Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 10 (1863)
- Issue
- 20 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Jüdisches Volksblatt Belehrung uni) Unterhaltung aus jüifischem Ltelnete. v Herairögegrbeu von \ i Rabbiner Dr. Ludwig Phili-Psou in Bonn. i [91o. 20. 1863.] »ob tiefet ZetrKbriN etftbeint »VcheRwch ride Nummer. Preis de« «aog« i Tblr. «ienegäbrig 7 '«s Rgr. Alle VuchdaudtR»«e«, Pofttoler »uv ZeikBB««ervedi»o»e, Rehmen BeftelluRge» an. Ä» [10. jahrg, 1. $4tajtal] Die Sittelllehre des Hiob. (Fortsetzung.) Hiob fahrt fort: Wenn ich mit Lug umging. Zum Trug mein Fuß geeilt: Er muß mich wägen auf de- Rechte- Schalen, Und Gott erkennen meine. Unschuld! Wenn von dem Wege wich mein^ Schritt, Mein Her; ging meinen Augen nach. An meinen Händen Makel klebte: Ich mußte säen, und ein Andrer essen, ' Und meine Sprößlinge entwurzelt werden! Die böse Begierde führt zunächst zu Lug und Trug. Wenn es Leute gab und giedl, welche dem Menschen da- Bose angeboren glaubten, eals den eigentlichen Grundkon unsre- Herzenanfahen, wenn iS Männer gab und giebt, welche dem Materialismus Erwerb und Genuß ohne alle Bersücksichtigung sittlicher Gesetze predigten und vertheidigren: sie finden ihre nachdrücklichste Widerlegung darin, daß der Mensch, so lange er noch nicht ganz verstockt ist, sich de- Bösen vor sich selbst und vor Anderen schämt, daß also da- Gefühl de- Guten so in ihm vorherrschend ist, daß er sich desselben nur durch lange Uedung ganz zu entäußern vermag. Er greift daher zunächst nach der Verstellung. Die bös« Begierde, wenn ihr Genüge geschehen soll, kleidet sich in die Lüge, um nicht in ihrer Blöße erkannt zu werden. Man will noch im reinen Lichte erscheinen, während di« rothe Gluth schon au- Wort und Thar herauSschlägt. Die Lüge aber ist die Mutter de- Truges. Die döse Thar findet äußeren Widerstand, den zu überwinden, und dennoch vor den Menschen unerkannt und straflos zu bleiben, nur der Hinterlist, den Künsten de- Trugegelingen kann. So treibt alle- Böse, dawir in uns auftommen lassen, eine zwiefache bittere Frucht, die böse Thar an sich, und daß diese immer neue Vergehen erforderlich macht. Unsere Weisen sagten daher richtig: „Eine Sünde zieht die andere, eine gute Thal die anbtt« nach sich." — Und nun, Mensch, brauchst du nur noch einmal und wieder einmal der in dir und durch dich selbst gestärktest dösen Begierde zu folgen, und die böse That wird zur bösen Gewohnheit, und bas Vergehen wird »um Laster. Diedeutet der Sittealehrer durch die Worte an: „Wenn von dem Wege wich mein Schritt, mein Herz ging meinen Augen nach," denn es ist nun eben schon zu einem dösen Wandel geworden, der Verirrtt hat den rechten Weg verlassen, sein Fuß schlug einen anderen Pfad ein/ dessen Nichtshnur allein durch die alleinherrschend gewordene bös« Bel ierde in dem Wechsel ihrer Gegenstände und ihrer Risttpag vorzeichner. So kommt e« denn auch, daß di« Sch««, verschwind«, daß da- Gefühl und Bewußtsein de- E Uten und Rechten so abgeschwächt worben, daß da- Urthei d« Menschen gleichgültig geworben, daß da- Böse osser gotrieben wird, und so „Makel an den Händen des Lebelj treterS klebt," daß er ehrlos geworden, und dem Verdi rben! unaufhaltsam zutreibt. \ Dies ist der Entwicklungsgang des sittenlosen Menschen, und er ist mit tiefem Sinn« von dem alten Sittml hrer mit seinem Gefühle in den angeführten Versen anged uter worden. Wenn aber das von Gott in uns gesenkte» in die, Menschennatur eifigewedt« Gefühl des Guten und Bösen, das man gewöhnlich Gewissen nennt, nicht die ' Kraft besitzt, uns vor Verirrung und aus dieser vor Vrrberbniß zu schützen, was soll der stärkere Schild, bi« höhere Abwehr für uns sein? D« Dichter spricht es hier immer wiederholt auS: das Bewußtsein, die Uederzeugmeg, daß Gott unsre Handlungen-richtet, und den Sünder früher oder später mir den Folgen sein« Handlungen, mir der Strafe hetmsuchr. Ja, Gott „wägt auf der 6«W« de- Rechtes" da- Thun de- Menschen, und erkennet, b. h. richtet feine Schuld oder Unschuld. Der Gewinn, den der Trug erhoffte, geht ihm verloren, und selbst da-, ^vas ec deseffen, was er m« Anstrengung erworben, schwindet in dem Gerichte seinebösen Wandeldahin. „Er skec, und ein Anderer erntet, und feine Sprößlinge weid« entwurzelt", selbst aufseine Kinder und Nachkommen erste» ken sich Pie Folgen feiner Handlungen, weder für sich, noch für sie hat er geschafft und gebaut, denn sie werben brr Schande und der Armuth anheim fallen, die « d» rch seinen schlechten Wandel heraufdeschworen . . . Zweifelst du hieran? Schau um dich im Leben, blicke durch die Oberfläche hindurch,' und von allen Seiten werben di» Beispiele dessen sich an dich hrrandrängen. Fürwabr, - ist dienicht die einzige Richtschnur in den menfchtir»en Leben-Verhältnissen, nicht' daeinzig« Motiv zu <ukn Vorgängen und Ereignissen in der Menschenwrlr, binn Gott hat bas Leben vermannichfaltigt und es zu vielfachen Momenten sich ausarbriten lassen. Aber t ne Fülle von Erfchojnungea zeugw^bafür — lass dich warben durch sie! " (Korks, folgt.)