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Jüdisches Volksblatt · 1863-01-01 · 20 (1863) · p. Seite 80

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
10 (1863)
Issue
20 (1863)
Date
1863-01-01
Page
Seite 80 (sequence 4)
Language
German
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— 80 Lde in Geschichte der jüdischen Geme Stanislau. Loa Reh. Lande« iu volechow (Schluß.) Nach Verlauf von einigen Jahren starb 9' Pv^ocki am 18. Mai 17M, währenddessen sehr imposinlen Leichenbegängnisse« der Starost Nikolau« | nachdem er etwa» über seinm Durst getrunken halte, einen Juden in St. erschossen haben soll. JD«c Sohn de«! Verstorbenen machte dem Starost hierüber Wirrere Borwürst, worauf der Au-qescholtene in rurh. Sprache gesagt haben soll: „Schweig, schrei nicht, für Einen werde ich dir eine ganze Fuhr Juden schicken!" Und in der That reiste er sogleich nach Buczacz, woselbst er durch seine Kosaken eine ziemliche Anzahl jüdischer Jünglinge auflangen ließ, die er dann wie Kälber auf einech Leiterwagen packte und sie nach St. vor dem Schlosse 'adzustellen befahl. Einer vhn diesen soll spater ein schöne- Hau« errichtet haben, dfl« unter dem Namen „bas Schmaische" bekannt ist. *) Unter der Herrschaft de- Nachfolgers Stani-lau« Porocki findet sich nicht« Miktheilenswertde«!, wa« auf die Juden Bezug hätte Die Stadt konnte sich im Allgemeinen nicht aufschwingen, weil fie in dch» damal« sehr unruhigen Zeiten häufigen feindlichen Ueberßallen au.Sgesetzt war, und die Einwohner ohne Unterschied! durch Kontributionen harr gedrückt wurden. Ein solcher Uederfall wiederholte sich auch am 7. August 1764* Erft nach Einverleibung Galizien« mit der österreichische« Monarchie unter Maria Theresia begann sich St. zu erholen und auch die jüdische Einwohnerzahl zu vermehret. 1808 umgaben bi« Israeliten ihren Friedhof mir einer Mauer.") Im I. 1828 erlitt St. eine Feuer-drunst, wobei auch die Spnagoge ein Raub der Flammen wurde. Wa« den Fortschritt anbelangt, so war deiselb« niemals die starke Seite St.'«; hier wird noch mir größt« Halsstarrigkeit *) Da« ganze Factum, obwobl als ungewiß bargestellr, trägt doch da« Gepräge der Wahrhnl an fiw. Dean ersten« sieben solche Barbareien der Grundherr?« den Juden gegenüber nicht vereinzelt da,* zweiten« würden die Ehr« nisten gewiß eine solche Lchandthar von einem Mitglied« der e ften Familie de« Lande«, wenn dieselbe ganz nuwahr gewesen u »re,' nicht erwähnt haben. **) Die Veranlassung hierpr soll folgend« rhatiache gewesen sein: Leit einiger Zeit bemerkte man, daß die fristen Gräber daselbst aufgewühlt und die jüd. Leichname entblößt und verstümmelt waren Die nächtliche Lache behauptete, laß nächtlich zwei Gespenster vom christlichen Friedbose' daberl immtn und die Leichen verstümmeln. Dieie« Gerücht letzte di t jüd. Einwohner heran in «schrecken, daß Niemand mehr die nächtliche Wache übernehmen sollte, während die Verstümmln v \ der jüd. Leichen fondauerte. Da aber bald darauf di« Ehriste i auch nicht medr Wach« balren wollten, s» wurde Militär aq« rin und auf den Posten gestellt. In der Tbat eilten vom ch istlichea Friedhöfe zwei weiße Gestalten Blitze«schnelle dem; ldischen zu. Da« Militär