts. — Da» Allgemeinste voran. Aber mit tiefer Sinäigteit „des Armen Wunsch". Nicht also allein die genaue Adwä» gung des unumgänglichen Bedürfnisses, des durchaus unerträglichen Mangel-, sondem auch. die Berücksichtigung dein dem Herzen drs Dürftigen lebenden Wunsches. Und man kennt ja die Eigenheiten dieses menschlichen Herzen-, das, durch die Einbildungskraft verleitet, nicht selten das.Nvth» wendige übersieht, und sich an etwas Entbehrliches hängt, das Ader mit seiner' inner» Gefühlswelt in irgend einer unmittelbaren Beziehung steht. Solche lebhafte Wünsche, in der« Befriedigung der Arme gerade ein Glück sinder, sollen wir nicht unbeachtet und womöglich nicht unerfüllclassea, voraussehend-, daß die Armuth bereits dem Bedürftig« den rechten Maßstab «ingesenkt hat, um ihn vor Aus» schrrilungen seines Verlangens zu wahren. Freilich, stellt hier der heilige Dichter ein Ideal auf, von welchrch sich die meisten Leser, wir meinen nicht dlos die gegenwärtigen unseres Blatte-, sondern dl« zahllosen Leser de» großen Meisterwerks in allen Zeiten, fast unwillig abwenden werden. Es ist schon schwierig genug, werden sie sag«, und scheint uns allzugroß, die uuabweislichen Bedürfnisse des Armen zu befriedigen, als daß wir noch stine Wünsche beachten sollten, die noch dazu, werden sie erfüllt, sich stnmer mehr steigern werden. Allein so wörtlich ist der Ausspruch nicht zu nchmen, sondern er will nur in ferner Weist anbeulen, daß überhaupt in der Wohlthätigkeit nicht nur der rechnende Verstand, sondem auch dies mitfühlende Herz thätig sein sollen, und uns zu wissen thun, daß mif de» bloßen Schutz vor Verhungern und Erfrieren die 'Sache noch nicht abgethan fei. Und in der Thal, lieber Lestr, wenn Du auch augenblicklich dachtest, was wir oben ausgesprochen, handelst Du doch selbst ln der Wirklichkeit anders. Düsiehst Dir den Dürftigen an, frägst nach seinen frühem Ledensverhältnissen, nach dem Stande und .^ Vermögen, von welchen er heruntergekommen und demissest Deine Gab, hiernach. Du bleibst also sekbist^idem unumgänglichen Bedarf für die Lebenserhaltung! nicht stehen, sondern ziehest in Betracht, was ihm wohl aus seinen früher« Gewohnheiten und Anschauungen übrig geblieben und darum al» Wunsch seines Herzens nicht geschwunden ist. - 1 Unter den Hülfsbedürftigen stellt die H. Schrift | stets die Wittwe und Waise voran, und unterläßt es ntetuals, diese, neben dem Armen besonders aufzuzählen. So i auch hier. „Ließ ich der Wittwe Auge schmachten" —i tatet darauf hin, daß wir nicht allein auf dm Hülferuf det ^am lautest« uns angehenden Wittwe hören sollen, daß wir viel« mehr ganz besonderdie aufsuchen mögen, welche in Litauer und Sorge, in Kummer und Bedrängniß um ihre Kmdrr, aber in der Scheu und Scham vor dem unqechoHnt« Bitten nur still Ihre Thränen fließ« und ihre > Auge» nach Hilft «mhersuch« läßt. Eine solch« ist die Hülfshe» dürftigste, ist die, welche der Barmherzigkeit am n lühdrück« lichstea empfohlen werden muß. Am ausfihrlichf m jaricb 1 aber die Pflicht gegm di« Waise gezeichnet, uch nach hier über di» bloäußerliche Fürsorge hinaus; Peiffe». Du sollst der Waise nicht blos Brot gebe«, sinder» sie emit dir verzehr« lassen, sie zu dir he^nzieh«, »nd ihr so durch freundliche Gleichstellung den Verlust des B lters und der Mutter aus der Seele bringen. Du olls sie erziehen und leiten, als wie wmn sie deines eigen« Le ters, deiner eigen« Mutter wäre, in brüderlicher Li V und Sorgfalt. Schöner und zarter konnte der Ausdrick licht gewählt und di« Anweisung nicht gegeben werden lnch unsere Waisen Hab« diese Einschärftmg« der H. Schrift wohl bewahrt und in der Klassifizirung der wohtthck^ige» Handlung« di« Versorgung der Wlttw« 'und >tt Erziehung der Waisenkinder albesondere, unerläßliche Pflicht eines Israeliten aufgesthrt. — Hierzu «erden »*» »och einzellae wohlthLtige Handlungen gefügt, iafonders die Bekleidung der Entblößten, wozu bei d« biblisch« Schkiftsteve« immer hie Decke zu« Nachtlager gehört. Aisinnige Züge hierbei deutet der Dichter darauf hin, rtaf er dem Nackend« au» seinem eignen best« Dorrash

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