feuene hierauf snq^ Gewehre ab, di« Gespenster fielen, worauf man sich überzeugt?', daß e« Hunde »»ren. B« r Bering »on 9<an|in am Alten und Herkömmlichen festgkhalten und ist man nicht geneigt, der Neuzeit Eoncessionen zu machen. Zwar machten im I. 1848 einige edeldenkenve Israeliten den Versuch, eine jüd. Schule zu gründen, und eröffneten zu diesem Zwecke vorläufig eine Privatanstast, deren Kosten durch PrivatbeitrLge gedeckt wurden. Leider erfreute sie sich telaer langm Dauer! Im I. 1860 wurde dieser Versuch Seiten« der dortigen k. k. KreiSbehöcbe und de« rühmlichst bekannten Salomo Frankel erneuert; allein eine gewisse Partei wußte die Sache durch geschickte Manöver zu vereiteln. Stani-lau hat ein jüdische« Spiral, da« vor einigen Jahren durch die Bemühungen de« Herrn Asia« Lanby organistrt wurde. Der Kostenaufwand wird bloß durch freiwillige Gaben gedeckt, wa« wohl ein schöne« Zeugniß von der Milbtdatigkeit der Stani-lauer Juden giebr. Die Bevölkerung St.'« ist gegenwärtig überwiegend jüdisch, da von den 11000 Seelen St.'« 6000 Juden sind, die 1,400 jüd. Familien aagehören. Im Ringplatze wohnen durchaus Juden, sie beschäftigen sich meist mit Handel, zählen aber auch 140 jüd. Meister verschiedener Handwerke in ihrer Mitte. E« giebt hier viel Reichthum, aber auch große Armukh, indem r« weder Fabriken giebt, wo die armer« Klasse Beschäftigung finden könnte, noch jüd. Schulen, wo die unbemittelten Kinder Unterricht genießen könnten, um sich bann auch ' außer dem Weichbilde der Stadt ihren Leden-unterhalt zu er- I werden, wodurch der Pauperismus bei der Lrmrcn Be- II völkerung zunimmt. \ Zum Schluss« meine« Aufsätze« will ich noch de« chorngen Beerdigung«-Verein« Erwähnung thun, dessen Statuten so manche- Kuriose enthalten. So z. B. muß jede« neu eintretenbe Mitglied eine Mahlzeit von 6 Speisen für sammrliche Mitglieder de« Verein« veranstalten, die man n:vp miss nennt, worauf da« Mitglied L Jahr« nsn ist, nach Verlauf de« gedachten Zeiträume« ist e« wiederum gehalten, die große Mahlzeit (ndiia muo) zu veranstalten, wobei bi« doppelte Anzahl von Speisen verabreicht werden muß und zwar alle nach gehöriger Vorschrift. Ich habe deshalb diese Bestimmungen de« Beerdigungs-Verein« hervorgehoben, weil die Statuten mancher christlichen Zünfte in Stbei Eintritt irgend ein,« Mitglied«- ähnliche Punkte enthalten und dennoch macht man den Juden den Borwurf, daß sie sich nicht« Nationale« in G. angeeignrt haben!... Allgemeine Zeitung de« Judrnrhum«. Ro 13. 1863. Leitend« Artikel: Der hebräische Untericht in deu jüdischen "Schulen. — Zur Sprachenftage bei den Juden. — Au« den Niederlanden. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hamburg, Darmstadt, Leipzig. Preußen: Stettin, Bonn, Loltbu«. Oesterreichischer Saiierstaal: Prag, Wien, «rakau, Lemberg. Bödmische-Leipa, Pesth. Italien: Rom. Au« Oderitalien. Rußland: Warschau. Nordamerika: New-Aork — Nachtrag: Löln, Jerusalem. SS" Zu besieben durch jede« Postamt und jede Buchhandlung Jährlich 3 Tbaler. vieneljäbrlich >/A Dhaler. aviwortlicher Redacleor I. H. Luder. n‘* vnSbnndlnng in Vriniif. — Druck von Lt * 11 s f i n g in?cictig.

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